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Krimi beim Mezzanine-Programm Prime 2006

2006 hat die Stuttgarter LBBW gemeinsam mit Hamburger Sparkasse und HSH Nordbank ein Mezzanine-Portfolio verbrieft. Kurz vor dem Ende drohte Ärger.
LBBW

Das hat sich vermutlich keiner der Initiatoren des Mezzanine-Programms Prime 2006-1 träumen lassen. Vor sieben Jahre haben die Landesbank Baden Württemberg (LBBW), die HSH Nordbank und die Hamburger Sparkasse (Haspa) das Mittelstandsportolio verbrieft.

Doch Ende Juni – kurz vor dem Ende der Laufzeit des Programms – geriet das Programm plötzlich in Turbulenzen. In diesem Fall nicht durch insolvenzbedrohte Unternehmen, sondern durch die angespannte Situation des Portfoliomanagers Mitkap AG, einer Schweizer Managementgesellschaft. „Wegen einer Unklarheit in der Dokumentation bekam der Portfoliomanager keine Gebühren für Tätigkeiten bei der Betreuung von notleidenden Engagements“, erklärt Thomas Prüm, Anwalt bei Berwin Leighton Paisner (Germany) LLP in Frankfurt. Kurz vor der Fälligkeit der Transaktion am 1. Juli hätte der Portfoliomanager der eigentlichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen können, weil die Überschuldung drohte. Da niemand mehr das Portfolio gemanagt hätte, hätte sich der Emittent („Issuer“) dem Risiko von Prozessen ausgesetzt gesehen. Im äußersten Fall hätte die Struktur von Prime 2006-1 für die letzten Monate des Bestehens sogar noch einmal ganz neu aufgesetzt werden müssen.

Nach der durch ein Gutachten bestätigten Auffassung sind über die Laufzeit Gebühren für Mitkap in Höhe von fast 3,3 Millionen Euro aufgelaufen. Allerdings fanden sich in der umfangreichen Dokumentation der Verbriefung Fehler: Die Passagen, die die Gebührenstruktur regelten, waren letztlich nicht eindeutig  festgelegt. Der Emittent meinte, der Portfoliomanager habe keinen Anspruch auf Zahlungen. Nach langen Verhandlungen einigten sich die Parteien auf einen Kompromiss: Von den geforderten 3,3 Millionen Euro erhält Mitkap 900.000 Euro, wie aus einer Investorenmitteilung hervorgeht. „In Zukunft wird der Portfoliomanager, wie in der Dokumentation vorgesehen, den vollständigen Betrag in Höhe von 20 Prozent des sogenannten Recovery-Erlöses erhalten“, ergänzt Thomas Prüm. Trotz der zeitweise verfahrenen Situation hat Mitkap nach FINANCE-Informationen die Dienstleistungen weiter erbracht und an einer Lösung mitgearbeitet, insbesondere durch den Verzicht auf Gebühren.

Ausfälle auch bei Prime 2006

So war es möglich, dass sich der Portfoliomanager Anfang Juli um die ausstehenden Forderungen der Mezzanine-Schuldner kümmern konnte. Bis auf zwei Fälle, die wegen schwieriger Unternehmenslage auf der Watchlist des Managers standen, haben die Unternehmen ausnahmslos gezahlt. Ursprünglich umfasste das Programm Genussrechte in Höhe von 196,5 Millionen Euro. 29 mittelständische Unternehmen, unter ihnen die Oettinger Brauerei und Max Aicher Recycling, waren daran beteiligt. Einige Firmen haben vorzeitig den vollständigen Betrag bezahlt. Allerdings musste auch Prime Ausfälle verbuchen: Mit dem Augsburger Automobilzulieferer emQtec fiel bereits Anfang April 2010 ein Unternehmen aus. Im vergangenen Dezember kassierte das Mezzanine-Programm eine Herabstufung von Moody’s. Der Grund für die Ratingaktion lag in einer schlechteren Kreditqualität des verbrieften Genussrechtspools.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Info

Programm-Mezzanine vor der Rückzahlung

In den Jahren 2004 bis 2007 haben mehrere hundert mittelständische Unternehmen standardisiertes Mezzanine-Kapital in einem Volumen von rund 5 Milliarden Euro aufgenommen. Das Mezzanine-Kapital in Form von Genussrechten stammte überwiegend aus aus der Ausgabe von Anleihen, sogenannten Collateral Debt Obligations (CDOs). Banken haben Kapitalmarktvehikel zum Teil in Kooperation mit externen Finanzdienstleistern aufgelegt. Das Kapital wurde bei nationalen und internationalen Investoren eingeworben. Seit vergangenem Jahr müssen diese Mezzanine-Darlehen mit dem Auslaufen der jeweiligen Transaktion zurückgeführt werden. Zur Refinanzierungsthematik hat FINANCE bereits 2010 eine Studie aufgelegt, die Sie hier bestellen können: https://www.finance-magazin.de/research/studien/

 

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Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.

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