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Ernüchternde Bilanz für Preps 2006-1

Bei Preps 2006-1 haben nur 35 von 61 Unternehmen fristgerecht getilt.
Thinkstone

Bereits die fünfte Preps-Transaktion ist im Sommer ausgelaufen. Preps 2006-1 wurde im Juli an die Investoren zurückgezahlt. Dabei wurden die A-Tranchen komplett zurückgeführt. Diese umfassten ursprünglich 239 Millionen Euro und waren damit das Gros der Transaktion, die mit insgesamt 321 Millionen Euro am 13. Juli 2006 gestartet war. Problematischer sah es für die B-Tranche aus, von der lediglich rund 15 Prozent an die Investoren zurückgeflossen sind. Ursprünglich hatte der Umfang 49 Millionen Euro betragen und war in eine fix und eine kleinere variabel verzinste Tranche unterteilt. Auch die Junior-Note-Investoren mit 33 Millionen Euro gingen leer aus. Insgesamt 35 der anfangs 61 Unternehmen haben nach FINANCE-Informationen getilgt.

„Es hätte besser laufen können“, heißt es aus dem Umfeld der Arrangeure gegenüber FINANCE. Die Transaktion hatten die Capital Efficiency Group und die Hypovereinsbank zusammen durchgeführt, die Verbriefung unternahm die Investmentbank JP Morgan. Einige Unternehmen hätten sich zu spät um eine Rückzahlung gekümmert. Daneben gab es eine Reihe von Insolvenzen: Dazu zählt etwa der schwäbische Autozulieferer Lindenmaier, dessen Gründer Walter Lindenmeier durch den Roman „Der schwarze Grat“ bekannt wurde. Oder die Insolvenz des Bochumer „Küchenkönigs“ Andreas Stroh: Bereits im November 2007, also ein gutes Jahr nach der Transaktion, meldete Astroh Küchen Insolvenz an. Eine weitere Pleite war die AE Group aus Erfurt. Die Aluminiumdruckgießerei hat inzwischen aber ein Insolvenzplanverfahren durchlaufen und ist heute wieder am Markt tätig.

Die Unternehmen kamen aber nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, der Schweiz, Italien und Belgien. Besonders die italienischen Unternehmen waren betroffen. „Noch kurz vor dem Ende der Transaktion hatten wir das Signal, das gezahlt wird“, heißt es. Nun hoffen die Arrangeure auf weitere Zahlungen nach dem offiziellen Rückzahlungsdatum, die dann den Investoren zugutekommen.

Durchwachsene Zwischenbilanz für Standard-Mezzanine

Mit der Transaktion sind bereits rund 3,9 Milliarden Euro der ursprünglich rund 5 Milliarden Euro Standard-Mezzanine getilgt. Die Zwischenbilanz ist ernüchternd: Wie vermutet liegen die Ausfallquoten deutlich über dem, was die Programminitiatoren und auch Ratingagenturen prognostiziert haben. Die einzelnen Transaktionen zeigen allerdings recht unterschiedliche Ergebnisse: So haben gerade die frühen Preps-Transaktionen noch vergleichsweise ordentlich abgeschnitten. Im Trend haben sich die späteren Transaktionen schwächer entwickelt, als der Wettbewerbsdruck unter den Mezzanine-Anbietern zunahm und die Qualität der Portfoliogesellschaften sank.

Ein volkswirtschaftliches Problem hat sich sicher nicht entwickelt. Die meisten deutschen Unternehmen waren in der Lage, über ihre Cashflows oder einen Finanzierungsmix zu tilgen. Dazu haben die Finanzierungsmärkte beigetragen, die sich nach der Lehman-Pleite geöffnet haben. Besonders die Banken haben den Mittelstand wieder als Zielgruppe entdeckt und unterbieten sich zum Teil in den Konditionen. Spezialfinanzierungen wie Mezzanine, Schuldscheine oder Private Equity kommen bei der Ablösung nur in Ausnahmefällen zum Zuge.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

 

 

Info

Neue Themenseite Mezzanine-Programme

In den Jahren 2004 bis 2007 sorgte Standard-Mezzanine für Furore: Mehrere hundert Mittelständler haben das Kapital, überwiegend in Form von Genussrechten, in einem Volumen von rund 5 Milliarden Euro aufgenommen. Es stammte überwiegend aus der Ausgabe von Anleihen, den sogenannten Collateral Debt Obligations (CDOs), die Banken in Zusammenarbeit mit Finanzdienstleistern aufgelegt hatten. Die Ernüchterung kam nach frühen Insolvenzen und dem Einbruch des Markts. Seit 2011 müssen diese Mezzanine-Darlehen mit dem Auslaufen der jeweiligen Transaktion zurückgeführt werden. FINANCE berichtet detailliert darüber, wie gut die Programme gelaufen sind. Auf unserer neuen Themenseite finden Sie die wichtigsten bisher erschienen Artikel.

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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