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S.A.G. Solarstrom: Mittelstandsanleihen im Sinkflug

Die Zentrale von S.A.G. in Freiburg: Die Kurse der beiden Mittelstandsanleihen sind rasant gefallen.
S.A.G. Solarstrom

S.A.G. Solarstrom ist nun auch von der Krise der Solarbranche eingeholt worden. Die Kurse der beiden Mittelstandsanleihen des Freiburger Solarprojektierers befinden sich im freien Fall. S.A.G. ist mit zwei Emissionen aus den Jahren 2010 und 2011 am Mini-Bondmarkt vertreten. Sie haben insgesamt ein Volumen von 41,9 Millionen Euro. Der 2011er Bond notiert momentan bei einem Kurs von 28, der 2010er Bond bei 25. „Ein Grund für den Absturz ist neben den mäßigen Geschäftsergebnissen sicher die mehr als unglückliche Informationspolitik des Unternehmens“, sagt Klaus Nieding von der Rechstanwaltskanzlei Nieding + Barth in einer Pressemitteilung. Die Anleger seien verunsichert.

Während sich S.A.G. Anfang November „trotz allgemeinem Markteinbruch auf Kurs“ sah, kassierten die Freiburger Ende November ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2013 wieder und korrigierten kräftig nach unten. Laut Mitteilung geht das Solarunternehmen inzwischen von einem „negativen operativen Ergebnis (Ebit)" aus. Zuvor war das Management noch von einem positiven Ergebnis ausgegangen. Doch der Markteinbruch in Europa von mehr als 50 Prozent, wie S.A.G. bereits im November in einer Pressemitteilung schrieb, fiel offenbar noch stärker ins Gewicht als gedacht. Das Installationsvolumen könne nicht durch andere Projekte ausgeglichen werden, hieß es im November. Creditreform setzte deswegen noch am vergangenen Freitag das Rating aus. Es lag zuvor bei BB+, also knapp unterhalb des Investmentgrade.

Anlagenbau auf dem Prüfstand

Zudem meldete das Unternehmen Ende vergangener Woche, den Geschäftsbereich Anlagenbau auf den Prüfstand stellen zu wollen. Als Auslöser gab S.A.G. gescheiterte Verhandlungen mit einem namentlich nicht genannten international tätigen Energieunternehmen über Großprojekte für 2013 und 2014 an.

Ein Hindernis waren laut des Projektierers Vertragserfüllungsbürgschaften. Sie würden das Geschäft zunehmend unrentabler machen. Denn diese Bürgschaften sind laut S.A.G. vor Projektbeginn in Höhe von bis zu 20 Prozent des Projektvolumens und nach Projektabschluss von bis zu 10 Prozent zu leisten. Diese Kapitalbindung stehe vor dem Hintergrund der ohnehin bestehenden Risiken bei Großprojekten in „keinem angemessenen Verhältnis mehr zur erzielbaren Marge“, hieß es bei dem Solarunternehmen.

Mit der angekündigten möglichen Abkehr vom Anlagenbau will S.A.G. offenbar Fehler der Vergangenheit vermeiden. 2007 war das Solarunternehmen bereits schon einmal in die Verlustzone gerutscht. Zu dem Zeitpunkt brachte eine vom heutigen CEO Karl Kuhlmann und dem damals neu zum Unternehmen gestoßenen CFO Christoph Koch mitgetragene Konzentration auf das Kerngeschäft S.A.G. wieder auf Kurs. Insbesondere auf Großprojekte, die „keinen oder nur einen geringen eigenen Wertschöpfungsanteil“ haben, verzichteten die Freiburger damals, wie in einer Mitteilung vom Sommer 2008 zu lesen ist. Die derzeitige Krise der Solarindustrie konnte das Unternehmen bislang gut umschiffen. Doch der Kursverfall der beiden Mittelstandsanleihen zeigt, dass S.A.G. mittlerweile am Scheideweg steht. Die kommenden Wochen werden über die Zukunftsfähigkeit von S.A.G. entscheiden.

anne-kathrin.meves[at]finance-magazin.de