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Hybrid-Debüt trotz Eurokrise

BG Energy

Die BG Group hat ihren ersten Hybridbond platziert. Es ist die erste Hybridanleihe eines europäischen Emittenten seit März dieses Jahres. Das in Großbritannien beheimatete Öl- und Gasunternehmen hat sich nicht von der politischen Unsicherheit in Griechenland und  den anhaltenden Sorgen bezüglich des spanischen Bankensystems abhalten lassen. Es arrangierte eine zweiteilige Hybridanleihe in Euro und Pfund Sterling. Die Finanzierungsgesellschaft des Unternehmens, BG Energy Capital, platzierte eine Tranche in Höhe von 600 Millionen Pfund Sterling (umgerechnet rund 745 Mio. Euro) und eine Euro-Tranche über 500 Millionen Euro. Wie eine der beteiligten Banken am Mittwoch mitteilte, will BG Energy Capital der bislang zweitranchigen Hybridanleihe noch eine U.S.-Dollar-Tranche hinzufügen. Der nachrangige Hybridbond läuft bis November 2072. Der Koupon beträgt 6,5 Prozent per annum. BG Energy kann die Anleihe frühestens 2017 ablösen. Nach diesem Zeitpunkt wird es eine Reihe von Kuponerhöhungen geben, sogenannte Step-ups. BG hat auch die Option Kuponzahlungen auf kumulierter Basis aufzuschieben. Barclays, BNP Paribas, Deutsche Bank und Royal Bank of Scotland waren die Lead Managers der Transaktion.

Hybridanleihen enthalten sowohl Eigen- als auch Fremdkapital-Charakteristika. Sie sind riskanter als klassische Unternehmensanleihen, bieten Investoren aber im Gegenzug eine höhere Rendite. Die Nachfrage nach dieser Art von Wertpapieren war wegen der Bedenken über die gestiegene Verschuldung Europas in den vergangenen Monaten allerdings begrenzt. Moody‘s bewertet die Hybridanleihe von BG Energy vorläufig mit Baa1, S&P und Fitch beurteilen sie mit BBB+. Damit liegt die Bonitätsnote zwei Stufen unter dem Unternehmensrating des Öl- und Gasunternehmens, was den Charakteristika von Hybridanleihen entspricht.

BG Energy will mit der Hybridanleihe seine Finanzierungsstruktur diversifizieren und seine Bilanz stärken. BG-Energy-CFO Fabio Barbosa sagt einer Pressemitteilung zufolge, die Platzierung „unterstütze Investitionen in unseren Wachstumsmärkten, wie jene in Brasilien und in Australien“.

Die europäischen Energiekonzerne sind nach der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der Hybrid-Markt geschlossen war, wieder hungrig auf Hybridanleihen. Der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV, das dänische Energieunternehmen Dong Energy, der französische Wasserkonzern Suez Environment haben beispielsweise seit 2010 Hybrids platziert. Der deutsche Versorger RWE hat seit seiner Premiere im Jahr 2010 schon insgesamt viermal den Hybrid-Markt angezapft. Den ersten Hybrid platzierte der Essener Konzern 2010 in Euro, 2011 folgte einer in Schweizer Franken. Im März dieses Jahres ist der Energiekonzern sogar gleich zweimal aktiv gewesen: Zur Mitte des Monats hatte der Essener Konzern 750 Millionen Pfund Sterling über einen Hybridbond eingesammelt. Ende des Monats folgte der vierte Hybrid in der Unternehmensgeschichte, bei dem RWE 500 Millionen US-Dollar einsammelte. Mit diesem Schritt hat der Versorger, der wegen der Energiewende unter Druck steht, sein im August 2011 angekündigtes Hybridkapitalprogramm konsequent fortgesetzt. Von dem Boom, den die Hybridbonds vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erfahren haben, sind wir aktuell aber noch weit entfernt.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.