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Finanzierungen: Rickmers, Nanogate, Infiana

Die Reederei Rickmers muss ihre Schulden restrukturieren. Das kostet alle Stakeholder, auch die Gläubiger der Mittelstandsanleihe.
3dmentat/iStock/Thinkstock/Getty Images

Rickmers muss Schulden restrukturieren

Die Reederei Rickmers muss ihre Schulden restrukturieren. Dazu gehören sowohl Bankverbindlichkeiten als auch die 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe. Alleinaktionär Bertram Rickmers, die Anleihegläubiger und die finanzierenden Banken müssen Zugeständnisse machen. So habe sich Bertram Rickmers dazu bereit erklärt, 10 Millionen Euro frisches Eigenkapital bereitzustellen, sowie eine Kreditfazilität in gleicher Höhe, für den Fall das die Reederei weitere Liquidität benötigt. Zudem will er, neben anderer Maßnahmen, 75,1 Prozent seiner Aktien abtreten. Im Rahmen des Sanierungskonzepts soll ein Investmentvehikel nach luxemburgischen Recht diese Aktien, ein Darlehen der HSH Nordbank sowie die gesamten Anleiheverbindlichkeiten übernehmen.

Über einen Investorenprozess sollen die Aktien verkauft werden. Diese Verkaufserlöse werden dann an die Bondholder und die weiteren Geldgeber verteilt. Wie hoch die Recovery-Quote für die Anleihegläubiger sein wird, lässt sich noch nicht beziffern. Sie müssen dem Sanierungskonzept noch zustimmen. Gleiss Lutz (Federführung: Urszula Nartowska, Matthias Tresselt, Kai Arne Birke) begleitet Rickmers bei der Restrukturierung.

Nanogate nimmt 14,2 Millionen Euro mit Kapitalerhöhung ein

Nanogate, ein Spezialist für hochmoderne Oberflächenbeschichtungen, hat seine Kapitalerhöhung abgeschlossen. Rund 338.000 neue Aktien platzierte das Unternehmen unter Ausschluss des Bezugsrechts im Rahmen einer Privatplatzierung bei institutionellen Investoren.  Bei einem Ausgabepreis von 42 Euro je Aktie flossen Nanogate rund 14,2 Millionen Euro zu. Nach Angaben des Unternehmens war das Angebot deutlich überzeichnet. Hauck & Aufhäuser und M.M. Warburg begleiteten die Transaktion. Mit dem Erlös sollen zusätzliche Technologien und Kapazitäten finanziert sowie die im Januar 2017 abgeschlossene Übernahme von rund 80 Prozent der Anteile an der US-Gesellschaft Jay Plastics teilweise refinanziert werden.

Infiana erweitert Senior-LBO-Finanzierung

Der Spezialfolienhersteller Infiana Group, ein Portfoliounternehmen der Deutschen Beteiligungs AG, hat ihre bestehende Senior-LBO-Finanzierung auf deutlich über 100 Millionen Euro erweitert. Die genaue Summe ist nicht bekannt. Dabei wurde das bestehenden Bankenkonsortium aus Commerzbank, DZ Bank, IKB, NIBC und SEB um zwei Banken erweitert: Die Bank of Ireland und die LBBW stießen neu dazu. Außerdem wurde die Laufzeit der Finanzierung verlängert. Infiana wurde bei der Transaktion von Jones Day und Herter & Co. beraten. Clifford Chance beriet das Bankenkonsortium.

Weitere Finanzierungen

Die Duran-Gruppe, ein Hersteller von Industriespezialglas, hat sich refinanziert. Mit den neuen Senior-Krediten soll die Gesamtgruppe einschließlich des zuletzt zugekauften US-Geschäfts finanziert werden. Über das Transaktionsvolumen wurde Stillschweigen vereinbart. Die Kredite werden von einem Bankenkonsortium unter Führung von Commerzbank, HSBC Trinkaus & Burkhardt, IKB und Unicredit als Arrangeure bereitgestellt. Sie wurden dabei von der Wirtschaftskanzlei Milbank unter Federführung von Thomas Ingenhoven beraten.

Das Technologie-Startup Robodev hat eine Serie-A-Finanzierung von Staufen.Digital Invest erhalten. Über das Volumen wurde Stillschweigen vereinbart. Mittelfristig ist zudem die Begebung einer A-1-Tranche und der Einstieg eines weiteren Tech-Venture-Capital Fonds Teil der Vereinbarung. Staufen.Digital wurde bei der Transkation von Norton Rose unter Federführung von Holger Scheer beraten.

Der Mini-Bond-Emittent Wöhrl hat die geplante Versammlung der Anleihegläubiger abgesagt. Die geringe erwartete Teilnehmerzahl hatte absehen lassen, dass das für eine Abstimmung nötige Quorum nicht erreicht werde. Es ist bereits der zweite Versuch, die erste Versammlung war ebenfalls nicht beschlussfähig. Die Bondholder sollten über die Rahmenvereinbarung abstimmen, die im Zuge des laufenden Insolvenzverfahren mit dem Investor und Gründerurenkel Christian Greiner geschlossen wurde. Der Insolvenzplan sieht eine Abschlagszahlung an alle Insolvenzgläubiger, einschließlich der Bondholder, von 7,5 Prozent ihrer Forderungen vor.

Nanofocus
, ein Entwickler und Hersteller industrieller 3-D-Oberflächenmesstechnik, hat beschlossen eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Dieser muss der Aufsichtsrat noch zustimmen. Im Detail will das Unternehmen 453.000 Stückaktien unter Ausschluss des Bezugsrechts bei einem strategischen Investor platzieren, der ebenfalls in der Messtechnik-Branche arbeitet. Deshalb sei eine strategische Zusammenarbeit über die Beteiligung hinaus beabsichtigt. Der Ausgabepreis liegt bei 1,92 Euro je Aktie und führt somit zu einem Bruttoemissionserlös von knapp 870.000 Euro. Diesen plant Nanofocus für den Ausbau der Vertriebsaktivitäten zu verwenden.

Das in Luxemburg ansässige Fintech Mybucks, das seit Sommer 2016 an der Frankfurter Börse notiert ist, hat eine dreijährige Anleihe über 6,1 Millionen Euro begeben. Der Kupon des Bonds liegt halbjährlich bei 8,5 Prozent. Das Papier wurde im Rahmen einer Privatplatzierung bei ausgewählten Investoren platziert und notiert an der Wiener Börse. Noerr beriet Mybucks unter Federführung von Julian Schulze De la Cruz und Holger Alfes bei der Platzierung. Mybucks hatte im Februar eine Anleihe über 5,1 Millionen Euro zurückgezahlt.

SWS Service, eine Tochtergesellschaft der Mybet Holding, hat mit einem nicht genannten Finanzierer eine Kreditlinie, die Westlotto-Zwischenfinanzierung, erweitert. Die Westlotto-Zwischenfinanzierung bezieht sich auf die Vorfinanzierung der möglichen Erlöse der SWS aus dem Schadensersatzverfahren gegen die Westdeutsche Lotterie wegen eines Kartellrechtsverstoßes. Das Gesamtvolumen der Finanzierung erhöht sich von vier auf sechs Millionen Euro. Die neue Vereinbarung soll die finanzielle Ausstattung der Mybet-Gruppe absichern, aber nur im Bedarfsfall genutzt werden.

Das Medienunternehmen Axel Springer hat sich nach einer Recherche des Portals t3n.de an der Fahrdienstvermittler Uber beteiligt. Es handele sich dabei um eine Finanzbeteiligung im Minimalbereich, zitiert das „Manager-Magazin“ eine Unternehmenssprecherin.

Ratingmeldungen

Moody’s bestätigt das Rating der Deutschen Telekom bei Baa1. Der Ausblick bleibt stabil. Die Agentur begründet dies damit, dass die Wettbewerbsposition der amerikanischen Tochter T-Mobile durch den umfassenden Kauf von Mobilfunkfrequenzen gestärkt worden sei. Trotz des Erwerbs hätte sich das Finanzprofil des Unternehmens nicht derart geändert, das es aus dem Rahmen des aktuellen Ratings fallen würde. 

Moody’s bestätigt das langfristige Emittentenrating des Edelmetallkonzerns Heraeus bei Baa1. Der Ausblick ist stabil. Die Ratingagentur begründet diesen Schritt mit der guten Cash-Position des Unternehmens von 1 Milliarde Euro, die weiterhin für eine stabile Bilanz sorgen werde. Und das auch nachdem das Unternehmen angekündigt hat, den Edelmetallverarbeiters Argor-Heraeus vollständig übernehmen zu wollen und zudem Cash zur Restrukturierung der finanziellen Performance benötigt.

Moody’s bestätigt das Konzernrating von Orion Engineered Carbons, einem Industrieunternehmen im Bereich Spezialchemie, bei Ba3. Der Ausblick ist stabil. Die Ratingagentur hebt unter anderem die robuste Governance-Struktur und ein solides Finanz- und Liquiditätsprofil hervor.

Das Windenergieunternehmen Senvion erhält ein Rating von B1 von Moody’s. Der Ausblick ist stabil. Die Senior Secured Notes des Unternehmens über 400 Millionen Euro werden weiterhin mit B2 bewertet. Die Ratingagentur erwartet eine sich weiterhin stärkende Kreditqualität.

Weitere Meldungen

Nach einer Untersuchung von KfW Research ist das Kreditneugeschäft mit Unternehmen in Deutschland im vierten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent gewachsen. Mit positiven Zuwachsraten könne man im ersten Halbjahr ebenfalls noch rechnen, so KfW Research. Da die Zuwächse durch die Erwartung steigender Kreditkosten getrieben seien, dürfe der positive Trend aber ab Mitte des Jahres abflauen. Im Gegensatz zum Kreditneugeschäft verbuchten die Unternehmensinvestitionen im vierten Quartal 2016 einen Rückgang und hatten daher keinen Anteil am Wachstum.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Einen Überblick über die Finanzierungen der vergangenen Wochen und Monate finden Sie auf unserer Themenseite Unternehmensfinanzierung.