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Fitch: Bondmarkt überholt Bankkredite in Europa

Anleihen übertreffen der Bankkredit, zeigt eine Studie von Fitch.
iStock / Thinkstock / Getty Images

82 Prozent – diese Zahl ist laut der Ratingagentur Fitch der Dreh- und Angelpunkt der europäischen Unternehmensfinanzierung. 82 Prozent beträgt mittlerweile der Anteil an Anleihen in der Verschuldungsstruktur der von der Ratingagentur untersuchten Unternehmen.

Für die Studie hat die Ratingagentur die Jahresberichte von rund 200 europäischen Unternehmen über fünf Jahre analysiert. Insgesamt erwirtschaften diese Unternehmen einen Jahresumsatz von 4,8 Billionen Euro und haben eine aggregierte Verschuldung von 1,7 Billionen Euro. Diese Bilanzdaten vergleicht die Ratingagentur dann mit den Daten der Marktemissionen. Im ersten Halbjahr 2013 hat laut Fitch zudem das Volumen neu emittierter Anleihen zum ersten Mal das von Bankkrediten überholt.

Insgesamt zapfen europäische CFOs vermehrt den Bondmarkt an. Hierzulande platzierte in der vergangenen Woche noch der Automobilzulieferer Schaeffler Hochzinsanleihen über 1,5 Milliarden Euro. Mit der von CFO Klaus Rosenfeld ausgetüftelten Umschuldung will Schaeffler Fremdkapitalkosten reduzieren. Auch Finanzchef Stefan Kirsten konnte nach dem IPO des Immobilienkonzerns Deutsche Annington noch 1,3 Milliarden Euro am Bondmarkt einsammeln.
Damit setzt sich die Entwicklung aus dem ersten Halbjahr des Jahres fort. Insgesamt begaben laut Fitch europäische CFOs in den ersten sechs Monaten 2013 Anleihen in Höhe von rund 260 Milliarden Euro. Das Volumen von Bankkrediten lag rund 20 Milliarden Euro niedriger.

Europas CFOs setzen auf den Bondmarkt

Der Bericht verdeutlicht, wie weit die Finanzierung über den Kapitalmarkt, genauer gesagt: den Bondmarkt, in Europa bereits fortgeschritten ist.  Sie ist vor allem größer als es die allgemeine Marktwahrnehmung vermuten lassen würde, heißt es bei Fitch. Der zufolge würden europäische Unternehmen ein Drittel ihres Kapitalbedürfnisses über Anleihen und Zweidrittel über Bankkredite stillen, während das Verhältnis in den USA genau umgekehrt sei. Doch ein Blick zurück ins Jahr 2008 zeigt, dass bei europäischen Unternehmen schon damals 68 Prozent ihrer Schulden auf das Konto von Anleihen gingen.

Gründe für diesen Trend sieht Fitch aktuell im niedrigen Zinsumfeld verbunden mit dem Rückzug der Banken. Energieversorger und Telekommunikationsunternehmen machten mit 35 beziehungsweise 30 Milliarden Euro im ersten Halbjahr dieses Jahres den Löwenanteil am Bondmarkt ein.
Denn vor allem die CFOs kapitalintensiver Unternehmen wie Energieversorger nutzen das aktuell günstige Umfeld am Bondmarkt, um sowohl ihr Capex zu finanzieren als auch Schulden zu refinanzieren. CFOs von Telekommunikationsunternehmen würden mit den Anleihen vor allem Schulden vorzeitig refinanzieren, um ihr Fälligkeitenprofil auszudehnen.

Im zweiten Halbjahr werden Hochzinsanleihen teurer

Im zweiten Halbjahr dürften laut Bericht vor allem Investment Grade geratete Unternehmen noch von dem Bondboom profitieren. Für Emittenten von Hochzinsanleihen dürfte es jedoch wieder teurer werden. Das ahnen offenbar auch die CFOs. Denn nicht nur Schaeffler hat hier bislang am Bondmarkt zugegriffen. So debütierten diesen Monat bereits der französische Einrichtungskonzern Maisons du Monde und das italienische Glücksspielunternehmen Gamenet mit Hochzinsanleihen.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de