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Kreditmarkt – Status und Ausblick für 2015

Die Sanktionen gegenüber Russland könnten die wirtschaftliche Entwicklung bei Unternehmen, die dort aktiv sind, hemmen und in der Folge zu einem erhöhten Risikobewusstsein bei Banken führen.
Thinkstock / Getty Images

Das Transaktionsvolumen im Markt für syndizierte Kredite ist im laufenden Jahr in Deutschland gestiegen. Bis Ende Juli 2014 wurden hierzulande Kreditverträge in Höhe von rund 95,8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Das sind 43 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf den syndizierten Kredit von Bayer mit einem Volumen von 14,2 Milliarden US-Dollar zurückzuführen, der im Juni unterschrieben wurde. Die Transaktionsanzahl hingegen ist rückläufig: Im angegebenen Zeitraum wurden nur 102 Transaktionen abgeschlossen (Vorjahr: 111), was einem Rückgang von 8 Prozent entspricht.

Der im vergangenen Jahr begonnene Rückgang der Margen und Gebühren setzt sich 2014 fort. Bestimmende Faktoren dafür sind eine weiterhin moderate Kreditnachfrage, eine gute Liquiditätsversorgung des Bankensektors und ein intensiver Wettbewerb um Groß- und Mittelstandskunden.

Viele Finanzverantwortliche der Unternehmen haben diese attraktive Marktsituation genutzt, um bestehende Konsortialkredite im Rahmen von Amend-and-Extend-Transaktionen zu verlängern, die Marge (nach unten) zu adjustieren und gegebenenfalls auch dokumentäre Erleichterungen durchzusetzen. Selbst bei Loans, die vor weniger als zwei Jahren abgeschlossen wurden, war dies zu beobachten.

Nimmt man die Amend-and-Extend-Welle als Indikator für die weitere Entwicklung des Kreditmarkts, sind die Unternehmen tendenziell pessimistisch gestimmt, was die mittelfristige Entwicklung angeht. Sie nehmen die Marktopportunität mit, um sich so langfristig wie möglich auf dem aktuellen Konditionenniveau zu finanzieren.

Die Loan Market Association (LMA) hat im Mai eine Umfrage unter Marktteilnehmern im Konsortialkreditgeschäft durchgeführt und unter anderem nach den wichtigsten Einflussfaktoren für das Marktsentiment gefragt: Rund die Hälfte gab den intensiveren Wettbewerb, 26,8 Prozent gaben die Ergebnisse der Stresstests für Banken und daraus folgende regulatorische Auflagen, 12,5 Prozent die Eskalation geopolitischer Risiken und 7,1 Prozent die restriktivere Politik der Zentralbanken als wichtigste Einflussfaktoren an.

Geopolitische Risiken nehmen zu

Würde die Umfrage aktuell wiederholt, dürften die Bewertungen durchaus anders ausfallen. Der Wettbewerb bleibt zwar weiterhin hoch, doch haben vor allem die geopolitischen Risiken massiv zugenommen. Anzahl und Größe der internationalen Brandherde sind dramatisch gestiegen, was sich bereits auf die Kapitalmärkte und deren Volatilität ausgewirkt hat. Die Sanktionen gegenüber Russland könnten zudem die wirtschaftliche Entwicklung bei Unternehmen hemmen, die dort aktiv sind, und in der Folge zu einem erhöhten Risikobewusstsein bei Banken führen.

Verschiedene Andeutungen der Regulatoren lassen zudem den Schluss zu, dass sie – in Reaktion auf die noch unveröffentlichten Ergebnisse der Bankenstresstests – Auflagen einführen, die bei verschiedenen Aspekten des Kreditgeschäfts ansetzen (Konditionen, Struktur der Dokumentation). Auch der begonnene Rückzug der US-Notenbank aus der ultraexpansiven Geldpolitik hat bereits deutliche Spuren an den Kapitalmärkten hinterlassen. Zeitverzögert wird dies natürlich auch den Kreditmarkt negativ beeinflussen.

In der Summe lassen die den Kreditmarkt bestimmenden Faktoren kurzfristig eine Seitwärtsbewegung erwarten. Mittelfristig steht zu befürchten, dass ein erhöhtes Risikobewusstsein bei den Banken, deshalb steigende Margen und eine engere Dokumentation das Umfeld für Kreditnehmer eintrüben.

redaktion(*)finance-magazin(.)de

Andreas Voglis ist Direktor und Leiter des Bereichs Financial Structuring & Advisory bei HSBC in Deutschland.

Info

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Dieser Artikel wird in der Sonderbeilage zur „10. Structured FINANCE“, die zusammen mit der Oktober/November-Ausgabe 2014 der FINANCE erscheinen wird, veröffentlicht.

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