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Corporate Sponsored Funds: CFOs treffen Private Equity

Corporate Sponsored Funds können u.a. zur Finanzierung von großen Infrastrukturprojekten genutzt werden.
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Ein Finanzinvestor, der sich schwer tut, proprietär an Deals zu kommen. Ein Konzernmanagement, das sich eigentlich von einem Randbereich trennen will, dort aber immer noch strategische Interessen hat. Ein Konzern, der ein kapitalintensives Zukunftsprojekt aufbauen will – zum Beispiel im Bereich Wasserstoff –, dem für solche Experimente aber die Mittel fehlen. Für all diese Fälle gibt es eine mögliche Lösung, die die Kanzlei Skadden Arps gerade versucht, aus den USA nach Deutschland zu importieren: Corporate Sponsored Funds (kurz: CSF).

CSF als Alternative zu Private Equity?

„Ein CSF ist kurz gesagt ein privater Investmentfonds, bei dem der Fondmanager nicht ein reiner Asset-Manager ist, sondern ein (Industrie-)Unternehmen“, erklärt Holger Hofmeister, Partner bei Skadden Arps, die Grundzüge dieser Lösung. 

Das Besondere: Ein CSF „sourct“ seine Investitionsgelegenheiten nicht am freien Markt oder über Corporate-Finance-Berater, sondern in der Deal- oder Projekt-Pipeline des „Corporate Sponsors“. Dieser stellt als Mitinvestor auch einen Teil der Mittel bereit, der Rest kommt von außen. 

Investoren sind die Private-Equity-typischen institutionellen Investoren. Die Managementgebühren von regelmäßig 1 bis 2 Prozent pro Jahr kassiert das Unternehmen, dessen Managementeinheit den Fonds leitet. Daneben könnten sich durch die Auflage eines CSF auch noch die Investorenbeziehungen vertiefen lassen. „Als Investoren kommen auch Aktionäre des Unternehmens in Betracht, denen sich so eine gezielte Projektbeteiligung bietet“, sagt Hofmeister.

Corporate Sponsor erhält Carried Interest

Der Fonds selbst ist ähnlich strukturiert wie in der Private-Equity-Industrie üblich: Nach einer vorab definierten Laufzeit werden das oder die Assets des Fonds verkauft und die Einnahmen ausgeschüttet. Im Erfolgsfall erhält der „Corporate Sponsor“ auch noch die branchentypische Erfolgsprämie, den so genannten „Carried Interest“ – und vielleicht sogar noch einen strategischen Vorteil: Laut Hofmeister lassen sich CSFs so konstruieren, dass der Corporate Sponsor eine Call-Option erhält und damit die Möglichkeit, am Ende des Projekts selbst als Käufer zuzuschlagen. Besonders für kapitalintensive Unternehmen aus Branchen wie Infrastruktur, Energie, Telekommunikation, Pharma oder Automotive hält Hofmeister dieses Finanzierungsinstrument für eine interessante Alternative. 

Corporate Sponsored Funds kommen aus den USA

Doch bei allen theoretischen Vorzügen gehört zur Wahrheit auch, dass CSFs in Deutschland und Europa bisher noch weitgehend unbekannt sind. Selbst in den USA, wo sie schon seit den achtziger Jahren regelmäßig genutzt werden, sind sie eine Randerscheinung und unterm Strich alles andere als Teil des Basis-Instrumentenkastens der dortigen CFOs.

Allerdings beschäftigen sich offenbar auch hierzulande gerade CEOs und CFOs mit der Auflage eines Corporate Sponsored Funds. Skadden-Partner Hofmeister berichtet, dass sein Team mit mehreren Unternehmen zu CSFs in Gesprächen stehe. 

Ein Beispiel für einen CSF, der sich später sogar zu einer unabhängigen Asset-Management-Einheit weiterentwickelt hat, ist CarVal Investors – ein Projekt, das aus einem ursprünglich von Cargill gesponsorten CSF hervorgegangen ist. Cargill ist ein US-amerikanischer Nahrungsmittelproduzent. Das Unternehmen setzte im Jahr 1987 einen CSF auf und entließ diesen im Jahr 2006 unter dem Namen CarVal Investors schließlich in die Unabhängigkeit. 

CSFs eignen sich für ESG-Projekte

Die Alternativen zu CSFs liegen allerdings auf der Hand: Um einen Carve-out zu gestalten,  kann ein Konzern ohne Weiteres die Mehrheit einer Tochter an einen Finanzinvestor verkaufen und sich anschließend rückbeteiligen. Dies ist gängige Praxis und ermöglicht ebenfalls eine weitere Partizipation am Erfolg der Ex-Tochter. Allerdings hat der Finanzinvestor dort eindeutig die Fäden in der Hand. 

Ein kapitalintensives Zukunftsprojekt kann als Alternative zu einem CSF auch vollständig aus der eigenen Bilanz finanziert oder zusammen mit einem strategischen Partner hochgezogen werden. So geht beispielsweise VW beim Bau von Batteriefabriken vor, für die sich der Autokonzern mit dem schwedischen Tech-Unternehmen Northvolt zusammengetan hat. Solche Projekte stoßen aber nicht immer auf Gegenliebe bei Aktionären und im eigenen Konzern – insbesondere dann, wenn Kapital nicht in rauen Mengen verfügbar ist. 

„CSFs sind in Deutschland kaum bekannt. CFOs sollten sie aber zumindest kennenlernen."

Holger Hofmeister, Skadden

Projekte mit sehr langen Payback-Zeiten sind allerdings auch in Form eines CSF problematisch, schließlich will jeder Investor vor dem Einstieg eine klare Perspektive sehen, wann es zum Exit kommen und wie viel Rendite dieser ihm bringen könnte. Die lange Laufzeit, die bei einem CSF ohne weiteres mehr als zehn Jahre betragen kann, könnte die Kosten einer langen Anlaufphase jedoch zu mitigieren helfen.  

„In Deutschland sind CSFs kaum bekannt. CFOs sollten die Funktionsweise von CSFs aber zumindest einmal genau kennenlernen, um prüfen zu können, ob sie eine alternative Plattform beziehungsweise Finanzierungsmöglichkeit für ein bestimmtes Projekt sein können“, rät Holger Hofmeister.  

eva.brendel[at]finance-magazin.de

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