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Geier kreisen über Schmolz + Bickenbach

Hochofen in einem Stahlwerk: Wichtige Abnehmerindustrien von Schmolz + Bickenbach, wie etwa Automobil, schwächeln.
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Entgegen ihrer momentan recht großzügigen Haltung gegenüber Unternehmen, die ihre Kreditauflagen nicht einhalten, ziehen einige Banken bei dem angeschlagenen Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach jetzt offenbar die Notbremse.  Nach FINANCE-Informationen handeln die Senior-Darlehen des deutsch-schweizerischen Stahlkonzerns nur noch bei etwa 80 Prozent des Buchwerts, was auf Kreditverkäufe durch die Gläubiger hindeutet.

Das ist ein deutliches Alarmzeichen, denn das Stillhalteabkommen, das Schmolz + Bickenbach nach einem Covenant-Bruch mit den kreditgebenden Banken ausgehandelt hat, läuft nur noch bis Ende März. Was die Situation so gefährlich macht: Die Banken fordern eine Stärkung des Eigenkapitals, die Eigentümerfamilien wollen oder können aber nicht nachschießen. Hinzu kommt: „Kaum ein externer Investor wird Equity nachschießen, wenn die Darlehen bereits unter Wasser sind“, meint ein Beobachter aus Frankfurter Bankenkreisen. So rückt mit jedem Tag, der ins Land zieht, ein Wandel von Schulden in Eigenkapital, ein sogenannter Debt-Equity-Swap, näher. Inwieweit Schmolz + Bickenbach die Zügel noch in der Hand hält, ist auch deshalb ungewiss, da der neue CFO Hans-Jürgen Wiecha zwar einige Erfolge bei seiner früheren Berufsstation Gerresheimer vorzuweisen hat, aber über wenig Restrukturierungserfahrung verfügt und auch erst seit wenigen Wochen an Bord ist.

PE-Investoren prüfen Debt-Equity-Swap

Laut Medienberichten prüfen mehrere PE-Investoren gerade die Option eines Debt-Equity-Swaps. Mit Triton und Apollo sollen zwei von ihnen bereits in die öffentlich gehandelte Schmolz + Bickenbach-Anleihe eingestiegen sein. Der Kurs des High Yielders war im September auf rund 75 abgestürzt, hat sich inzwischen – möglicherweise dank der Zukäufe der Investoren – aber wieder etwas erholt und notiert derzeit bei 88.

Die PE-Investoren könnten versuchen, sowohl über den High-Yield-Bond als auch über die Kredite nach und nach die Verbindlichkeiten von Schmolz + Bickenbach zu kontrollieren. Nach einem (teilweisen) Tausch in Anteile könnten am Ende die Schulden von Schmolz + Bickenbach um mehr als ein Drittel sinken.  Allerdings sind derlei Transaktionen kein Selbstläufer, wie die gescheiterte Transaktion rund um den Holzverarbeiter Pfleiderer zeigt: Dort unternahmen Finanzinvestoren wie Strategic Value Partners (SVP) einen ähnlichen Versuch, scheiterten aber an rechtlichen Hürden. Im Bereich Distressed Debt sind Triton und Apollo keine Unbekannten: Triton hatte beispielsweise vor drei Jahren den deutschen Gasfederhersteller Stabilus über die Schulden – und gegen den massiven Widerstand der Mezzanine-Gläubiger – übernommen.

Moody’s stuft Rating herab

Auch operativ gewinnt die Lage bei Schmolz + Bickenbach an Dramatik: So hat Moody’s Ende Februar das Corporate Family Rating von B3 auf B2 heruntergestuft. Problematisch ist vor allem die Lage der europäischen Autoindustrie, die als wichtige Abnehmerbranche von Schmolz +  Bickenbach gilt. Derweil türmen sich die Nettoschulden inzwischen schon auf rund 820 Millionen Euro auf, während Schmolz + Bickenbach 2012 nur ein EBITDA vor Restrukturierungskosten von 150 Millionen Euro erzielt haben dürfte. Der Leverage liegt damit bei rund 5,5x EBITDA. Eine Lösung der Schuldenprobleme wird alles andere als trivial.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

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Themenseite Schmolz+Bickenbach

Weitere Artikel zu den jüngsten Entwicklungen finden Sie auf der zugehörigen FINANCE-Themenseite zu Schmolz+Bickenbach.

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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