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IK Investment macht Recap bei Schenck Process

Nach dem Recap wird ein Verkauf vom Messtechnikspezialisten Schenck Process in nächster Zeit unwahrscheinlich.
Schenck Process

Die Beteiligungsgesellschaft IK Investment Partners hat sich von ihrem  Portfoliounternehmen Schenck Process eine kreditfinanzierte Sonderdividende auszahlen lassen. Im Zuge dieser im Branchenjargon „Recap“ genannten Transaktion hat Schenck FINANCE-Informationen zufolge 455 Millionen Euro an neuen Schulden aufgenommen.

In der Private-Equity-Branche kommt es regelmäßig vor, dass Finanzinvestoren ihre Portfoliounternehmen im Rahmen von Recaps neues Fremdkapital aufnehmen lassen. Dies ist meist ein Zeichen dafür, dass die Verschuldung der Unternehmen so stark zurückgegangen ist, dass die Kapitalstruktur aus Sicht der Eigentümer nicht mehr „effizient“ ist, also zu wenig Schulden beinhaltet. Dieser Umstand verwässert die Eigenkapitalrendite des Investments – die wichtigste Kennzahl, an der die Geldgeber die Private-Equity-Investoren messen, in die sie investiert haben.

Recaps dienen in aller Regel dazu, den Beteiligungsgesellschaften Zeit zu kaufen, um einen Ausstieg vorzubereiten, da die Kapitalstruktur im Anschluss wieder eine höhere Eigenkapitalrendite zulässt und der Druck, das Asset zu verkaufen, dadurch sinkt. Ein solches Vorgehen ist allerdings nur bei ertrags- und cashflowstarken Unternehmen möglich.

IK Investment hat noch vier Jahre Zeit für Verkauf von Schenck

In diese Kategorie dürfte Schenck Process fallen. IK Investment hat den Darmstädter Messtechnikspezialisten 2007 gekauft. Das Investment gehört zu dem Fonds des skandinavisch-britischen Private-Equity-Hauses, der im gleichen Jahr aufgelegt wurde. Die durchschnittliche Haltedauer eines Portfoliounternehmens in Private-Equity-Hand von vier bis fünf Jahren ist bei Schenck längst überschritten. Verschiedenen Medienberichten zufolge hatte IK schon im Jahr 2012 versucht, Schenck zu verkaufen.

Die Rekapitalisierung legt die Deutung nahe, dass die Geschäfte von Schenck derzeit nicht gut genug laufen, um die hohen Wertvorstellungen von IK Investment Partners zu rechtfertigen. Für diese Sichtweise spricht auch der Abgang von Finanzchef Othmar Belker, der im vergangenen Oktober nach nur wenigen Monaten im Amt Schenck wieder verließ. Der börsenerfahrene Othmar Belker dürfte auch geholt worden sein, um Schenck für einen Verkaufsprozess zu rüsten – womöglich sogar für einen Börsengang. Mit einem Umsatz von rund 600 Millionen Euro hätte Schenck allemal die nötige Größe dafür.

Wie FINANCE erfuhr, hat IK noch Zeit, bevor der Fonds bei Schenck an die Grenzen der zulässigen Haltedauer stößt: Die reguläre Laufzeit endet zwar 2017, jedoch kann IK Investment die Spanne dreimal um jeweils ein Jahr verlängern. Erst dann müssen alle Investments abgeschlossen sein. Theoretisch hätte IK also noch vier Jahre Zeit, um Schenck zu verkaufen. Ein Sprecher von IK Investment Partners wollte auf FINANCE-Anfrage keine Stellungnahme zum Thema Schenck Process abgeben.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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