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Neuer Lufthansa-CFO macht Strecke

Mit Anleihen im Volumen von einer Milliarde Euro landet Lufthansa-CFO Remco Steenbergen seinen ersten Coup am Kapitalmarkt.
Lufthansa

Die langsame Rückkehr zum regulären Flugbetrieb, die geplante Rückzahlung der Staatshilfen und die Unwägbarkeiten der Delta-Variante des Coronavirus, die sich weltweit auf dem Vormarsch befindet: Es ist eine ordentliche Schlechtwetterfront, durch die der neue Lufthansa-CFORemco Steenbergen fliegen muss. Doch trotz der schlechten Sicht macht der erst seit Jahresbeginn amtierende Finanzchef aktuell dennoch Strecke und sichert der gebeutelten Lufthansa eine weitere Milliarde Euro frisches Investorengeld.

Dafür hat Steenbergen erneut den Kapitalmarkt angezapft und zwei Anleihen über je 500 Millionen Euro aufgelegt. Für die erste Tranche mit einer Laufzeit bis 2024 bekommen die Investoren 2 Prozent Zinsen, die zweite läuft bis 2029 und wird mit 3,5 Prozent verzinst. Damit fährt die Airline deutlich günstiger, als wenn sie weitere Mittel aus den bewilligten Hilfskrediten des Bundes ziehen würde. Den Großteil der Staatshilfen in Höhe von 6,8 Milliarden Euro hat die Lufthansa bisher nicht beansprucht. Für diese Gelder wäre ein Staffelzins von 4 bis 9,5 Prozent fällig. Da kommt die Airline am Kapitalmarkt deutlich günstiger weg.

Lufthansa will Staatshilfen bald zurückzahlen

Mit der neuen Milliardenemission dürften die Fremdkapitalmanöver der Airline zunächst einmal beendet sein. Nun rückt die im Raum stehende große Kapitalerhöhung ins Blickfeld. Mit deren Hilfe könnte Konzernchef Carsten Spohr sein Ziel erreichen, noch vor der Bundestagswahl Ende September die Staatshilfen zurückzuzahlen.

Aktuell steht in der Lufthansa-Bilanz eine stille Einlage des Bunds, die ein Volumen von 1 Milliarde Euro erreicht. Für 300 Millionen Euro hatte der Bund auch Aktien gezeichnet und hält damit aktuell rund 20 Prozent des Lufthansa-Kapitals. Da die Lufthansa nur eine Eigenkapitalquote von 5 Prozent hat, ließen sich die Eigenkapitalinstrumente des Bunds wohl eher nicht über neues Fremdkapital refinanzieren. Dies diente bislang auch nur der Tilgung eines KfW-Darlehens über 1 Milliarde Euro.

„Operation Blanche“ bei Kapitalerhöhung

Dank der teilweisen Wiederaufnahme des Flugbetriebs zeigen auf operativer Ebene nun auch die Restrukturierungsmaßen erste Wirkung. So ist es der Airline im ersten Quartal gelungen, im Vergleich zu Q4 2020 den Abfluss liquider Mittel zu halbieren und die Fixkosten um 35 Prozent zu senken. Mit dem schrittweisen Wiederhochfahren der Flugverbindungen dürfte sich der Cash Burn weiter verringern – sofern der Vormarsch der Delta-Variante diese Pläne nicht durchkreuzt. Die zusätzliche Liquidität aus den beiden neuen Anleihen verschafft der Lufthansa an dieser Stelle jedoch einen finanziellen Sicherheitspuffer.

Bei der Kapitalerhöhung, mit der Unternehmenskenner Anfang September rechnen, ist noch offen, wie sich der Bund verhalten wird. Im Raum steht eine „Operation blanche“: Wählt der Bund diesen Weg, würde der Bund einen Teil seiner Bezugsrechte verkaufen und den Erlös in die Zeichnung neuer Aktien reinvestieren. So würde der Anteil des Bundes zwar leicht verwässert werden, Berlin müsste aber kein weiteres Kapital in die Lufthansa pumpen.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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thomas.holzamer@finance-magazin.de | + posts

Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.