Black FINANCE Deal

Abonnements

Die Crowd attackiert die Bank

iStock / Thinkstock / Getty Images

Die Finanzierung durch die Crowd boomt. 37 Plattformen zur Internetfinanzierung sind in den vergangenen Jahren allein in Kontinentaleuropa entstanden, wie das Berliner Core Institute in seiner Studie Bank Attackers zählt. Hinzu kommen weitere 20 in Großbritannien und Irland, 40 an der Westküste der USA und 26 an der Ostküste.

Der deutsche Crowdinvesting-Experte Sven Umlauf glaubt fest an die heilsbringende Wirkung der Schwarmintelligenz. Menschen tun ihre Meinung kund, tauschen sich über Geschäftsmodelle aus und investieren dann jeweils kleine Beträge in Geschäftsmodelle, an die sie gemeinsam glauben. Umlauf glaubt an das Potential der Crowd, vorausgesetzt die Regulierung gewährt ihr wie in den USA größere Freiheiten.

Crowdfinanzierung mit Einschränkung

Bislang sind in Deutschland online nur begrenzte stille Beteiligungen bis 100.000 Euro erlaubt sowie nachrangige Darlehen mit unbegrenztem Limit. Aber wenn die nationalen Regulierungsbehörden den Onlinefinanzierern in Deutschland größere Freiheiten einräumten, könnte die Crowd noch deutlich an Bedeutung gewinnen. Crowdinvesting sei daher auch ein Thema für reifere Unternehmen, die so virale Produktbotschafter gewinnen könnten, glaubt Umlauf (Sehen Sie hier das vollständige Interview zum Crowd-Investing mit Sven Umlauf bei FINANCE-TV). Für Mittelständler etwa sei die Crowd bei der Working-Capital-Finanzierung vorstellbar. Für institutionelle Investoren ist die Crowd hingegen tabu.

Die Crowd, so gibt sich Umlauf überzeugt, eignet sich sowohl für eher karitative (Crowdfunding) als auch für kommerzielle Zwecke (Crowdinvesting). Das Thema ist interessant für Start- und Wachstumsfinanzierung oder für die Finanzierung spezieller Projekte, etwa beim Funding von Filmprojekten. Durchschnittstickets erlösen derzeit gleichwohl nur zwischen 500 und 1500 Euro.

Hohe Kosten für Crowdfinanzierung

Interessenkonflikte zwischen den Plattformbetreibern und den Investoren hält Umlauf auf modernen Plattformen für gelöst: „Das Funding kommt erst dann zustande, wenn eine Mindestanzahl von Menschen das Geschäftsmodell als verlässlich geratet hat“, sagt der Gründer der Plattform Group Capital. Die Kosten sind allerdings nicht unbeträchtlich. Plattformbetreiber wie Kickstarter behalten rund 5 Prozent der eingeworbenen Mittel ein, hinzu kommen weitere 3 bis 5 Prozent Gebühr für den Zahlungsdienstleister. Trotzdem ist es attraktiv. Die größten Projekte auf Kickstarter kamen regelmäßig zustande.

marc-christian.ollrog[at]cfo-insight.com