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Crowdfunding: Wenn der Schwarm finanziert

Schwarmfinanzierung schließt eine Lücke auf dem Markt für Risikokapital.
Thinkstock / Getty Images

Das Internet verändert unsere Kultur – auch die Finanzierungskultur der Unternehmen. Die neueste Errungenschaft ist die Schwarmfinanzierung, ein Phänomen, das neudeutsch auch als „Crowdfunding“ oder als „Crowdinvesting“ daherkommt. Der Name ist Programm: Es finanziert ein „Schwarm“ an Geldgebern, die dafür eine Erfolgsbeteiligung oder eine Verzinsung erhalten. Der Anlagebetrag pro Investor ist üblicherweise eher gering. Die Verbindung zwischen Anlegern und Unternehmen erfolgt über Internetplattformen, die als Vermittler fungieren.

Unternehmen, die sich unproblematisch und zu vertretbaren Konditionen auf den klassischen Wegen – etwa über Kreditlinien, Anleihen oder Kapitalerhöhungen – finanzieren können, werden und sollten dies auch so handhaben. Denn Schwarmfinanzierung stellt im Vergleich hierzu ein Mehr an Aufwand und gegebenenfalls auch an Kosten und Risiken dar. Sie ist daher vor allem für solche Unternehmen relevant, für die klassische Finanzierungsformen gar nicht, schwerer oder nur zu hohe Risikoaufschläge zu realisieren sind. Das sind insbesondere Start-ups auf der Suche nach Frühphasenkapital.

Der Markt für Risikokapital in Deutschland ist weiterhin unterentwickelt. Gerade Kleinstinvestments bis 500.000 Euro sind häufig schwierig darzustellen. Diese Lücke kann die Schwarmfinanzierung mit schließen. Gleichzeitig hat sie für Unternehmen den Charme, dass diese sich nicht einem einzelnen, starken Investor gegenübersehen, sondern einer Vielzahl von Investoren. Die Unternehmensgründer bleiben stärker die Herren im Haus. Außerdem kann ein Unternehmen Crowdfunding zur Mitarbeitermotivation und Kundenbindung nutzen.

Schwarmfinanzierung kennt viele Finanzierungsformen

Bislang gab es fast ausschließlich Finanzierungen als stille Einlagen oder Genussrechte, also eigenkapitalähnliche Finanzierungsformen, mit Beträgen von maximal 100.000 Euro. Dies hängt damit zusammen, dass Unternehmen  so vermeiden, einen Prospekt erstellen zu müssen und die bankaufsichtsrechtliche Regulierung einhalten.

Inzwischen gibt es aber auch einige Plattformen, die alternative Modelle anbieten, um die Schallmauer von 100.000 Euro zu durchbrechen. Hier bieten sich Nachrangdarlehen an. Dies hat für die Investoren allerdings den Nachteil, dass sie nicht an den Eigenkapitalchancen des Unternehmens teilhabenkönnen – etwa durch eine Gewinnbeteiligung. Des Weiteren handelt es sich bei den Kapitalsuchenden nicht selten um Betriebe, die gerade Eigenkapital benötigen und jedenfalls zunächst nicht in der Lage sind, nachrangige Darlehen mit Zinsen zu bedienen.

Es gibt daher auch die Möglichkeit mit stillen Beteiligungen, Genussrechten oder auch – ganz klassisch – mit Aktien größere Beträge einzusammeln und hierfür einen entsprechenden Prospekt zu erstellen. Auch wenn dies auf den ersten Blick abschreckt, so können gute Gründe dafür sprechen: Zum einen bleibt der Aufwand im Rahmen, wenn das Unternehmen mit einem erfahrenen Begleiter an die Prospekterstellung herangeht. Zum anderen wird so die Transparenz erhöht und damit auch das Vertrauen potentieller Investoren. Das kann die Kapitalaufnahme erleichtern. Schließlich eröffnet sich ein Unternehmen so auch den Weg für weitere, ähnliche Finanzierungsrunden, etwa die regelmäßige Ausgabe von Genussrechten.

Je nach Geschäftsmodell sollte man sich also überlegen, welche Finanzierungsform, welche rechtliche Gestaltung und Vorgehensweise die sinnvollste ist. Denkbar ist auch in mehreren Schritten vorzugehen, beispielsweise erst einmal Genussrechte von bis zu 100.000 Euro auszugeben und dann in einem späteren Schritt noch einmal eine größere Summe über ein anderes Angebot einzuwerben.

redaktion[at]finance-magazin.de

Dr. Thorsten Kuthe und Madeleine Zipperle sind Rechtsanwälte bei der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek.