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Solvency II diskriminiert Corporate Bonds

Versicherungsaufsicht Eiopa in Frankfurt am Main
Eiopa

Für CFOs bonitätsschwacher Unternehmen könnte die Refinanzierung über die Anleihemärkte künftig deutlich schwieriger werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des französischen Think-tanks Edhec, der die Auswirkungen von Solvency II auf das Bondmanagement von Versicherungen untersuchte. Demnach dürfte die Reform des Versicherungsaufsichtsrechts in Europa, die 2014 in Kraft treten soll, zu einer Neubewertung dieser Assetklasse durch die Assekuranz führen. Der Grund dafür liegt in den neuen Solvenzkapitalanforderungen (SCR, Solvency Capital Requirement), die Anleihen mit schlechtem Rating und langen Restlaufzeiten diskriminieren. Bonitätsschwache und langlaufende Papiere sowie Anleihen ohne Rating würden künftig erheblich an Attraktivität verlieren.

Versicherer könnten Bond-Positionen deutlich senken

Nach Berechnungen von Edhec müssten Versicherer für eine mit BBB geratete Anleihe beispielsweise zweieinhalb Mal so viele Eigenmittel vorhalten als bei einem mit AAA gerateten Anleihen. Das könnte dazu führen, dass Versicherer – bislang wichtige Corporate-Bond-Investoren – ihr Engagement in dieser Assetklasse unter Solvency II kräftig zurückfahren. Ähnliches gilt auch für langlaufende Anleihen, denn die Solvenzkapitalanforderungen steigen mit der Restlaufzeit von Anleihen – und zwar unabhängig vom Rating. Mehr noch: Wegen der geringeren Nachfrage nach Langläufern könnte deshalb das Zinsniveau am langen Ende steigen. In der Konsequenz, so die Analysten von Edhec, dürften nicht nur die Anleihemärkte als Refinanzierungsquelle für Unternehmen an Bedeutung verlieren, sondern das Finanzierungsumfeld insgesamt deutlich schwieriger werden.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de