Newsletter

Abonnements

Frankreich will Alcatel-Patente als Kreditsicherheit verhindern

Manche Patente von Alcatel-Lucent mögen als sein; wertvoll sind aber auch.
Juardev

CFOs mit Liquiditätsengpässen sind gut beraten, die Patentportfolio ihrer Unternehmen zu durchkämmen. Geistiges Eigentum ist eine zunehmend akzeptierte Währung, die sowohl als verkaufbares Asset als auch Kreditsicherheit eingesetzt werden kann. Erst vergangene Woche unterzeichnete Alcatel-Lucent CFO Paul Tufano einen Darlehensvertrag mit Goldman Sachs und Credit Suisse im Wert von 1,62 Milliarden Euro, unter anderem gesichert durch das Alcatel-Lucent-Patentportfolio.

Finanzvorstände sind jedoch nicht die einzigen Menschen mit einem wachsenden Bewusstsein für die Bedeutung von Patenten. Regierungen scheinen die Entwicklung ähnlich wachsam zu verfolgen. Am Montag vermeldeten französische Medien, die dortige Regierung sei stark daran interessiert, die Patente von Alcatel im Lande zu halten. Sie versuche deshalb Alcatel dabei zu helfen, alternative Finanzierungsquellen zu finden, etwa in dem sie schnell frische Liquidität ins Unternehmen pumpe, berichtete die Zeitung Les Echos.

Patente dienen als Kreditsicherheit

Die Details des Kreditvertrages, die auf der Website von Alcatel-Lucent-Website veröffentlicht wurden, sind in der Tat hart. Im Falle eines Zahlungsausfalls haben die Kreditgeber nicht nur Anrecht auf alle ausstehenden Aktien der US-Tochter; die Formulierungen scheinen auch zu bedeuten, dass das gesamte Patentportfolio von Alcatel-Lucent ebenfalls den Besitzer wechseln würde.

Doch die Einmischung der für ihre rigorose berüchtigte Industriepolitik bekannte französische Regierung könnte eine Rettungsaktion entgleisen, die von hoher Dringlichkeit für die leeren Kassen von Alcatel-Lucent ist.  Der kumulative operative Verlust des Unternehmens der Jahre 2009 und 2010 belief sich auf 1 Mrd. Euro, bei einem Jahresumsatz von rund 15,5 Mrd. Euro. Im vergangenen Jahr erreichte Alcatel ein operatives Ergebnis von 186 Mio. Euro und einen negativen Free Cashflow von 1 Mrd. Euro.

Patentportfolio ist über 5 Mrd. Euro wert

Daher ist der Kreditvertrag ein entscheidender Rettungsanker für Alcatel-Lucent. Das Unternehmen befindet sich in einer massiven Umstrukturierung, die Milliarden Euro von Kosten einsparen soll. Es ist daher ziemlich klar, dass der Kreditvertrag ohne die Patent-Absicherung nicht zustande gekommen wäre. In seinen eigenen Worten hat Alcatel-Lucent eines der branchenweit größten globalen Patent-Portfolios, bestehend aus 30.000 erteilten Patente und 15.000 Patentanmeldungen im Wert von über 5 Mrd. Euro.

Kürzlich hat Alcatel-Lucent auch die Bemühungen intensiviert, aus seinem Portfolio für Kapital zu schlagen. Es führte ein strenges Patent-Management ein, um die Einnahmen aus Lizenzgebühren und Patentklagen in die Höhe zu treiben. Im November stellte das Unternehmen Craig Thompson ein, einen erfahren IP Portfolio-Manager von Nokia, der die IP-Monetarisierungsinitiative leiten soll.

steven.arons[at]finance-magazin.de

FINANCE Daily Newsletter
Das Wichtigste aus der FINANCE-Welt – täglich direkt in Ihr Postfach.
Jetzt abonnieren »
Jetzt abonnieren »
FINANCE Daily Newsletter