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Nicht-Banken verlängern ihren Schatten

Ein Trend, lange Zeit von Experten vorhergesagt, nimmt endlich Gestalt an: Schattenbanken spielen eine wachsende Rolle auf den europäischen Kreditmärkten. „Der Markt ist gereift“, sagt Mark Hoffmann, Geschäftsführer bei Robus Capital, einer Investmentfirma. „Für Finanzchefs gibt es jetzt eine reiche Auswahl an Finanzierungsinstrumente von Nicht-Banken, einschließlich Anleihen, Privatplatzierungen und syndizierte Kredite.“ Die Banken, behindert durch regulatorische Unsicherheit und nervöse Refinanzierungsmärkte, kämpfen damit, die Realwirtschaft mit Kredit zu versorgen. Somit stehen jetzt andere Marktteilnehmer bereit, die entstehende Kreditlücke zu füllen.

Zwar gibt es Appetit unter den Investoren. Doch sagt Hoffmann, dass der neue Markt weitgehend nachfrageorientiert ist. „Wir erhalten viele unaufgeforderte Anfragen von Unternehmen, die auf der Suche nach neuen Finanzierungsquellen sind.“ Sein Unternehmen kauft auch Kredite von Banken, die deleveragen wollen und daher ihre risikogewichteten Aktiva wie zum Beispiel Unternehmensanleihen verkaufen wollen.

In ganz Europa

Der Trend ist in ganz Europa zu beobachten. In Deutschland ist eine Welle von Anleiheemissionen mit einem Volumen von weniger als 10 Millionen Euro der stärkste Hinweis darauf, dass die Abkehr von Banken seismische Ausmaße angenommen hat. Kürzlich gelang einem namhaften Familienunternehmen eine Privatplatzierung mit US-Investoren im Wert von mehreren hundert Millionen Dollar zu einem Zinssatz von etwa 4%, wir aus informierten Kreisen zu hören ist.

Das Vereinigte Königreich hat ebenfalls einen Aufschwung der Schattenbanken gesehen. In Londons Finanzviertel entstehen Boutique-Firmen, die Geld auch an diejenigen KMUs vermitteln, die aus dem regulären Bankgeschäft inzwischen ausgeschlossen sind. Das Interesse an alternativen Finanzierungen reicht sogar bis weit in die höheren Schichten der britischen Geschäftswelt hinaus. Im Rahmen einer Privatplatzierung verkaufte gestern der auf London spezialisierte Immobilienentwickler Great Portland Estates (GPE) 200 Millionen Dollar Schulden an US-Investoren. Wie CFO Nick Sanderson erklärt, sei die gute Nachfrage unter Investoren unter anderem den starken Beziehungen zu verdanken, die sich seit dem ersten US Private Placement vor einem Jahr gebildet haben.

Auch französische Investoren sehen wachsendes Marktpotential. Cécile Mayer-Levi, Geschäftsführerin bei AXA Private Equity Mezzanine, sagte zu Beginn des Jahres: „In diesem harten Umfeld sind Unitranche-Finanzierungen [eine Kombination aus vorrangigen und nachrangigen Verbindlichkeiten zu einem wichtigen Baustein in der Finanzierung künftiger Investitionen geworden. Angesichts knapper Krediten und zurückhaltender Banken erwarten wir, dass ihre Popularität sich weiter erhöhen wird.“

Vorsicht ist geboten
    
Allerdings sollten CFOs vorsichtig sein, wenn sie sich neue Finanzierungspartner ins Boot holen. Viele Modelle sind noch nicht ausreichend getestet; ein Mangel an Erfahrung auf beiden Seiten kann später starke Kopfschmerzen verursachen. Monika Haase, Finanzvorstand des deutschen Lastwagenherstellers Deutz, sagte gegenüber FINANCE im vergangenen Jahr, dass sich das Unternehmen im Nachhinein nicht mehr für ein US Privat Placement entscheiden würde. Die Platzierung kurz vor dem Beginn der Krise brachte das Unternehmen an den Rand des Bankrotts, als die US-Investoren sich mit einem Covenant-Waiver unzufrieden zeigten, weil sie „das Geschäftsmodell nicht verstanden“.

Aus diesem Grund ist es GPE-Finanzchef Sanderson wichtig, darauf hinzuweisen, dass die an der Privatplatzierung teilnehmenden US-Investoren mit Immobilien-Investments sehr vertraut sind. „Bei uns investieren viele US-REITs (börsennotierte Investment-Vehikel für Immobilien), und sie kennen den Londoner Markt." Er fügt hinzu, dass die Sorgen der Investoren hinsichtlich der Eurozone keinen negativen Einfluss auf die Platzierung hatte, da der Londoner Immobilienmarkt als sicherer Hafen wahrgenommen werde.

steven.arons[at]finance-magazin.de