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Bei Windreich rollen weiter Köpfe

Der Marketing- und Strategiechef Peter Vest hat den angeschlagenen Windparkprojektierer Windreich schon wieder verlassen. Der frühere Marketingchef von EnBW war erst im Dezember als Vorstand für Marketing und Geschäftsentwicklung zu Windreich gestoßen, um das Geschäftsmodell des Unternehmens weiterzuentwickeln. Noch Anfang März hatte das Unternehmen auf seiner Homepage verlauten lassen, dass man „in den nächsten Monaten mit der Unterstützung von Dr. Peter Vest die Voraussetzungen für die bestmögliche Direktvermarktung der onshore und künftig auch offshore erzeugten Windenergie schaffen“ wolle. Ziel war es, Privatkunden direkt mit Ökostrom zu versorgen und Windreich als Retailmarke im Strommarkt zu etablieren. Doch jetzt wurde Vests Biographie sang- und klanglos von der Unternehmensseite entfernt.

Vest selbst hatte das Unternehmen in der offiziellen Mitteilung zu seinem Amtsantritt im Dezember noch in den höchsten Tönen gelobt und Windreich die Voraussetzungen bescheinigt, um den Wettbewerb im deutschen Strommarkt mittelfristig „entscheidend zu beleben“.
 
Doch dann eskalierte die Lage bei dem Minibond-Pionier: Wenige Tage nach Vests Einstieg stufte Creditreform das Rating der beiden Windreich-Anleihen wegen fehlender Transparenz auf Ramschniveau herab. Windreich-Chef Willi Balz zog daraufhin das Rating zurück und verpasste Anfang März den Termin für die Zinszahlungen auf die beiden Miitelstandsanleihen gleich um mehrere Tage. Erst durch die Beleihung privater Immobilien konnte Balz den Zahlungsausfall abwenden. Wenige Tage später durchsuchte dann die Staatsanwaltschaft die Windreich-Büros wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation und Kreditbetrugs.

Windreich-Chef Willi Balz steht das Wasser bis zum Hals

Windreich-Chef und Alleineigentümer Willi Balz steht das Wasser jetzt bis zum Hals. Er zieht nun alle Register, um kurzfristig Cash ins Unternehmen zu holen. Unter anderem nahm er eine Anfechtungsklage gegen die Kapitalerhöhung bei dem Offshore-Projekt Global Tech I zurück. Dadurch werden in Kürze 11 Millionen Euro als Ausgleich für zu viel gezahlte Gesellschafterdarlehen in die Unternehmenskasse fließen. Außerdem forciert Balz den Verkauf von Onshore-Windparks, die sich zum Teil noch in der Bauphase befinden. Auch das könnte zeitnah für Cashzuflüsse sorgen, allerdings verzichtet Balz mit den vorzeitigen Exits auch darauf, auf lange Sicht den vollen Wert der Projekte zu heben.
 
Über den Stand der Verkaufsverhandlungen schweigt Balz sich aber aus. Genauso wenig beantwortet er die Frage, wie lange die aktuelle Liquidität noch ausreicht. Die Investoren bangen.

sarah.nitsche[at]finance-magazin.de

Info

Alle Details zur Windreich-Story finden Sie in unserem ausführlichen Themendossier zu Windreich

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