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Constantin begibt Mittelstandsanleihe

Bessere Erträge, aber hohe Schulden: Constantin Film begibt eine Mittelstandsanleihe.
Thinkstock / Getty Images

Das Medienunternehmen Constantin plant, einen Teil seiner anstehenden Verbindlichkeiten mit Hilfe einer Mittelstandsanleihe umzuschulden. Unter der Regie des Bankhauses Close Brothers Seydler versuchen die Münchener bis zu 65 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 7,0 Prozent zu platzieren. Die Mittelstandsanleihe soll im Entry Standard der Börse Frankfurt gelistet werden.
 
Constantin ist einer der bekanntesten deutschen Filmproduzenten und Filmrechtehändler. Das Unternehmen war die Heimat des vor zwei Jahren verstorbenen Filmemachers Bernd Eichinger, der  viele Jahre als Vorstand und kreativer Kopf Constantins agierte. Daneben betreibt Constantin den Sportkanal Sport 1 sowie das gleichnamige Internetportal. Auch der frühere Börsenstar EM.TV ist inzwischen zu weiten Teilen in Constantin aufgegangen.

Schwer durchschaubare Finanzierungslage

Im vergangenen Jahr hat Constantin deutliche Fortschritte bei seinem Vorhaben erzielt, wieder profitabler zu werden. Inklusive des voll konsolidierten Filmproduzenten Highlight, an dem Constantin mit 47 Prozent beteiligt ist, stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 520,5 Millionen Euro, das EBIT legte von 5,5 auf 21,6 Millionen Euro zu. Die Zinszahlungen für die neue Anleihe in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro im Jahr scheinen über das operative Geschäft solide abgesichert zu sein: In den beiden vergangenen Jahren blieben nach Investitionen in das Filmvermögen und Sachanlagen jeweils freie Cashflows in Höhe von rund 20 Millionen Euro übrig.

Doch wegen der komplizierten Konsolidierungs- und Beteiligungsverhältnisse im Umfeld von Constantin ist der Blick auf die tatsächliche Situation der Konzernfinanzierung unklar. So ist  vor allem Highlight geschäftsmodellbedingt stark kurzfristig finanziert. In der Konzernbilanz standen zuletzt einem Cashbestand von 91 Millionen Euro kurzfristige Finanzverbindlichkeiten von 149 Millionen Euro gegenüber, die in diesem Jahr fällig werden. Die Bankverbindlichkeiten summieren sich dabei auf 112,6 Millionen Euro. Ursprünglich wäre im September auch das Darlehen eines Privatinvestors in Höhe von 35 Millionen Euro fällig geworden, doch Constantin-CFO Antonio Arigoni (Bild) ist es vor wenigen Wochen gelungen, den Rückzahlungstermin auf Juni 2014 hinauszuschieben.

In der Constantin Medien AG, die formal die Anleihe begibt, sieht das Bild anders aus. Dort verfügt Constantin lediglich über rund 22 Millionen Euro an Cash und Wertpapieren, während die Verbindlichkeiten auf 98 Millionen Euro betragen, von denen nach Angaben eines Unternehmenssprechers in diesem Jahr aber nur 2 Millionen Euro für eine alte Wandelanleihe fällig werden. Hinzu kommen das Privatdarlehen über 35 Millionen Euro im Juni 2014 sowie eine Anleihe über 30 Millionen Euro, die erst im Oktober 2015 zur Rückzahlung ansteht. Der Rest sind Intercompany-Loans.

Sofern die Anleihe platziert werden kann, dürfte das Management also keine Probleme haben, die AG-Schulden abzulösen und umzufinanzieren. Für die Schulden von Highlight müsse Constantin nicht einstehen, erklärte der Sprecher gegenüber FINANCE.

Alt-Anleihe für Investoren attraktiver als Mittelstandsanleihe

Die Investoren, die im vierten Quartal 2010 die erste Anleihe der Bayern gezeichnet hatten, haben ein besseres Geschäft gemacht als es den Zeichnern der aktuellen Mittelstandsanleihe ins Haus steht. Damals musste das Unternehmen seinen Investoren einen Kupon von 9,0 Prozent anbieten. Aktuell notiert das Papier bei einem Kurs von 104, was eine Rendite weit oberhalb der Verzinsung  von 7,0 Prozent impliziert, die Constantin jetzt für die neue Anleihe bietet. Da der Bond kaum gehandelt wird und damals privat platziert wurde, dient die 2010er-Anleihe freilich nur bedingt als Benchmark für den neuen Bond.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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