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Heckler & Koch: Gewehr macht Sorgen, Anleihe schmiert ab

Der schwäbische Waffenhersteller Heckler & Koch durchlebt unruhige Zeiten. Das Verteidigungsministerium kritisiert massiv das Flaggschiff des Waffenproduzenten: Die Bundeswehr ist  unzufrieden mit dem Gewehr G36, das bei hoher Außentemperatur und im heißgeschossenen Zustand Defizite bei der Treffgenauigkeit haben soll. Besonders während des Afghanistan-Einsatzes häuften sich die Beschwerden der Soldaten über ihre Waffe.

Heckler & Koch dementiert diese Vorwürfe und beschwert sich seinerseits über die Kommunikationspolitik des wichtigen Großkunden. Über die vom Verteidigungsministerium im Sommer vergangen Jahres angestoßene externe Untersuchung sei Heckler & Koch in keinster Weise informiert worden. Die Vorwürfe über einen Qualitätsmangel weist der Waffenhersteller entschieden zurück:  Alle an die Bundeswehr gelieferten Waffen würden die vereinbarten „technischen Lieferbedingungen“ erfüllen.

Doch die Bundeswehr hat alle ausstehenden Bestellungen für das G36-Gewehr vorsichtshalber eingestellt. Sollte das externe Gutachten die Mängel bestätigen, stellt das Verteidigungsministerium sogar einen kompletten Modellwechsel des Gewehrs in Aussicht. Sogar von möglichen Schadenersatzforderungen ist die Rede. Die Heckler & Koch-Gläubiger sind in Aufruhr. Ende vergangener Woche rutschte der Kurs der bis 2018 laufenden Anleihe (Kupon: 9,5 Prozent) erstmals unter die Marke von 70 Prozent, wo er nach wie vor liegt.

Heckler & Koch: Cashreserven nahezu aufgebraucht

Für Heckler & Koch würde ein Bruch mit der Bundeswehr bedeuten, dass ein erheblicher Teil des ohnehin tendenziell sinkenden Umsatzes gefährdet wäre. Aus den aktuellsten vorliegenden Geschäftszahlen geht hervor, dass der Umsatz im Jahr 2013 von 202,8 Millionen Euro auf 171,8 Millionen schrumpfte.

Heckler & Koch relativierte den Umsatzrückgang mit Verweis auf  einen parallelen Forderungsanstieg von 34,4 Millionen auf 53,5 Millionen Euro. Das Deutschlandgeschäft, das neben Lieferungen an die Bundeswehr auch Aufträge des Zollamtes und der Bundespolizei umfasst, macht mit 53,5 Millionen rund 31 Prozent des Konzernumsatzes aus. Seit 1976 hat die Bundeswehr allein 176.000 G36-Gewehre angeschafft. Sollte die Bundeswehr künftig tatsächlich keine weitereren G36-Gewehre mehr bestellen, habe dies jedoch keine Auswirkungen auf das Geschäft, wie ein Unternehmenssprecher betonte.

Große Sorgen bereitet den Bond-Gläubigern auch die aktuelle Cashposition des Unternehmens. Die liquiden Mittel schmolzen im Jahr 2013 gegenüber 2012 von 22,8 auf 16,3 Millionen Euro, was wiederum im September 2014 die Ratingagentur Moody’s auf den Plan rief. Diese diagnostizierte zu diesem Zeitpunkt, dass die Cashreserven in der Folge sogar auf einem historischen Tiefstand von 8,3 Millionen Euro gesunken seien. Moody‘s stufte die Anleihe des Waffenherstellers um eine Stufe von Caa2 auf Caa3 herab. Der Ausblick ist nach wie vor negativ, da die Cash-Position nur noch minimalen Spielraum für unvorhergesehene Gewinnschwankungen zulasse.

Anleihekurs verliert in 6 Monaten über 30 Prozent

Infolge des Rating-Downgrades brach die 295 Millionen Euro schwere Anleihe zum ersten Mal schwer ein: Notierte die Anleihe zuvor kontant bei 105 Prozent, brach sie auf 75 Prozent ein.

Offenbar wächst bei den Investoren die Sorge, dass Heckler & Koch den halbjährlich anteilig fälligen 9,5 Prozent-Kupon am 15. Mai diesen Jahres bedienen kann. Dann werden wieder 14 Millionen Euro fällig, die Heckler & Koch bis dahin auftreiben muss.

Heckler & Koch ist hoch verschuldet

Bauchschmerzen dürfte den Gläubigern auch die hohe Verschuldung des Konzerns bereiten: Einem bilanziellen Eigenkapital von 13,7 Millionen Euro standen Ende 2013 insgesamt Rückstellungen in Höhe von rund 73,8 Millionen und Verbindlichkeiten von insgesamt 318,5 Millionen gegenüber. Die Anleihe ist zwar die einzige zinstragende Verbindlichkeit, beträgt mit 295 Millionen Euro jedoch allein schon das 21,5-fache des bilanziellen Eigenkapitals.

Den Bilanzverlust aus dem Jahr 2012 in Höhe von 21 Millionen Euro konnte das Unternehmen jedoch mit dem Jahresüberschuss 2013 in selbiger Höhe egalisieren. Ein Eigenkapitalpuffer konnte dadurch jedoch nicht aufgebaut werden. Moody’s hält diese Kapitalstruktur für nicht nachhaltig.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de