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Hess ringt mit Kapitalgebern um Refinanzierung

Ein Teil der Hess-Beschäftigten wartet noch auf die Auszahlung der Januar-Gehälter.
Hess

Der krisengeschüttelte Leuchtenhersteller Hess hält die Gehälter für einen Teil seiner Beschäftigten zurück. Während die Mitarbeiter am Stammsitz Villingen-Schwenningen, der gesellschaftsrechtlich zur AG zählt, ihr Januargehalt bereits erhalten haben, warten die Mitarbeiter der sächsischen Tochter aus Löbau noch auf ihre Gehaltszahlung, die auch die Sonderzahlung von 50 Prozent eines Monatsgehalts für 2012 umfasst. Möglich ist dies, weil Löbau gesellschaftsrechtlich eine GmbH ist. Am Schwarzwälder Stammsitz bestätigt Hess IR-Chef Marco Walz die Angaben und stellt eine kurzfristige Lösung in Aussicht. „Für die Löbauer GmbH läuft eine separate Prüfung der Finanzlage.“

 

Auch bankenseitig gibt es Unterschiede zwischen dem Stammsitz in Baden-Württemberg und der sächsischen Filiale. Hausbank im Schwarzwald ist die Sparkasse, in Sachsen hingegen ist dies die Deutsche Bank. Ein Mitarbeiter aus Löbau, der sich FINANCE offenbart hat, berichtet von einer sehr angespannten Lage am Standort und einem drohenden Streik. Noch ist Hess indes nicht mit der Zahlung im  Verzug, denn vertraglich hat der Konzern noch eine Woche für die Überweisung Zeit. Hess hat auch in guten Zeiten die Gehälter in zwei Raten ausgezahlt und zum Monatsende immer erst einen 50-Prozent-Abschlag überwiesen.

Refinanzierungsverhandlungen laufen

Wie FINANCE  aus Kreisen erfuhr, laufen umfassende Verhandlungen zwischen Kapitalgebern, die die Fremdkapital- und die Eigenkapitalseite einbeziehen. In diesem Zusammenhang dient die sächsische Liquidität dem Bankenclub, der die Deutsche Bank, die Konsortialbank LBBW und die Sparkasse umfasst, möglicherweise als Verhandlungsmasse. Dabei könnte es um eine neue Eigenkapitalspritze der größten Aktionäre gehen, die die Familie Hess, die knapp 40 Prozent der Anteile hält und den Finanzinvestor Holland Private Equity, der mit rund 20 Prozent beteiligt ist, einbezieht. Die Banken dürften auf eine Reduktion ihres Exposures dringen. Hess drücken insgesamt mehr als 50 Millionen Euro Finanzschulden, davon 30 Millionen Euro kurzfristiger Natur.

 

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de