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Behrens arbeitet an Plan B

Für den Fall, dass Joh. Friedrich Behrens im laufenden M&A-Prozess keinen Erfolg hat, hat das Unternehmen nun ein Konzept zur Restrukturierung vorgeschlagen.
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Der insolvente Hersteller von Druckluftnaglern Joh. Friedrich Behrens legt einen Plan B für die Restrukturierung vor. Ziel ist dabei weiterhin die Fortführung des Betriebs. Behrens musste im November vergangenen Jahres Insolvenz beantragen, nachdem das Unternehmen eine fällige Anleihe nicht zurückzahlen konnte.

Das neue Konzept zur Restrukturierung basiert auf einem Vorschlag von einem der Großgläubiger der Mittelstandsanleihe, dem Investor Markus Pfitzke. Behrens macht in der Mitteilung deutlich, dass derzeit alle Optionen geprüft würden. Das Konzept soll umgesetzt werden, wenn sich aus dem aktuellen M&A-Prozess kein besseres Angebot für die Gläubiger ergeben sollte.

Restrukturierung: Kapitalschnitt und Debt-to-Equity-Swap

Der Plan, von dem Behrens nun einige Eckpunkte bekanntgibt, ist in zwei Schritte aufgeteilt. Zunächst soll es einen Kapitalschnitt der Aktie geben, also die Reduzierung des Grundkapitals sowie der Anzahl der Aktien. Danach soll es eine Barkapitalerhöhung geben mit Bezugsrecht für die Altaktionäre.

Zudem sollen die beiden Anleihen restrukturiert werden. Das sind konkret die eigentlich bis zum 11. November 2020 fällige Anleihe sowie eine, die eine Laufzeit bis 2024 gehabt hätte. Behrens will eine neue Anleihe ausgegeben und den Gläubigern einen Debt-to-Equity-Swap anbieten. Das heißt, die Bondholder sollen ihre Altanleihen plus Zinsforderungen gegen Erwerbsrechte auf neue Aktien und eine neue Anleihe in Höhe von 50 Prozent des Nennwerts der alten Anleihen einbringen. Der neue Bond wird andere Bedingungen, wie etwa eine längere Laufzeit, haben. Details dazu sind aber noch nicht bekannt.

Behrens wirbt, durch diesen Plan könnten aus den bisherigen Anleihegläubigern dann Aktionäre des Unternehmens werden. Sie könnten damit an der Wertsteigerung von Behrens partizipieren. Die bisherigen Aktionäre würden nach einer substanziellen Kapitalherabsetzung wiederum einen Minderheitsanteil behalten.

Allerdings ist dieses Konzept nur „eine denkbare Option für die weitere Entwicklung“, schreibt Behrens in der Mitteilung. Weitere Einzelheiten oder Kapitalmaßnahmen werden noch geprüft sowie verhandelt. Unterstützung für den Plan scheint es aber zu geben. Behrens habe sich in Abstimmung mit dem vorläufigen Sachwalter, dem vorläufigen Gläubigerausschuss sowie wesentlichen Anleihegläubigern und dem Großaktionär dazu entschieden, „diese wirtschaftlichen Eckpunkte als Basis für eine Handlungsoption weiter zu verfolgen“.

Behrens meldete November 2020 Insolvenz an

Eigentlich hatte es im vergangenen Jahr zwischenzeitlich bereits so ausgehen als hätte Behrens eine Lösung für die bevorstehende Rückzahlung der im November fälligen Anleihe gefunden. 16 Millionen Euro waren dafür nötig. Der Plan sah vor, dass der Debt-Fonds Patrimonium Behrens 8 Millionen Euro zuschießen sollte. Weitere 6 Millionen Euro sollten aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) kommen und 2 Millionen Euro von Förderinstituten des Landes Schleswig-Holstein.

Ende Oktober hieß es noch: „Alle geplanten Bausteine der Gesamtfinanzierung können zeitnah und final umgesetzt werden und dadurch wird die Rückführung des Restvolumens der Anleihe 2015/2020 gesichert.“ Einen Tag vor der fälligen Rückzahlung der Anleihe ließ Behrens die Bombe dann platzen: Das Geld fehlt. Schuld sei eine nicht zustande gekommene Einigung mit einem Debt-Fonds. Ob es sich dabei um Patrimonium handelt, ließ Behrens offen. Es gibt allerdings keine Hinweise, dass Gespräche mit einem anderen Debt-Fonds aufgenommen worden waren.

Die Folge war ein Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, in dem allerdings die Tochtergesellschaften nicht beinhaltet sind. Nächster Schritt für die Bondholder ist die Wahl des gemeinsamen Vertreters. One Square Advisory ist dafür vorgesehen. Die nächste Gläubigerversammlung findet am 28. Januar statt, eine erste Abstimmung hatte nicht das nötige Quorum erreicht.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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Noch mehr Hintergründe zu Mini-Bond-Pleiten finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Mittelstandsanleihen

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Sarah Backhaus ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat Journalismus an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Köln studiert. Sarah Backhaus arbeitete während ihres Studiums unter anderem für Onlinemagazine von Gruner + Jahr und schrieb als freie Journalisten für die Handelszeitung, faz.net und Impulse.

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