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Alno stemmt sich gegen Insolvenzgerüchte

Der angeschlagenen Küchenbauer Alno stemmt sich entschieden gegen die am Markt kursierenden Insolvenzgerüchte.
Alno

In dieser Frage wurde Alno-CFO Ipek Demirtas deutlich: „Nein“, antwortete die Finanzchefin des dauerkriselnden Küchenherstellers unmissverständlich gegenüber Euro am Sonntag auf die Frage, ob bei Alno eine Insolvenz drohe. „Wir wissen nicht, woher die Gerüchte kommen und können sie auch in keinster Weise nachvollziehen“, sagte Frau Demirtas weiter.

Im Markt rumort es trotzdem noch immer deutlich. Die nur wenige Tage zurückliegenden Insolvenzen von MT Energie und Mifa im Markt für Mittelstandsanleihen belasten viele schwächere Emittenten, zu denen Alno ohne Zweifel zählt. Die Alno-Anleihe notiert inzwischen unter 60 Prozent.

Auf die Stimmung drückt auch Alnos schwaches Zahlenwerk. Zwar soll das zweite Halbjahr 2014 besser werden als das erste Semester, Geld verlieren wird Alno jedoch in jedem Fall. Das Ebitda wird auch in diesem Jahr negativ sein, wenn man die Kaufpreisallokation aus dem AFP-Deal außen vor lässt. Und die Kasse ist mit rund 3 Millionen Euro zum Halbjahr alles andere als üppig gefüllt.

Alno hängt am Tropf von Whirlpool

Die Krise klebt an Alno seit mittlerweile zehn Jahren. Nach einem Schuldenschnitt der Banken 2012 ist der Konzern zwei Jahre später schon wieder hochverschuldet – inzwischen freilich weitgehend am Kapitalmarkt und kaum noch bei Banken. 2014 stehen bei Alno keine Zinstermine mehr an – nur das Stillhalteabkommen gegenüber dem Großaktionär und Lieferanten Whirlpool (Bauknecht) läuft aus.

In den vergangenen Jahren aber konnte Alno stets auf Whirlpool bauen, wie man in Pfullendorf betont. Wenn es nötig wurde, haben die US-Amerikaner, die auch ein Gesellschafterdarlehen über 30 Millionen Euro an Alno vergeben haben, dem Küchenhersteller stets längere Zahlungsziele eingeräumt. Die Unterstützung ist nicht uneigennützig, schließlich stabilisiert Whirlpool seinen zweitgrößten europäischen Absatzkanal – ein margenreiches Geschäft, denn in den Paketpreisen der Küchen sind die einzelnen Kosten der Hausgeräte für Endkunden weniger transparent.

Rund 90 Prozent der von Alno vertriebenen Geräte kommen von Whirlpool, dessen Forderungen mit saisonalen Ausschlägen bis in den dreistelligen Millionen-Euro-Bereich reichen. Eine Folge der Abhängigkeit Alnos von Whirlpool dürfte aber auch eine für den Küchenbauer tendenziell ungünstige Erlösverteilung sein und damit auch eine Belastung der Profitabilität.

Der Finanzierungsbedarf kommt 2015

Im kommenden Jahr steht Alno vor neuem Finanzierungsbedarf, wenn im Frühjahr die Zinsen der Mittelstandsanleihe und die Wandelanleihe bedient werden müssen. Zudem muss die operative Restrukturierung finanziert werden.

Derzeit laufen verschiedene Spar- und Effizienzmaßnahmen an, die Alno mit seinen vier Standorten zentraler, vor allem aber die IT und den Einkauf effizienter machen sollen. Zum Vergleich: Der ostwestfälische Branchenprimus Nobilia etwa bedient den Markt von einem Standort aus. Die Produktionsverlagerung des erworbenen Küchenherstellers AFP von der Schweiz ins Pfullendorfer Stammwerk ist im vollen Gang. Noch setzt Alno allein auf diese Maßnahmen. Sollten die Anstrengungen nicht ausreichen, um den Turnaround zu erreichen, müsste Alno wohl zu größeren Einschnitten greifen.

Alno spielt auf Zeit

Zumindest bilanziell hat Alno durch den Kauf des Schweizer Wettbewerbers wieder etwas Spielraum gewonnen. Infolge der AFP-Konsolidierung buchte Alno immaterielle Vermögenswerte von knapp 50 Millionen Euro in die Bilanz, was zum Halbjahr zu einer seit langem wieder einmal leicht positiven Eigenkapitalquote führte. Die Übernahme des defizitären Unternehmens brachte auch Badwill von rund 60 Millionen Euro mit sich. Wegen der stark gewachsenen Höhe der immateriellen Vermögenswerte und der unsicheren Geschäftsaussichten sind zukünftige Wertberichtigungen nicht ausgeschlossen.

Ein paar Waffen hat Alno für seinen Überlebenskampf im Finanzierungsbereich aber noch im Arsenal. Die Pfullendorfer verfügen über Vermögenswerte wie Immobilien und Marken in Eigenbesitz, die der Konzern wohl verkaufen könnte. Zudem kann Alno noch eine Kapitalerhöhung anbieten, allerdings sorgt der aktuelle Börsenkurs von unter 1 Euro für das Problem, dass dafür im Vorfeld womöglich zuerst eine Kapitalherabsetzung nötig werden könnte.

Entscheidend wird aber sein, ob Alno mit der 37 Millionen Euro teuren AFP-Transaktion nicht nur  alles auf eine Karte gesetzt, sondern auch einen guten Deal gemacht hat. Dass dies der Fall ist, lässt sich im aktuellen Zahlenwerk noch nicht erkennen. Das Alno-Management dürfte in den kommenden Gesprächen mit den Finanzierungspartnern stark gefordert sein.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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