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Skeptische CFOs: Crowdfunding hat es schwer

Crowdfunding hat es immer noch schwer - gerade in Deutschland.
iStock / Thinkstock / Getty Images

Der Hype um die Crowd, auch Schwarmfinanzierung genannt, scheint vorläufig beendet: Zunächst noch als veritable Bankenalternative für neue Produkte gefeiert, kommt das Crowdfunding bei größeren Projekten an seine Grenzen. So auch das Linux Smartphone Ubuntu Edge, das durch eine Crowdfunding-Kampagne auf der in Kalifornien registrierten Plattform Indiego finanziert werden sollte.

Das selbstgesteckte Ziel 33 Millionen US-Dollar für die Entwicklung des Smartphones einzusammeln konnte Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth jedoch nicht erreichen. Innerhalb eines Monats wurden zwar etwa 13 Millionen US-Dollar und damit mehr als bei allen anderen bisherigen Crowdfunding-Projekten eingesammelt, die Zielmarke verfehlte Shuttleworth aber deutlich.

Crowdprojekt Ubuntu Edge: Falsche Strategie

So überraschend dies trotz vermeintlichen Rekords klingen mag: Am Ende scheiterte das Crowdfunding-Projekt an mangelndem Interesse und fehlender Verkaufsaktivität. Zwar versprach Shuttleworth vollmundig, das Ubuntu Edge werde zur „Formel 1“ der Smartphones gehören, mit Notebook-Leistung, extremer Display-Kratzfestigkeit, und drei Betriebssystemen. Doch beeindrucken ließen sich die potenziellen Kunden offenbar nicht, wie eine Analyse der Zahlen zeigt: So gingen innerhalb eines Monats nur Bestellungen über 14.738 Geräte ein. Und die Zahl der Großkunden konnte an einer Hand mit vier Fingern abgezählt werden. Für das Sonderangebot von 100 Ubuntu-Smartphones für 80.000 US-Dollar meldete sich nur ein Interessent – der Nachrichten- und Informationsdienstleister Bloomberg. Auch die Sonderofferte von 10 Smartphones für 7.000 US-Dollar konnte mit drei Interessenten nicht wirklich als Erfolg gelten.

Bemerkenswert war auch, dass sich der Enthusiasmus für das neue Smartphone sehr schnell verflüchtigte. Tatsächlich gingen mehr als 50 Prozent der Aufträge in den ersten drei Tagen ein, als die Smartphones noch für 600 bzw. 625 US-Dollar verfügbar waren. Die Nachfrage brach in den Folgetagen ein, als das Smartphone zum Normalpreis von 820 US-Dollar angeboten wurde. Vielen war das neue Linux-Smartphone schlicht zu teuer. Am Ende scheiterte die Crowdfunding-Kampagne und damit die Finanzierung des neuen Smartphones also möglicherweise an einer falschen Preisstrategie und am mangelnden Interesse der Zielgruppe.

Deutsche Regulierungswut

Trotz mancher Misserfolge erfreut sich die Projektfinanzierung über die Crowd auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Doch gerade hier sind es insbesondere Business Start-Ups und der Kreativbereich, die auf einer der Crowdfunding-Plattformen Geld einsammeln. So zum Beispiel der Biotech-Investor Wolfgang Klein, der 60 Millionen Euro für die Entwicklung eines Medikaments gegen die Augenkrankheit AMD einsammeln möchte. Größere Unternehmen hingegen haben sich zumindest bislang noch nicht auf die Schwarmfinanzierung eingelassen. Offenbar herrscht hier noch große Skepsis vor, selbst wenn Crowdfunding-Insider auch reiferen Unternehmen die Bankenalternative nahelegen. Mittelfristig wird Crowdfunding klassische Finanzierungsinstrumente damit nicht ersetzen. Gerade im strukturkonservativen, eher wenig experimentierfreudigen Deutschland steht die Regulierungswut dem weiteren Ausbau des Crowdfundings im Wege. Womöglich fehlt als Eisbrecher auch nur der zündende Anfangserfolg.

timur.cetin[at]finance-magazin.de

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