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Gescheitert: Wallenborn Adria muss Mittelstandsanleihe zurückziehen

Die Baader Bank kriegt die Bücher nicht voll: Wallenborn Adria Wind muss seine Projektanleihe zurückziehen.
Wallenborn Adria Wind GmbH

Die Investoren von Mittelstandsanleihen werden selektiver, Projektanleihen schwieriger zu platzieren. Nach Ansicht vieler Marktteilnehmer, die sich Sorgen um die Zukunft des Segments Mittelstandsanleihen machen, haben Projektanleihen dort ohnehin nichts verloren. „Das sind keine Anleiherisiken, das ist Risikokapital“, sagt ein Emissionsexperte zu FINANCE.

Dies gilt nicht unbedingt für Wallenborn: Dennoch musste der Windparkbetreiber die Emission abblasen: „Bis zum heutigen Ende der Zeichnungsfrist war die Nachfrage bei institutionellen und privaten Investoren nicht groß genug, um die geplante Refinanzierung durchzuführen“, musste Gründer und Geschäftsführer Hermann Wallenborn einräumen.  Er machte eine Zurückhaltung bei institutionellen Investoren für das Thema Erneuerbare Energien verantwortlich.

Wie hoch der Buchbestand war,  bleibt unerwähnt. FINANCE-Informationen zufolge erreichte dieser knapp einen zweistelligen Millionenbetrag. Er muss mit Abstand unter dem Nennbetrag geblieben sein, schließlich wurden andere deutlich unterzeichnete Titel wie Karlie am Ende doch platziert. Dass Wallenborn dies nicht tut, lässt vermuten, dass Wallenborn offenbar weiter  mit einer möglichen Privatplatzierung liebäugelt.

Scope ratet Mittelstandsanleihe mit BBB+: Investoren misstrauisch

Die Ratingagentur Scope hatte den Wallenborn-Bond, mit dem der Windpark an der kroatischen Küste refinanziert werden soll, mit BBB+ geratet. In seiner Ratingbegründung sah Scope „keine Investitionsrisiken.“ Schließlich seien die Anlagen alle im Betrieb und verfügten über die erforderlichen Genehmigungen für den Erhalt der Einspeisevergütungen.

80 Prozent des geplanten Nettoemissionserlöses sollten zur Refinanzierung von Gesellschafterdarlehen  bei der kroatischen Tochter Selan d.o.o. verwendet werden, bei der Wallenborn selbst Geschäftsführer ist. Wallenborn wollte seinen Anlegern 7 Prozent Kupon zahlen und bot dabei Sicherheiten in Form von Gesellschaftsanteilen, Zinsreservekonto und Tilgungssparkonto. Den institutionellen Investoren, die von dieser nicht markenlastigen Mittelstandsanleihe angesprochen waren, war dies offenbar zu wenig.

Für Wallenborn, das Münchner Mittelstandsegment M:access, an dem sonst nur die ebenfalls kritische Mittelstandsanleihe der Poster XXL  und die BioEnergie Taufkirchen gelistet sind, sowie den im Mittelstandsanleihe-Segment bisher nicht auffälligen Emissionsagenten Baader Bank ist dieses Scheitern eine schallende Ohrfeige. Für den Markt für Mittelstandsanleihen hingegen ist dies kein schlechtes Zeichen: Die Markthygiene wirkt. Anders gesagt: An den Mittelstandsmarkt sollten tatsächlich auch echte Mittelständler kommen.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de

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