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Kreditkonditionen in Europa verschlechtern sich weiter

Blauer Himmel über dem Eurozeichen, aber dunkle Wolken über der Kreditvergabe.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Kreditkonditionen in Europa ziehen weiter an. Das ist das unerfreuliche, wenn auch nicht überraschende Ergebnis des jüngsten Bank Lending Survey der EZB. Was CFOs dabei aus professioneller Sicht besonders betrüben dürfte: ihre Chancen, als Privatperson einen Kredit zu erhalten, stehen meist deutlich besser, als dies für ihr Unternehmen zu tun. Kreditkonditionen für Unternehmen verschärften sich im dritten Quartal laut EZB um 15 Prozent, nachdem sie im zweiten Quartal bereits um 10 Prozent angezogen hatten. Für Konsumentenkredite zogen die Konditionen nur um 3 Prozent an (nach 7 Prozent im Vorquartal).

Hauptgrund für die anhaltende Vorsicht bei Banken: die schlechten Aussichten für die Gesamtwirtschaft. Zum ersten Mal seit Jahren hätten Banken aufgrund ihrer Liquiditätsposition nach eigener Einschätzung durchaus großzügiger bei der Kreditvergabe sein können. Doch die schlechten makroökonomischen Aussichten zogen die Gesamtanalyse weit in den roten Bereich. Für das vierte Quartal erwarten die meisten Banken eine weitere Verschärfung in ähnlichem Ausmaß wie im dritten Quartal.

CFOs müssen ihre Unternehmen rausputzen

In solch einem Umfeld müssen CFOs noch härter arbeiten, um die Performance und die finanzielle Position ihrer Unternehmen zu verbessern. Das starke Anziehen der Kreditstandards bei Unternehmenskrediten lag hauptsächlich an der Vergrößerung des Aufschlags, den als riskant empfundene Unternehmen zahlen müssen. Diese Marge stieg  auf 44 Prozent von 32 Prozent im vorangegangenen Quartal.

Durch die fehlenden Investitionspläne der CFOs befindet sich die Kreditnachfrage seitens der Unternehmen ebenfalls im Sinkflug. Für das dritte Quartal beobachten Banken einen Rückgang der Kreditnachfrage um 28 Prozent, was sogar noch eine leichte Steigerung im Vergleich zu den 25 Prozent des zweiten Quartals bedeutet. Die Haupttreiber dafür  sind signifikant geringere Investitionen, abgeschwächte M&A-Aktivität und weniger Nachfrage nach Working-Capital-Finanzierungen. CFOs greifen aber auch auf andere Finanzierungsformen zurück wie beispielsweise die Bondmärkte. Die Auswirkungen dieses Rückgriffs sind aber bei weitem nicht so stark wie die der anderen Faktoren. Banken erwarten weiterhin einen Nettorückgang in der Kreditnachfrage gegen Jahresende.

Es gibt jedoch auch ein paar positive Erkenntnisse. Banken berichten von einem etwas besseren Zugang zu Einzelkunden und Großabnehmer-Krediten im Vergleich zu den vorangegangenen Quartalen und sie erwarten, dass sich die Finanzierungskonditionen  künftig verbessern werden. Außerdem gingen die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise auf die Kreditstandards der Banken  im dritten Quartal etwas zurück. Das sollte den Finanzchefs zumindest etwas Hoffnung dahingehend machen, dass sich die Kreditkonditionen nicht bis in alle Ewigkeit verschlechtern werden. Aber so lange wie die Sorgen über die generelle wirtschaftliche Aktivität sowohl die Investitionspläne der Unternehmen als auch die Bereitschaft der Banken Geld zu verleihen hemmt, ist der Bericht der EZB eine wenig inspirierende Lektüre.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de