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CFOs müssen ihr Leasingportfolio analysieren

Für die Luftfahrtbranche könnte der Überarbeitete Entwurf zur Neureglung der Leasingbilanzierung schwere Folgen haben. Denn die CFOs müssen damit rechnen, sämtliche Miet- und Leasingverhältnisse in der Bilanz ihrer Unternehmen zu erfassen.
Thinkstock / Getty Images

Es gibt Neuigkeiten bei der internationalen Leasingbilanzierung. IASB und FASB haben Mitte Mai den überarbeiteten Entwurf zur Neureglung der Leasingbilanzierung veröffentlicht. Damit sind seit Vorstellung des ersten Entwurfs mehr als zweieinhalb Jahre vergangen, in denen die Standardsetter die umfangreiche Kritik der Öffentlichkeit diskutiert und verarbeitet haben. An verschiedenen Stellen ist der neue Entwurf weniger komplex als der ursprüngliche Vorschlag, aber es soll weiterhin bei dem Ansatz eines Nutzungsrechts („Right-of-Use“) und der korrespondierenden Verbindlichkeit in der Bilanz des Leasingnehmers bleiben. Das wird erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Unternehmensfinanzierung haben. Denn nach dem Entwurf wird künftig nicht mehr zwischen Operating-Leasing und Finanzierungsleasing unterschieden. Stattdessen müssen CFOs damit rechnen, dass sämtliche Miet- und Leasingverhältnisse, ähnlich dem aktuellen Finanzierungsleasing, in der Bilanz ihrer Unternehmen erfasst werden. Das gilt insbesondere auch für klassische Mietverhältnisse, wie beispielsweise Immobilien- und Flotten-Mietverträge.

Im überarbeiteten Entwurf richtet sich die Laufzeit eines Leasingverhältnisses nicht mehr, wie noch im ersten Vorschlag vorgesehen, nach dem überwiegend wahrscheinlichen Zeitraum, da dies letztlich in der Praxis zur komplexen Ermittlung von Erwartungswerten geführt hätte. Stattdessen wird in Anlehnung an den aktuellen IAS 17 auf die unkündbare Grundmietzeit abgestellt, die sich nur verkürzt oder verlängert, wenn hierfür ein wesentlicher wirtschaftlicher Anreiz für den Leasingnehmer besteht (z.B. günstige Verlängerungskonditionen).

Die vehemente öffentliche Kritik findet in dem überarbeiteten Entwurf ebenfalls ihren Niederschlag. Im Bereich der variablen Leasingzahlungen werden nun bedingte Mietzahlungen, die sich nach Leistung oder Nutzen bemessen (z.B. Mehr-/ Minder-km in Pkw-Leasingverträgen), nicht mehr in den Nutzungsrechtsansatz einbezogen, sondern weiterhin in der Periode ihres Anfalls als Aufwand oder Ertrag erfasst. Beim Leasinggeber wurde die Methode der Leistungsverpflichtung aufgegeben, so dass es im Wesentlichen bei der aktuellen Bilanzierungspraxis von Operating-Leasing und Forderungs-/ Restwertansatz bleibt.

Leasingraten in der GuV: CFOs müssen neue Regeln beachten

Der überarbeitete Entwurf regelt auch die Behandlung der Leasingraten in der Gewinn- und Verlustrechnung neu. Um die Vorverlagerung von Leasingaufwendungen aufgrund des degressiv verlaufenden Zinsanteils („Frontloading“), wie sie auch nach IAS 17 bei Finanzierungsleasingverträgen anzutreffen ist, zu vermeiden, sollen die Leasingraten linear über die Laufzeit verteilt werden, wenn für den Leasingnehmer nicht die Finanzierung des Leasingobjekts, sondern dessen Nutzung im Vordergrund steht. Für die notwendige Unterscheidung von Finanzierung und Nutzung ist eine am aktuellen Barwert- und Laufzeittest des IAS 17 orientierte Verfahrensweise vorgesehen.

Komplexität steigt durch ergänzende Klassifizierungsregeln

Im Ergebnis müssen die CFOs zukünftig die Leasingaufwendungen für Immobilien grundsätzlich linear erfassen, was sich aber – im Gegensatz zum Mobilienleasing – auf die Financial Performance regelmäßig negativ auswirken wird. Denn in der Erfolgsrechnung belasten die Leasingraten für Immobilien das operative Ergebnis. Demgegenüber ist für Mobilien der Leasingaufwand als Summe aus linearer Abschreibung des Right-of-Use-Assets und degressiv verlaufendem Zinsaufwand zu erfassen. Da hier aber lediglich die Abschreibung das operative Ergebnis schmälert, während der Zinsaufwand Teil des Finanzergebnisses ist, wird es bei Mobilien im Vergleich zur aktuellen Operating-Leasing-Bilanzierung und der analogen zukünftigen Immobilien-Leasingbilanzierung zu einer Verbesserung des operativen Ergebnisses kommen. Entsprechend stehen sich bei den Rentabilitätskennzahlen des beschäftigten Kapitals, wie RoCE und RoE, im Falle des Mobilienleasings der positive EBIT-Effekt und der negative Verschuldungseffekt gegenüber, wohingegen sich diese Performancegrößen beim Immobilienleasing in jedem Fall verschlechtern. Die Komplexität wird durch die ergänzenden Klassifizierungsregeln in jedem Falle wieder erhöht.

CFOs müssen mit höherer Verschuldung rechnen

Mit dem Right-of-Use-Ansatz dürfte es gegenüber der derzeitigen Off-Balance-Bilanzierung bei vielen Leasingnehmern zu einer deutlich höheren Verschuldung kommen, was insbesondere Einfluss auf die Messgrößen der Financial Performance (z.B. Debt-to-Equity-Ratios, RoCE) und Loan Covenants haben kann. Dabei wirken sich die Immobilienleasingverträge besonders nachteilig aus, da der Zinsanteil der Leasingrate nicht in das Finanzergebnis verlagert werden kann.

Daneben wird die Komplexität zu einem entsprechend größeren Bilanzierungsaufwand für die CFOs führen. Auch wenn mit der Erstanwendung nicht vor Anfang 2017 (mit den Vergleichszahlen zum 1. Januar 2016) zu rechnen ist, sollten sich die Finanzchefs bereits jetzt mit den Implikationen beschäftigen. Es empfiehlt sich, frühzeitig die Leasingverträge unternehmensweit zu erheben, um eine erste Auswirkungsanalyse zu ermöglichen und zu überlegen, wie das Leasingportfolio bilanzoptimal strukturiert werden kann.

redaktion(*)finance-magazin(.)de

Peter Adolph ist als Partner bei der FAS AG in Stuttgart für den Bereich Leasing verantwortlich. Zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten gehören die Bilanzierung und Steuerung von Leasinggeschäften einschließlich der IT-technischen Umsetzung.

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