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Finanzierung: Thüringen stützt Intershop

Die Landesflagge von Thüringen. Das Bundesland bürgt für einen Kredit der Sparkasse an den Software-Entwickler Intershop.
hk13114/iStock/Thinkstock/Getty Images

Das Land Thüringen greift seinem ehemaligen Vorzeigeunternehmen Intershop Communications finanziell unter die Arme. Wie das Unternehmen bekanntgab, soll der Entwickler von E-Commerce-Software- von der Sparkasse Jena-Saale-Holzland einen Kredit in Höhe von 6 Millionen Euro erhalten. Für die Rückzahlung will Thüringen bürgen. Es fehlt aber  noch die Unterschrift der thüringischen Finanzministerin Heike Taubert (SPD).

Nähere Informationen zur Transaktion wollte das Unternehmen auf FINANCE-Anfrage noch nicht mitteilen und verwies auf die noch fehlende Unterschrift der Ministerin. Mit dem frischen Geld unterstützt Thüringen das strauchelnde Unternehmen dabei, sich neuauszurichten. Intershop will sich in Zukunft auf den Bereich Business-to-Business sowie auf das Segment Software-as-a-Service konzentrieren, das vor allem Cloud-Lösungen umfasst. Dieser Paradigmenwechsel in der Softwareindustrie hat fast alle Anbieter erfasst und zwingt sie zu hohen Investitionen in den neuen Vertriebskanal Cloud.

Intershop strauchelt im operativen Geschäft

Auf Intershop kommen die Investitionen zur Unzeit zu. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2014 hat sich Intershops Umsatz- und Profitabilitätsproblem noch einmal deutlich verschärft. Dem Unternehmen zufolge dauert die schon vor Jahren eingeleitete Restrukturierung länger als erwartet. Der Umsatz ging um 14 Prozent auf etwas mehr als 46 Millionen Euro zurück. Die Erlöse in den Vereinigten Staaten brachen um mehr als ein Viertel ein.

Der Verlust aus dem operativen Geschäft verdoppelte sich dadurch auf rund 6,3 Millionen Euro. Ludwig Lutter, Finanzchef des in Jena ansässigen Unternehmens, ist schon voll auf die Bremse getreten, um den Cash-Abfluss zu stoppen: Lutter halbierte 2014 die Investitionen auf 1,4 Millionen Euro und schaffte es, trotz des hohen Ebit-Verlust einen leicht positiven operativen Cashflow von 0,4 Millionen Euro zu erwirtschaften. Unterm Strich stand aber dennoch ein negativer Free Cashflow von 1 Millionen Euro, was allerdings deutlich unter den 2013 nach Investitionen abgeflossenen 6,9 Millionen liegt.

Auch am Portfolio arbeitet CFO Lutter: Im Herbst veräußerte Intershop in einem M&A-Deal die Online-Marketing-Agentur SoQuero an die Medienagentur Blue Summit Media.

Absturz eines einstigen Börsenlieblings

Intershop war einer der größten Stars am Neuen Markt. 1994 gegründet, gingen die Thüringer 1998 an die Börse. Zum Höhepunkt im März 2000 notierte die Aktie bei knapp 2.000 Euro und brachte es auf einen Börsenwert von über 8 Milliarden Euro. Heute steht die Aktie bei 1,20 Euro, der Börsenwert beträgt knapp 40 Millionen Euro.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.