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Moody’s stuft Prime 2006 herab

Die LBBW in Stuttgart hat für das Programm Prime-Mezzanine eine Koalition mit HSH Nordbank und Haspa gegründet.
LBBW

Die Welle der Herabstufungen ebbt nicht ab. Jetzt hat es auch das Prime-Mezzanine 2006-1 erwischt. Nach Preps 2005-2 (HypoVereinsbank, Capital Efficiency Group), Stage-Mezzanine 2006 (WestLB) und CB Mezzcap 2006 (Commerzbank) kassierte das Mezzanine-Vehikel der LBBW, das die Landesbank gemeinsam mit HSH Nordbank und Hamburger Sparkasse (Haspa) aufgelegt hat, ein Downgrade. Papiere über 9 Millionen Euro, die in den Jahren 2013/15 zur Rückzahlung fällig sind, wurden auf Caa3 – also in den hochspekulativen Bereich – herabgestuft. 

Der Grund für die Ratingaktion lag in einer schlechteren Kreditqualität des verbrieften Genussrechtspools. Zusätzliche Zahlungsstörungen über 15 Millionen Euro seit der letzten Ratingaktion im November 2010 führten zu der Herabstufung. Inzwischen befinden sich  54,5 Millionen Euro im sogenannten Principal Defficiency Leger (PDL). Dies bedeutet, das Zinszahlungen, die eigentlich dem Equity-Piece zugute kommen würden, so lange ausgesetzt sind, bis der Verlust kompensiert ist. 8,5 Millionen Euro haben Schuldner nach Angaben von Moody’s bereits vorzeitig und ohne Verluste zurückgezahlt. Die gewichtete durchschnittliche Krediteinstufung ist laut Moody’s von B2 auf B3 gefallen.

Zinszahlungen können gestundet werden

Bisher ist erst eine Insolvenz aus dem Programm öffentlich geworden: Mit dem Automobilzulieferer emQtec fiel bereits Anfang April 2010 ein Augsburger Unternehmen aus. Nach Angaben von emQtec hatten Banken „letztlich eine Prolongation bestehender Kreditlinien verweigert bzw. an Bedingungen geknüpft, die die Gesellschaft nicht erfüllen kann“.

Das größte Problem der Transaktion ist das wenig granulare Portfolio. Die Hälfte des ausstehenden Portfolios verteilt sich inzwischen auf vier einzelne Gläubiger. Fällt einer dieser Unternehmen aus, wäre es ein herber Schlag für die Investoren. Zudem schätzt Moody’s das Risiko der Ablösung oder Refinanzierung der nachrangigen Instrumente als besonders hoch ein. Es bleibt also bis August 2013 spannend, wenn die Portfoliogesellschaften ihre Genussrechte zurückzahlen müssen.

Genussrechte wurden 2006 verbrieft

Im Jahr 2006 wurde das Mezzanine-Programm der Süd-Nord Koalition LBBW, HSH und Haspa verbrieft. Es umfasste ursprünglich Genussrechte in Höhe von 196,5 Millionen Euro. 29 mittelständische Unternehmen, unter ihnen die Oettinger Brauerei und Max Aicher Recycling, waren daran beteiligt. Die Unternehmen haben bis zu 15 Millionen Euro Nachrangkapital aufgenommen. Sie zahlen zwischen 5,5 und 7,5 Prozent Fixkupon und – abhängig vom Jahresüberschuss – noch 1,5 Prozent variable Zinsen. In den letzten eineinhalb Jahren vor der Verbriefung hatten die drei Partner den Unternehmen schon Zwischenfinanzierungen über die Bankbilanzen zur Verfügung gestellt („Warehouse“). Diese werden nun durch das Verbriefungsvehikel Prime 2006-1 abgelöst.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.