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Friedola muss Mittelstandsanleihe restrukturieren

Als Hersteller von Schwimmflügeln ist Friedola saisonabhängig. Doch das ist nicht das einzige Problem des Minibond-Emittenten.
iStock/Thinkstock/Getty Images

Seit Monaten zweifelt der Markt an Friedola Gebr. Holzapfel, jetzt zieht die geschäftsführende Gesellschafterin Désirée Derin-Holzapfel die Reißleine: Friedola muss seine Mittelstandsanleihe restrukturieren. Am 1. Oktober sollen die Gläubiger über ein Rettungskonzept abstimmen, dessen Grundzüge Friedola soeben vorgestellt hat.

Das Konzept, das zurzeit von der Beratungsgesellschaft Roland Berger geprüft wird, sieht in Bezug auf die Mittelstandsanleihe zwei Einschnitte vor: Zum einen soll die Laufzeit des 13-Millionen-Euro schweren Papiers um drei Jahre bis 2020 verlängert werden. Zum anderen will Friedola die Anleihegläubiger von einem Zinsversicht überzeugen: Der Kupon von 7,25 Prozent soll für 2016 und 2017 jeweils auf 1 Prozent, für 2018 auf 2 Prozent reduziert werden. 2019 und 2020 will Friedola dann wieder den ursprünglich angesetzten Kupon zahlen.

Friedola muss Kosten für Mittelstandsanleihe senken

Im Gegenzug für ihre Zugeständnisse sollen die Gläubiger der Mittelstandsanleihe eine volle Kompensation etwa in Form einer Ergebnisbeteiligung erhalten. Bis Ende 2018 will das Unternehmen die Restrukturierung abgeschlossen haben. Genauere Angaben wollte Friedola auf Nachfrage von FINANCE zunächst nicht machen.

Das Unternehmen aus dem hessischen Meinhard-Frieda südöstlich von Kassel würde durch die Restrukturierung bis Ende 2018 Zinskosten in Höhe von 2,2 Millionen Euro einsparen. Ein wichtiger Schritt, wie ein Blick in die Bilanz zeigt: Friedola wies für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/2015 liquide Mittel von gerade einmal rund 29.000 Euro aus. Zahlen für das Gesamtjahr, das zum 31. Juli endet, hat das Unternehmen noch nicht vorgelegt. Der nächste Termin für die Kuponzahlung ist der 11. April 2016.

Banken sollen temporärem Tilgungsverzicht zustimmen

Insgesamt soll die Liquidität in den kommenden drei Jahren um 3,5 Millionen Euro entlastet werden, wie FINANCE erfahren hat. Denn neben den Gläubigern der Mittelstandsanleihe sollen auch die kreditgebenden Banken bei der Restrukturierung mitziehen. Das Rettungskonzept sieht demnach einen temporären Tilgungsverzicht ebenfalls bis Ende 2018 vor. Friedola wies im Halbjahresbericht Finanzverbindlichkeiten gegenüber Banken in Höhe von rund 6,5 Millionen Euro aus. Etwa die Hälfte davon sind nach FINANCE-Informationen kurzlaufende Kontokorrentkonten, die andere Hälfte hat Laufzeiten bis zu fünf Jahren.

Den dritten Baustein zur finanziellen Restrukturierung steuert anscheinend die geschäftsführende Gesellschafterin Désirée Derin-Holzapfel selbst bei: FINANCE-Informationen zufolge soll sie eine persönliche Bürgschaft aussprechen. Darüber hinaus werde eine Grundstücksgesellschaft mit der Friedola Gebr. Holzapfel GmbH verschmolzen, sodass die Haftungsmasse steigt, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen.

Friedola könnte den Bondgläubigern damit zusätzliche Sicherheit bieten. Ein kluger Schachzug, um sich die Zustimmung bei der Gläubigerversammlung am 1. Oktober zu sichern. Der Modehändler Laurel, der ebenfalls einen Zinsverzicht durchsetzen möchte, hatte zunächst keine Sicherheiten geboten und musste sich deshalb harsche Kritik am Sanierungskonzept anhören.

Scope stufte Friedola im März auf B- herab und zog Rating zurück

Völlig überraschend kommt die heute angekündigte Restrukturierung für die Friedola-Gläubiger nicht: Der Kurs der Mittelstandsanleihe notiert bereits seit Ende 2013 deutlich unter par und war in den vergangenen Monaten auf 26 Prozent gefallen. Die Ratingagentur Scope hatte das Unternehmen, das Bodenbeläge, Sportartikel wie Schwimmflügel sowie Campingutensilien herstellt, bereits im März von B auf B- heruntergestuft und das Rating auf Ersuchen des Unternehmens zurückgezogen.

Scope kritisierte vor allem das schwache Finanzrisikoprofil und die Verzögerung bei dem erwarteten operativen Turnaround. Friedola hatte in den vergangenen Monaten zwar zahlreiche Maßnahmen angestoßen: So wurden der Eigenfertigungsanteil erhöht, Lagergestände abverkauft, der Vertrieb gestärkt und die sommerabhängigen Sportprodukte reduziert. Dennoch stand im ersten Halbjahr ein Jahresfehlbetrag von rund Minus 3,3 Millionen Euro zu buche, bei einem Umsatz von rund 20 Millionen Euro.

Friedola: Praktiker-Insolvenz und missglückter M&A-Deal machen Schwierigkeiten

Vom zweiten Halbjahr hatte sich Geschäftsführerin Derin-Holzapfel bessere Zahlen erhofft, die nun aber offenbar ausgeblieben sind. Wie aus dem Unternehmen zu hören ist leiden die Hessen nach wie vor unter der Pleite der Baumarktkette Praktiker, die im Juli 2013 Insolvenz beantragt hatte und zu den Hauptabnehmern von Friedola zählte. Dies habe zu einem Umsatzverlust von 10 Prozent geführt. Praktiker kämpfte allerdings schon mit Schwierigkeiten, als Friedola im April 2012 ihre Mittelstandsanleihe emitterte.

Darüber hinaus sei die internationale Expansion nicht wie gewünscht abgelaufen: Insbesondere ein Zukauf in Italien war deutlich weniger erfolgreich als erwartet.

Bei der Gläubigerversammlung am 1. Oktober sollen die Bondinhaber nun über das Restrukturierungskonzept abstimmen und einen gemeinsamen Vertreter bestimmen. Das Unternehmen schlägt hierzu Frank Günther von One Square Advisors vor.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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