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Mittelstandsanleihen: Frühjahrsbelebung bleibt aus

Wohnimmobilien von Grand City Properties in Essen: Die große Anleiheaufstockung des Immobilieninvestors war nahezu der einzige Deal am Markt für Mittelstandsanleihen im April.
Grand City Properties

Die überraschend hohe Zahl an Ausfällen im Minibondmarkt hemmt das Neugeschäft: Die übliche Frühjahrsbelebung beim Emissionsgeschäft mit neuen Mittelstandsanleihen ist ausgeblieben. Nach einer Auswertung des Corporate-Finance-Hauses Youmex, die in der FINANCE-Datenbank zum kostenlosen Download zur Verfügung steht, gab es im April nur eine echte Neuemission einer Mittelstandsanleihe: das 10 Millionen Euro umfassende Papier der Beteiligungsgesellschaft DEWB (Kupon: 6 Prozent, Laufzeit: fünf Jahre).

Übertüncht wurde die trübe Marktentwicklung von der Immobiliengesellschaft Grand City Properties, die ihre Mittelstandsanleihe um 150 Millionen Euro aufstockte. Mit einem Nennwert von 350 Millionen Euro stellt Grand City Properties damit nun eine der größten und liquidesten Anleihen im Entry Standard der Börse Frankfurt, wo inzwischen fast die Hälfte aller ausstehenden Mittelstandsanleihen gelistet ist. Ein Mini-Bond im klassischen Sinne ist das Papier mit diesem Volumen aber nicht mehr.

Im März war mehr los

Trotz dieses großen Deals lag das kumulierte Emissionsvolumen im April 2014 mit 140 Millionen Euro um mehr als 110 Millionen Euro unter dem im April 2013 verzeichneten Emissionsvolumen. Gegenüber dem März ist das Geschäft damit sogar abgeflaut. Im März gab es zwei neue Mittelstandsanleihen (Adler Real Estate und Gewa) sowie vier Aufstockungen (Helma Eigenbau, Rickmers, More & More, Paragon). Diese Deals brachten zusammen ein Emissionsvolumen von rund 120 Millionen Euro auf die Waage.

Die Marktteilnehmer blicken nun mit Spannung auf die Monate Mai bis Juli, die traditionell die meisten Neuemissionen bringen. Sollte das Geschäft in den nächsten Wochen nicht anziehen, droht dem Markt für Mittelstandsanleihen ein deutlicher Rückgang des Neuemissionsvolumens gegenüber dem Vorjahr, in dem Bonds im Wert von rund 1,8 Milliarden Euro platziert worden sind.

Ratingqualität der Mittelstandsanleihen nimmt ab

Ein tieferer Blick in die Marktstruktur zeigt, wie zurückhaltend die Investoren geworden sind und wie schwer es zurzeit ist, neue Emissionen an den Mann zu bringen. Von den dreizehn Unternehmen, die 2014 bislang Mittelstandsanleihen platzierten, kamen neun mit einer Folgeanleihe beziehungsweise einer Aufstockung an den Markt. Dies zeigt, dass es neben der Vielzahl an kriselnden Emittenten auch eine Reihe von Unternehmen gibt, die mit ihrem Track Record und ihrer Debt Story die Investoren bislang zu überzeugen wissen.

Dass das Marktumfeld für neue Emittenten rau geworden ist, zeigt auch die wichtiger werdende Rolle der Emissionsberater: Keine einzige der 2014 ausgegebenen Mittelstandsanleihen wurde laut der Youmex-Daten ohne Hilfe eines Emissionsberaters platziert. In den vergangenen Jahren war es hingegen nicht unüblich, dass Emittenten auf die Hilfe von Intermediären verzichteten. 2011 war dies bei 44 Prozent aller Emissionen der Fall. 2012 und 2013 ging dieser Anteil auf 16 beziehungsweise 5 Prozent zurück.

Ein weiteres Indiz für die schwierige Marktlage: Auch die Ratingqualität nimmt weiter ab. Auf Grund neuer Emissionen mit Junk-Ratings und nach zahlreichen Ratingabstufungen gehören laut Youmex inzwischen 48 Prozent der Mittelstandsanleihen nicht (mehr) dem Investmentgrade an. 25 Prozent verfügen über kein Rating, lediglich bei 27 Prozent liegt die Bonität noch innerhalb des Investmentgrades.

Strenesse-Pleite drückt auf die Stimmung

Interessanter scheint für viele potentielle Mini-Bond-Emittenten momentan der Schuldschein zu sein. Allein im April konnten laut Youmex zwei Mittelständler neue Schuldscheindarlehen begeben. Die Deutsche Reihenhaus AG nahm 20 Millionen Euro auf, der Autozulieferer Progress-Werk Oberkirch (PWO) 60 Millionen.

Laut FINANCE-Informationen drängen aktuell viele Emittenten, die über eine ausreichende Bonität verfügen, in den Schuldscheinmarkt, anstatt eine Mittelstandsanleihe auszugeben. Wohl nur ein reges Neuemissionsgeschäft in den nächsten Wochen sowie das Ausbleiben neuer Hiobsbotschaften könnten diesen Trend kurzfristig drehen.

Doch auch bei der Stimmung brachte der April keine Wende. Der Antrag auf Eigenverwaltung wegen drohender Zahlungsunfähigkeit des Modehauses Strenesse verunsicherte die Investoren. Schließlich hatte Strenesse erst im Februar unter heftigem Gegenwind seinen Gläubigern eine Laufzeitverlängerung der 12 Millionen Euro schweren Mittelstandsanleihe abgerungen. Es war die inzwischen 16. Pleite am Markt für Mittelstandsanleihen.

Info

Das vollständige Research-Papier „Bond Market Review“ können registrierte Nutzer von „Mein FINANCE“ in unserer FINANCE-Datenbank kostenlos herunterladen. Alles Wissenswerte über die Entwicklung des Marktsegments finden Sie auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen. Eine ausführliche Analyse der aktuellen Situation lesen Sie in der Titelgeschichte der Februar-Ausgabe von FINANCE.

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