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MS Deutschland wechselt in vorläufiges Insolvenzverfahren

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MS Deutschland/Reederei Peter Deilmann

Das Amtsgericht Eutin hat das vorläufige Insolvenzverfahren über die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft angeordnet. Der Rechtsanwalt Reinhold Schmid-Sperber vom Kieler Standort der Hamburger Anwaltskanzlei Reimer Rechtsanwälte wurde zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Ursprünglich hatte das Unternehmen eine Insolvenz in Eigenverwaltung angestrebt, wie es im Zuge des Insolvenzantrags in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte.

Nun jedoch habe der neu an Bord gekommene Interims-Chef und Restrukturierungsexperte Frank Wolfram Günther beantragt, die Eigenverwaltung zu beenden, wie das „Traumschiff“-Unternehmen heute mitteilte. „Dadurch wird der Komplexität des Verfahrens Rechnung getragen – im Interesse der Gläubiger“, begründet der vorläufige Insolvenzverwalter Schmid-Sperber diesen Schritt. Das Verfahren werde für die Gläubiger transparenter, und Entscheidungen könnten schneller getroffen und umgesetzt werden als zuvor. Günther war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Trotz des Wechsels des Insolvenzverfahrens will MS Deutschland an den bisherigen Sanierungszielen festhalten. Die anstehenden Reisen sollen „bis auf weiteres“, wie es heißt, wie geplant durchgeführt werden. Darüber hinaus strebt das Unternehmen die Fortführung des Geschäfts an und will ein neues Finanzierungskonzept erarbeiten, das als Kernelement einen Forderungsverzicht der Anleihegläubiger beinhaltet. Alternativ soll ein Käufer für das sogenannte „Traumschiff“ und das Unternehmen gesucht werden. Günther wird weiterhin Geschäftsführer bleiben.

Zweite Gläubigerversammlung der MS Deutschland am 12. November

Erst vor einigen Tagen, als bekannt geworden war, dass die MS Deutschland pleite ist, hatte der PE-Investor und Mehrheitsgesellschafter Callista den Sanierer Frank Günther, Managing Director der Beratungsgesellschaft One Square Advisors, als Geschäftsführer bestellt. Als Grund für die Insolvenz der MS Deutschland wurden nicht vorhandene, mittelfristig aber notwendige Finanzierungszusagen angeführt.

Ob sich die Inhaber der Mittelstandsanleihe von MS Deutschland; wie vom Unternehmen und den Gesellschaftern gewünscht; tatsächlich an der Sanierung des Unternehmens beteiligen, ist ungewiss. Schließlich sind ihre Forderungen– anders als bei den meisten anderen Mittelstandsanleihen – besichert. Die Anleihegläubiger könnten das Schiff MS Deutschland, das ein früheres Gutachten mit 60 Millionen Euro bewertet hat, als Sicherheit verwerten.

Die erste Gläubigerversammlung vor wenigen Wochen war noch nicht beschlussfähig. Bei der zweiten Gläubigerversammlung am 12. November will MS Deutschland nun voraussichtlich die geplanten Sanierungsschritte erläutern. Der Kurs der Mittelstandsanleihe notiert im Moment bei 22 Prozent.

Der PE-Investor Calista, der im Januar dieses Jahres die Mehrheit der MS Deutschland Holding im Rahmen eines Secondary Buyout von Aurelius übernommen hatte, will sich an der finanziellen Sanierung des Traumschiffs beteiligen, wenn sich die Gläubiger ihrerseits auch daran beteiligen. „Wir und unsere Investoren sind bereit, das Unternehmen weiter zu finanzieren, wenn die Voraussetzungen auch auf der Bilanzseite stimmen“, sagte MS Deutschland-Eigner Olaf Meier kürzlich in einem Interview mit FINANCE-TV.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

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Lesen Sie alles weitere zum Überlebenskampf der MS Deutschland auf unserer Themenseite.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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