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Ratings bei Investitionsentscheidungen nicht überinterpretieren

(akm) Jens Schmidt-Bürgel, Deutschland-Geschäftsführer der Ratingagentur Fitch sieht nach eigener Aussage kein Problem darin, die Bedeutung von Ratings bei Investitionsentscheidungen zurückzudrängen. “Wir begrüßen die Bemühungen, Ratings in der Regulierung einen weniger bedeutenden Stellenwert einzuräumen”, sagte Schmidt-Bürgel laut Nachrichtenagentur Reuters. So könnten bestimmte institutionelle Investoren von der Verpflichtung befreit werden, einen Schuldtitel zu verkaufen, sobald dessen Rating unter einen bestimmten Schwellenwert fällt. “Dadurch würden Zwangsverkäufe reduziert und somit auch deren negative Auswirkungen auf die Anleihemärkte”, sagte Schmidt-Bürgel.

Er wehrte sich jedoch gegen Kritik am Verhalten der Ratingagenturen in der Euro-Krise. “Das Letzte, was wir wollen, ist, Brandbeschleuniger der Schuldenkrise zu sein. Wir können uns aber nicht aus Staatsräson vor einem notwendigen Ratingurteil verschließen”, sagte er. Das Problem sei ein anderes: “Vor der Krise haben die Märkte unsere Ratings wenig beachtet. Nun überinterpretieren die Märkte sie.” Den diskutierten Aufbau einer staatlichen Ratingagentur sieht er kritisch. Neben einer fehlenden Unabhängigkeit sieht er ein weiteres Problem: “Eine staatliche Agentur könnte eher schlechtere Ratings vergeben, um am Markt Vertrauen zu gewinnen.”

 

Quellen: Reuters, FINANCE