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Solarworld: Rettungsplan nur rudimentär

Gründer Frank Asbeck will Gläubiger zur Kasse bitten.
Solarworld

Solarworld sieht sich zu gravierenden Schritten gezwungen, um die Krise zu überwinden: So sollen sowohl die Gläubiger als auch die Eigentümer tief in die Tasche greifen. Die Aktionäre sollen einer Kapitalherabsetzung von rund 95 Prozent zustimmen, womit sie beinahe ihren kompletten Besitz verlieren. Allerdings notiert der Aktienkurs des existenzbedrohten Solarunternehmens ohnehin nur noch bei rund 70 Cent. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung, über die noch in einer außerordentlichen Hauptversammlung abgestimmt werden soll, könnte dann ein Debt-Equity-Swap stattfinden: Schulden werden zum Teil in Anteile getauscht.

Teil des Plans ist, die langfristigen Verbindlichkeiten um rund 60 Prozent zu reduzieren. Mit einer Mehrheit der  Schuldscheingläubiger, zu denen nach FINANCE-Informationen maßgeblich der PE-Investor Strategic Value Partners (SVP) zählt, soll jetzt eine Einigung erzielt worden sein, meldete Solarworld heute per Adhoc.

Im nächsten Schritt dürfte auch auf die Anleihegläubiger ein Haircut zukommen: Derzeit stehen zwei Schuldverschreibungen in Höhe von insgesamt rund 550 Millionen Euro aus. Der 2017er Bond notiert bei 21 Prozent, der 2016er Bond bei rund 18 Prozent – und damit in beiden Fällen weit unter Nominalwert. Ein Termin für die Anleihegläubigerversammlung gibt es momentan aber noch nicht, erklärte eine Solarworld-Sprecherin auf Anfrage von FINANCE. Damit bleibt die finanzielle Rettung weiter ein Ritt auf Messers Schneide.

Solarworld hat noch 224 Millionen Euro in der Kasse

Die tiefgreifende Krise der deutschen Solarindustrie hat in der Bilanz des einstigen Vorzeigunternehmens tiefe Risse hinterlassen. Dem Preisdruck der Anbieter aus China konnte der frühere TecDAX-Konzern im vergangenen Jahr nicht mehr standhalten.

Vorläufigen Berechnungen zufolge stürzte der Umsatz um 42 Prozent auf 606 Millionen ab. Auch im EBIT schlägt sich die Krise verheerend nieder: Die roten Zahlen verdoppelten sich im Vergleich zum Vorjahr auf 492,4 Millionen Euro. Unter dem Strich betrug der Verlust 476,9 Millionen Euro (Vorjahr: 307,1 Millionen Euro). Die liquiden Mittel verringerten sich per 31. Dezember 2012 auf 224,1 Millionen Euro – Ende 2011 waren noch 553,3 Millionen Euro in der Kasse des Solarpioniers.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Markus Dentz ist Chefredakteur von FINANCE und der Fachzeitschrift DerTreasurer. Seine journalistischen Schwerpunktthemen sind Unternehmensfinanzierung, Restrukturierung und Treasury. Nach dem Studium und dem Volontariat beim F.A.Z.-Institut stieß Dentz zur FRANKFURT BUSINESS MEDIA GmbH, einer Tochter der F.A.Z.-Verlagsgruppe und Herausgeberin von DerTreasurer und FINANCE. Mehrfach wurden seine Artikel aus den Bereichen Private Equity und M&A mit Journalistenpreisen ausgezeichnet.