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Banken zweifeln an IVG

The Squaire

Hohe Abschreibungen und ein schwächelnder Markt für Gewerbeimmobilien haben die Zahlen des Bonner Immobilienkonzerns IVG Immobilien für 2012 ordentlich ins Minus gedrückt: 98,7 Millionen Euro Verlust meldete der Vorstand heute morgen. Zwar erwarte man zum jetzigen Zeitpunkt für das laufende Jahr ein leicht verbessertes Ergebnis, angesichts der veränderten Marktbedingungen seien zuverlässige Prognosen aber nur begrenzt möglich, so das Unternehmen. Die IVG-Aktie rutschte nach Vorlage der Zahlen am Morgen zeitweise um fast 40 Prozent ab.

Vor allem die geänderten Rahmenbedingungen in den Bereichen Regulierung, Energiepolitik und Konjunktur machen IVG Sorgen: „Wir sehen uns in einem ohnehin schwierigen Marktumfeld mit neuen zusätzlichen Veränderungen konfrontiert. Uns belasten die grundlegenden Veränderungen, mit denen sich sowohl Banken als auch Versorger derzeit auseinandersetzen müssen und die auf IVG großen Einfluss haben“, sagte IVG-Vorstandssprecher Wolfgang Schäfers. Die Gesamtverschuldung bezifferte der CEO auf der Bilanzpressekonferenz auf mittlerweile 4,23 Milliarden Euro – das entspricht einer Quote von 70,6 Prozent.

Wie die Wandelanleihe refinanzieren?

Aber nicht nur makroökonomische Faktoren setzen die Unternehmensführung unter Druck – besonders die Refinanzierung einer Wandelanleihe hängt derzeit an einem seidenen Faden. Erst vor Kurzem hatte der Konzern die Zinszahlungen für die Anleihe mit einem Volumen von 381,4 Millionen Euro ausgesetzt. Da Investoren im März 2014 eine Put-Option haben, wird IVG vermutlich in einem Jahr zurückzahlen müssen. Im Markt herrschen starke Zweifel an einer fristgerechten Tilgung, weshalb der Kurs des Wandlers auf knapp 50 Prozent des Nominalwerts eingebrochen ist.

Darüber sind auch die kreditgebenden Banken mehr als beunruhigt. „Nach meinen Informationen sollen sich einzelne Kreditgeber schon von Darlehen unter par getrennt haben“, sagt ein Frankfurter Banker. IVG sollte also so schnell wie möglich ein tragfähiges Konzept zur Refinanzierung im kommenden Jahr vorlegen. Das wird nicht leicht werden, läuft Ende dieses Jahres doch zudem eine Finanzierung über 500 Millionen Euro für das Bürogebäude „The Squaire“ am Frankfurter Flughafen aus. IVG versucht seit mehreren Jahren, das ehemalige Prestigeobjekt loszuschlagen – bisher aber ohne Erfolg.

Der Vorstand muss nun gezwungenermaßen die Flucht nach vorne antreten, das Unternehmen soll mit einem neuen Finanzierungskonzept solider aufgestellt werden, wie CFO Volckens erklärte: „Wir werden unsere gesamte Finanzierungsstrategie an die neuen Herausforderungen anpassen.“ Dazu werde derzeit ein Maßnahmenplan erarbeitet, der den Kapitalgebern kurzfristig vorgestellt werden soll.

Details will IVG auf der Hauptversammlung bekannt geben, die angesichts der neuen Entwicklungen nun nicht wie geplant am 16. Mai, sondern voraussichtlich Ende Juli stattfinden soll. Dort droht dem IVG-Vorstand nun ein heißer Ritt.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Info

Verfolgen Sie die Verhandlungen mit aktuellen Updates auf der Themenseite zu IVG Immobilien.

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