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Die Anchorage-Finanzierung wackelt

Konzernzentrale der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker.
Praktiker

Die Lage von Praktiker könnte unübersichtlicher kaum sein: Mit Kay Hafner hat das Unternehmen einen Vorstand, der eigentlich längst wieder gehen sollte, aber jüngst für drei Monate verlängert hat. Dann ist da noch Isabella de Krassny, eine aktive Aktionärin, die unter dem Verdacht des Insiderhandels steht – wenn auch in anderem Zusammenhang. Und nun tun sich auch noch Fragezeichen an der Finanzierungsfront auf. Offenbar will der US-Fonds Anchorage zunächst nur einen Teilbetrag – etwa die Hälfte der versprochenen 85 Millionen Euro – auszahlen, wie FINANCE aus Finanzkreisen erfahren hat. Das weckt offenbar Zweifel im Praktiker-Vorstand.

Zum Hintergrund: Ohne die Zusage von Anchorage wäre die Baummarktkette vermutlich schon pleite. Es wurde kolportiert, dass der letzte Praktiker-CEO Thomas Fox schon vor seinem Abgang mit einer Planinsolvenz geliebäugelt haben soll. Als Retter in der Not sprang damals Anchorage ein, stellte allerdings hohe Forderungen. Das Rettungsdarlehen soll mit 15 Prozent verzinst und mit dem Praktiker-Filetstück Max Bahr besichert sein. Über Optionsanleihen sollen rund 15 Prozent der Anteile von Praktiker an Anchorage übergehen.

Alternative Finanzierung wieder im Rennen?

Mit diesem Deal waren aber die Großaktionäre Semper Constantia und Maseltov, vertreten durch Isabella de Krassny, überhaupt nicht glücklich. Sie setzten sich für eine alternative Finanzierung ein. Diese war vom Praktiker-Management mit dem Hinweis auf die fehlende „Transaktionssicherheit" (Kay Hafner) immer wieder abgelehnt worden. Nachdem jetzt offenbar Anchorage selbst nicht liefert, könnte diese Option wieder interessant werden. „Wann enden die Chaostage bei Praktiker?", fragt ein Beobachter. „Das bestehende Management hat sich disqualifiziert." Ungeduldig sind auch die Banken, die den Betriebsmittelkredit stellen. Bis Mitte September sollte ein Lösung stehen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.