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Bertelsmann mit Benchmark-Anleihe

Bertelsmann platziert Anleihe.
Bertelsmann

Bertelsmann nutzt das günstige Kapitalmarktumfeld. Der Medienkonzern aus Gütersloh hat eine Benchmark-Anleihe über 750 Millionen Euro platziert. Die in Luxemburg gelistete Anleihe läuft über  zehn Jahre und ist mit einem festen Kupon von 2,625 Prozent ausgestattet. Mit dem Erlös will Bertelsmann anstehende Fälligkeiten refinanzieren.

Bertelsmann begibt regelmäßig Anleihen zur Deckung des Finanzierungsbedarfs und gehört nach eigenen Angaben zu den größten Emittenten von Euroanleihen im Mediensegment. Mit der neuen Anleihe wird das Medienunternehmen Zinskosten einsparen können. Alle anderen ausstehenden Anleihen des Konzerns sind mit jährlich zwischen 3,625 und 7,875 Prozent verzinst.

Die Platzierung erfolgte ausschließlich an institutionelle Investoren in Deutschland, Großbritannien und anderen europäischen Ländern. Begleitet wurde die Transaktion, die laut Bertelsmann mehrfach überzeichnet war, von den Konsortialbanken HSBC, Royal Bank of Scotland und Société Générale. Die Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s bewerten Bertelsmann mit Baa1 beziehungsweise BBB+ mit stabilem Ausblick klar im Investmentgrade-Bereich.

Anleihe als Brücke und Rettungsanker

Mit einer Anleihe vor dem finanziellen Abstieg retten will sich hingegen der Zweitligist FC Köln. Eine erste Anleihe mit einem Volumen von 5 Millionen Euro 2005 hatte der FC im vergangenen Jahr zurückgezahlt. Außerdem sollten mit Genussscheinaktionen finanzielle Spielräume geschaffen werden. Mit der neuen Anleihe will der in Geldnöten steckende Klub die Abhängigkeit von Banken und Investoren verringern. Zu den Details machten die Kölner allerdings noch keine Angaben.

Die PosterXXL AG aus München emittiert als erstes Internetunternehmen eine Mittelstandsanleihe im Volumen von bis zu 15 Millionen Euro. Bei einer Laufzeit von fünf Jahren beträgt der Kupon stattliche 7,25 Prozent. Creditreform stuft PosterXXL mit BBB- im Investmentgrade-Bereich ein. Das Unternehmen ist der erste Anleiheemittent im Mittelstandssegment m:access der Börse München. Der Emissionserlös soll ausschließlich für das strategische Wachstum verwendet werden.

Auch der Kabelnetz-Betreiber Kabel Deutschland (KDG) setzt auf Anleihen. Er ersetzt die Brückenfinanzierung für seinen mehr als 600 Millionen Euro schweren Zukauf von Tele Columbus mit eigenen Anleihen. Die 2011 ausgegebene Anleihe werde von 500 Millionen Euro auf 700 Millionen Euro aufgestockt, teilte das im MDax notierte Unternehmen mit. Der Nettoerlös tritt an die Stelle der verbliebenen Brückenfinanzierung für die Übernahme in Höhe von 200 Millionen Euro. Die besicherte Anleihe läuft bis zum Jahr 2018 und trägt einen Zinskupon von 6,5 Prozent. KDG hatte die Übernahme im Mai angekündigt. Ende Dezember 2011 hätte dies insgesamt einem Betrag von 618 Millionen Euro entsprochen. Tele Columbus versorgt rund 1,7 Millionen Kunden mit Kabelanschluss und ist überwiegend in Berlin und den neuen Bundesländern mit den Städten Dresden, Magdeburg und Potsdam vertreten. Das Geschäft von Tele Columbus liegt größtenteils im Versorgungsgebiet von Kabel Deutschland. Tele Columbus setzte im vergangenen Jahr 218 Millionen Euro um und wies ein Ebitda von 81 Millionen Euro aus.

RHI, Hersteller für Feuerfestprodukte, hat ein Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von 130 Millionen Euro platziert. In einem schwierigen Marktumfeld konnte damit das ursprünglich geplante Volumen von 100 Millionen Euro übertroffen werden. Das Schuldscheindarlehen wurde in Tranchen mit Laufzeiten zwischen drei und zehn Jahren bei österreichischen, deutschen und osteuropäischen Investoren platziert. RHI setzt den Transaktionserlös zur langfristigen Liquiditätssicherung ein. Die Transaktion begleiteten die Commerzbank und Raiffeisen Bank International als Arrangeure.

Praktiker und Solarworld in der Krise

Der Finanzinvestor Goldsmith Capital Partners will sich an dem kriselnden Baumarktkonzern Praktiker beteiligen. Das Engagement ist Teil eines Finanzierungskonzepts, das die Semper Constantia Privatbank aus Wien als Alternative zum Konzept des US-Finanzinvestors Anchorage ausgearbeitet hat. Clemens Vedder, CEO von Goldsmith, will sich demnach mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei Praktiker engagieren. Die Finanzierung soll durch einen Fonds seiner Investmentgesellschaft erfolgen. Anchorage bietet ein Darlehen über 85 Millionen Euro, soll dafür aber rund 17 Prozent Zinsen und das Filetstück Max Bahr als Sicherheit bekommen. Die Konditionen hatten auf der Hauptversammlung Anfang Juli für Ärger unter den Aktionären gesorgt.

Die im TecDax notierte Solarworld hat bestehende Kreditvereinbarungen über 375 Millionen Euro mit ihren Kreditgebern neu verhandelt. Die schwierige Situation in der Solarbranche hatte dazu geführt, dass der Solarkonzern aus Bonn Gefahr lief, Covenants zu brechen. Diese Probleme sind nun jedoch laut Angaben von Solarworld aus dem Weg geräumt. „Wir verfügen zum Ende des zweiten Quartals 2012 über eine Liquidität von 320 Millionen Euro und haben zusätzlich über 130 Millionen Euro an Kreditverbindlichkeiten getilgt“, sagte Finanzvorstand Philipp Koecke nach Abschluss der Verhandlungen. Zudem will Gründer und CEO Frank Asbeck, der über 27 Prozent der Aktien hält, solange auf sein Gehalt und Dividendenzahlungen verzichten, bis der Konzern wieder profitabel ist.

Mit den Solarunternehmen Q-Cells und Centrotherm hatten im Laufe des Jahres 2012 bereits zwei bedeutende Konzerne der Branche Insolvenz angemeldet.

Einkaufszentren refinanziert

Das größte deutsche Shopping- und Freizeitzentrum Centro hat seine Refinanzierung in Höhe von 650 Millionen Euro abgeschlossen. Der Darlehensnehmer ist ein Joint Venture des britischen Immobilienentwicklers Stadium Group und des kanadischen Pensionsfonds Canadian Pension Plan Investment Board. Als Arrangeure der Refinanzierung agierten die britische Barclays und die spanische Santander. Beteiligt waren die Allianz Real Estate mit einem Anteil von 325 Millionen Euro, die Aareal Bank sowie die Helaba mit jeweils 162,5 Millionen Euro. Diese Konstellation eines Finanzierungskonsortiums gilt laut der Kanzlei CMS als ein Novum auf dem deutschen Markt.

Das 1996 eröffnete Centro in Oberhausen besteht mit 160.000 Quadratmetern Mietfläche aus verschiedenen Projektteilen. Dem Einkaufszentrum mit Geschäften, Bars und Restaurants, einer Arena, einem Freizeit- und Businesspark.

Auch das Nova Eventis Shopping Center in der Nähe von Leipzig hat seine Refinanzierung abgeschlossen. Das Bankenkonsortium unter Führung der Natixis in Deutschland besteht außerdem aus der ING, Deutsche Postbank und Bawag. Sie stemmten die Refinanzierung über 190 Millionen Euro.  Damit finanziert das Einkaufszentrum nun ein Kreditgeberkonsortium aus kontinentaleuropäischen Banken, nachdem die Ursprungstransaktion noch von anglo-amerikanischen Instituten durchgeführt wurde und im Verbriefungsmarkt refinanziert worden war.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de