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Finanzierung mit Junior Notes und Nachrangdarlehen

Gerade diegrößeren Kreditgeber (Groß- und Landesbanken sowie ausländische Institute) werden seit einigen Jahren deutlich restriktiver bei ihrer Kreditvergabe, sagen die Experten von FCF Fox Corproate Finance.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Bei der Analyse der Bundesbankstatistiken zur Kreditvergabe lässt sich seit geraumer Zeit ein besorgniserregender Trend erkennen. Insbesondere die größeren Kreditgeber (Groß- und Landesbanken sowie ausländische Institute) werden seit einigen Jahren deutlich restriktiver bei ihrer Kreditvergabe. Zwar lässt sich zurzeit noch nicht von einer Kreditklemme im deutschen Mittelstand sprechen, insbesondere da kleinere Kreditinstitute aus den Sparkassen- und genossenschaftlichen Sektoren diesem Trend (bislang noch) entgegenwirken. Jedoch stellt sich die Frage, ob diese Institute zukünftig nicht auch restriktiver werden oder gar an andere Grenzen der Kreditvergabe stoßen.

Dies ist gerade in Zeiten des Wachstums in Deutschland eine kontraproduktive Entwicklung. So können Unternehmen bei steigenden Auftragseingängen vor der Herausforderung stehen, kurzfristig notwendiges Working Capital oder auch Erweiterungsinvestitionen (vor)finanzieren zu müssen. Da sich die sich hieraus ergebenden Umsatz- und Ergebniszuwächse oft erst nach ein bis zwei Quartalen einstellen, bedingt eine zusätzliche Finanzierung auch eine – zumindest vorübergehend – niedrigere Bonität. Vor dieser Situation scheinen Banken jedoch zurückzuschrecken.

Vermehrt alternative Finanzierer

Der CFO ist daher gut beraten, sich über alternative Finanzierungsmöglichkeiten informiert zu halten. Neben den klassischen Finanzierungsinstrumenten wie Bankdarlehen sind in letzter Zeit auch immer wieder (Mittelstands-)Anleihen, Factoring, Leasing und Mezzanine-Darlehen gefragt, weshalb auch eine zunehmende Anzahl an alternativen Finanzierern im Markt zu beobachten ist.

Unter diesen sind insbesondere sogenannte Junior-Finanzierer erwähnenswert. Diese sind in der Lage, einen zusätzlichen Darlehensbetrag in Höhe von rund einmal EBITDA nachrangig zur bestehenden Bankenfinanzierung zur Verfügung zu stellen. Ausgestaltet werden können solche Finanzierungen in Form bilateraler Darlehensverträge oder privat platzierter (also nicht öffentlich gehandelter) Schuldverschreibungen (Notes). Für Großkonzerne ist eine solche Finanzierungsklasse, zum Beispiel als High-Yield-Bond, seit langem etabliert und ermöglicht, Verschuldungsgrade von mehr als dem fünffachen EBITDA mit einer moderaten Verzinsung zu erreichen.

Aber auch für mittelständische Unternehmen ist solch eine Finanzierung interessant. FCF Fox Corporate Finance hat 2014 beispielsweise einen mittelständischen, börsennotierten Maschinenbauer beim Abschluss einer solchen Junior-Finanzierung unterstützt. Trotz nur moderatem Verschuldungsgrad in der Ausgangssituation waren die Bestandsbanken (allesamt Groß- und Landesbanken) nicht bereit, für Investitionen in eine neue Technologie und den damit verbundenen Einstieg in einen Wachstumsmarkt ihre Finanzierungslinien auszuweiten.

Das Unternehmen wollte dennoch die Bankbeziehung mit den langjährigen Partnern fortsetzen und suchte nach einer Möglichkeit, eine zusätzliche Wachstumsfinanzierung in das bestehende Finanzierungskonzept zu integrieren. Es konnte ein Finanzierer gefunden werden, der hochflexibel die notwendigen Finanzmittel als Junior-Finanzierung zur Verfügung stellte.
Der neue Finanzierer stellte sich mit seinen Ansprüchen nachrangig (englisch junior) zu den Bestandsbanken und verzichtete – mit Ausnahme einer Garantieerklärung bestimmter Tochterunternehmen – komplett auf die Stellung von Sicherheiten. Zur Unterstreichung des Nachrangcharakters wurde die Finanzierung mit einem – für solche Finanzierungen – moderaten Zinssatz von rund 7 Prozent und einer Laufzeit von bis zu sieben Jahren mit flexiblen Rückzahlungsmöglichkeiten ausgestaltet.

Auswirkungen auf den Mittelstand

Mit solchen Junior-Finanzierungen schließt sich somit auch für Mittelständler die Lücke zwischen erstrangig besicherten „Senior“- Krediten (die Domäne der Banken) und nachrangigem, eigenkapitalähnlichem Mezzanine (die Domäne angelsächsisch geprägter, oft dem Private-Equity-Umfeld entstammender Fonds). Im Gegensatz zum Senior-Darlehen müssen bei Junior-Finanzierungen entweder keine oder nur nachrangige Sicherheiten gestellt werden, und ein höherer Verschuldungsgrad wird ermöglicht.

Im Vergleich zum Mezzanine steht eine Junior-Finanzierung zu einem moderaten Zinssatz (i.d.R. einstellig, Mezzanine oft zweistellig) zur Verfügung, ohne dem Kapitalgeber Eigenkapitalrechte (erfolgsabhängige Verzinsung, Debt-Equtiy-Swap bei Unterplan-Geschäftsverlauf etc.) einräumen zu müssen. Auch lässt sich eine solche Finanzierung gut auf eine bestehende Finanzierungsstruktur aufsetzen, da durch die Nachrangigkeit die Rechte der bestehenden Banken nicht beeinträchtigt werden.

In der Vergangenheit mussten neue Kreditgeber aufwendig in bestehende Strukturen integriert oder komplette Finanzierungsstrukturen umfinanziert werden, um zusätzliches Kreditvolumen zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund können Junior-Finanzierer für geeignete Mittelständler eine zusätzliche, flexible Finanzierungsoption sein.

redaktion[at]finance-magazin.de

Kai Frömert ist Managing Director und Florian Theyermann ist Vice President bei der FCF Fox Corporate Finance GmbH.

Info

Zum 10. Mal öffnet die "Structured FINANCE", die Leitveranstaltung für CFOs und Treasurer, ihre Pforten. Am 12.-13. November 2014 kommen wieder über 1.300 Finanzentscheider aus Unternehmen und Banken zusammen, um sich während des Kongress und der begleitenden Ausstellung über moderne Unternehmensfinanzierung und strukturierte Finanzprodukte auszutauschen. Mehr über die Jubiläumsveranstaltung finden Sie hier.

Dieser Artikel ist in der Sonderbeilage zur „10. Structured FINANCE“, die zusammen mit der Oktober/November-Ausgabe 2014 der FINANCE erschienen ist, veröffentlicht worden.

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