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Projektfinanzierung: CFOs drohen steigende Kosten

Für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten sieht es düster aus. Die neue AIFM-Richtlinie könnte die Emission von Projektanleihen komplizierter machen.
Thinkstock / Getty Images

Unternehmen, die Infrastrukturprojekte finanzieren müssen, haben es derzeit schwer. Der Markt für Projektfinanzierungen ist durch Basel III und die zurückhaltende Kreditvergabe von Banken weitgehend zum Erliegen gekommen. Viele Institute sehen den Bereich nicht mehr als Kerngeschäft an und bauen ab, so schnell es geht. Einige Unternehmen versuchen deshalb mit Projektanleihen Geld von Investoren zu akquirieren. Doch auch das könnte nun schwieriger werden, denn die Richtlinie zur Verwaltung alternativer Investmentfonds (AIFM) droht auch CFOs in Unternehmen zu treffen.

„Das neue Gesetz erhöht die Anforderungen an die Strukturierung von Projektanleihen“, sagte Gregor Evenkamp, Partner bei Clifford Chance beim gestrigen Kapitalmarkttag der Wirtschaftskanzlei in Frankfurt. Für CFOs bedeuten diese höhere Komplexität und der gestiegene Beratungsbedarf vor allem eins: Die Kosten für die Projektfinanzierung könnten weiter steigen.

Die AIFM-Richtlinie der EU, die am 22. Juli in Kraft treten wird, regelt die Verwaltung und den Vertrieb alternativer Investmentfonds neu. Die Richtlinie soll insbesondere (private) Anleger besser informieren und schützen. Viele hatten vor der Finanzkrise geschlossene Fonds gekauft, ohne die Risiken zu kennen und verloren so in der Krise viel Geld.

Projektanleihen könnten in den Anwendungsbereich fallen

„Der deutsche Gesetzgeber hat diese Richtlinie jedoch zum Anlass genommen, das gesamte deutsche Investmentrecht neu zu fassen“, erklärt Evenkamp. Offene und geschlossene Investmentvermögen werden nun unter dem Dach des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) geregelt. Der Bundesrat hat das entsprechende AIFM-Umsetzungsgesetz Ende vergangener Woche ohne Änderungen passieren lassen. Damit wird die Richtlinie in Deutschland nun fristgerecht im Juli in Kraft treten.

Projektanleihen könnten in den Anwendungsbereich des KAGB fallen, meint Clifford Chance-Rechtsanwalt Evenkamp: „Die meisten Kriterien dafür sind erfüllt.“ Bei der Projektanleihe handelt es sich um einen „Organismus für gemeinsame Anlagen“, da Anleger an Gewinn und Verlust beteiligt werden, sie sammelt Kapital von einer Vielzahl an Investoren ein und sie hat einen festgelegten Verwendungszweck. Solange das operativ tätige Unternehmen selbst – also etwa ein Windkraftanlagen- oder ein Telekommunikationsnetzbetreiber – die Projektanleihe emittiert, fällt sie nicht unter das KAGB. Ist die Emittentin jedoch eine auslagerte Finanzgesellschaft, greift das neue Gesetz. Bei dieser Konstellation sollten CFOs aufpassen, denn dann drohen die neuen Vertriebsvorschriften: ein Prospekt ist Pflicht, die Privatplatzierung verboten.

Entweder Unternehmen nehmen dies in Kauf – oder sie umgehen die Anwendung des KGAB durch Abwanderung ins Ausland oder durch andere Konstruktionen. Der Aufwand für die CFOs steigt in jedem Fall.

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

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