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Neue IVG-Strategie kann den Markt nicht überzeugen

Die IVG-Gläubiger müssen bei der neuen Finanzierungsstrategie Zugeständnisse machen.
Christian Gahl für IVG

Die neue Finanzierungsstrategie der IVG Immobilien hat die Marktteilnehmer nicht im gewünschten Maße beruhigt. Der Aktienkurs brach heute zum Handelsstart erneut um 20 Prozent ein, das Papier wird gerade noch mit rund 30 Cent bewertet. Die Wandelanleihe, die 2014 refinanziert werden muss, gab weiter nach und liegt momentan bei 53.

Denn was der Immobilienkonzern nach eingehender Analyse jetzt veröffentlicht hat, ist erschreckend: Die IVG müsse ihre bestehenden Verbindlichkeiten um bis zu 1,35 Milliarden Euro sowie um weitere 400 Millionen Euro in Form einer Hybridanleihe reduzieren, um den Verschuldungs- und Zinsdeckungsgrad auf ein marktübliches Niveau zu bringen und „wieder nachhaltig kapitalmarktfähig zu werden“, teilte das Unternehmen mit. Weitere Hiobsbotschaften könnten bald folgen. Sämtliche Geschäftsbereiche werden derzeit geprüft. „In diesem Zusammenhang sind weitere Wertanpassungen bestimmter Bilanzpositionen in
noch nicht bestimmter Höhe wahrscheinlich“, lautet der Unheil verheißende Kommentar des Unternehmens.

Harter Einschnitt für IVG-Investoren

Die IVG-Investoren sollen sich an der Restrukturierung über einen Debt-Equity-Swap beteiligen. Der aktuelle Refinanzierungsplan sieht für die Kreditgeber eine Sachkapitalerhöhung gegen Einlage von Bankkrediten (SynLoan I) sowie Wandel- und Hybridanleihen entsprechend dem Rang der jeweiligen Kreditgeber in der Kapitalstruktur vor. Genauere Details nannte die IVG nicht, klar ist jedoch: Für Aktionäre wird dies eine extreme Verwässerung zur Folge haben. Die Bonner Solarworld, die gerade vor einem ähnlichen Schnitt steht, will den Wert der Aktien um 95 Prozent herabsetzen. Der Konzern hatte bereits vor einigen Wochen eingeräumt, dass Banken Kredite verkaufen und Aktionären mit Einschnitten rechnen müssen.

Zur Vorbereitung der Umstrukturierung soll es zunächst eine Restrukturierung der Wandelanleihe nach englischem Recht geben, wofür eine Zustimmungsquote von 75 Prozent erforderlich ist, sowie eine Restrukturierung der Hybridanleihe. Seine Hauptversammlung hat der Konzern auf den 30. August verschoben, bis dahin soll eine Lösung mit den Kreditgebern gefunden sein. Erst vor wenigen Tagen hatte Restrukturierer Hans-Joachim Ziems bei der IVG angeheuert, um die Sanierung voranzutreiben. Der Markt scheint nicht mehr so recht an eine Wende zum Guten zu glauben, viele Marktteilnehmer sehen die IVG am Rande des Kollaps. Der Immobilienkonzern, der schon während der Finanzkrise bedrohlich wankte, könnte nun endgültig fallen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Info

Verfolgen Sie die Verhandlungen mit aktuellen Updates auf der Themenseite zu IVG Immobilien.

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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