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Telefonhersteller Gigaset braucht neue Finanzierung

Telefon-Produktion bei Gigaset: CFO Alexander Blum muss sich um neue Finanzierungsquellen kümmern.
Gigaset

Um 8 Prozent ist der Aktienkurs des Telefonherstellers Gigaset nach der Bilanzvorlage eingebrochen, und selbst die übliche technische Gegenreaktion blieb bislang aus. Die Aktionäre sind nachhaltig verunsichert von dem, was Gigaset kurz vor Ostern zum vergangenen Geschäftsjahr mitzuteilen hatte. Der Umsatz der früheren Siemens-Tochter lag mit 419,6 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahr (458,6 Millionen Euro), Aufwendungen für Restrukturierung und den Aufbau neuer Geschäftsfelder drückten das EBITDA auf -5,8 Millionen Euro, nachdem Gigaset 2011 noch 51,5 Millionen Euro Gewinn verbucht hatte.

Noch beunruhigender ist der Ausblick, denn Gigaset droht das Geld auszugehen, wie das Management zugibt. Augenscheinlich muss der Konzern seine Working-Capital-Spitzen im Sommer jetzt dringend über zusätzliche Kredite abfedern, sonst droht die Liquidität knapp zu werden: „Zu einer Unterdeckung kann es in den Sommermonaten 2013 kommen“, heißt es im Geschäftsbericht. CFO Alexander Blum, der seit 2011 CFO ist, und CEO Charles Fränkl bemühen sich bereits um neue Finanzierungsquellen.

Konsortialkredit entscheidend für Finanzierung

Nach wie vor entscheidend über das Wohl und Wehe von Gigaset ist der Anfang 2012 geschlossene Konsortialkredit über 35 Millionen Euro, zudem nutzt der Konzern Factoring. Für die strategische Neuausrichtung muss jedoch weiteres Geld her. Zum Ausbau des Geschäftsbereichs „Business Customers“ und zum Aufbau der Einheit „Home Networks“ führt das Management Gespräche mit potentiellen Kapitalgebern, die frisches Geld einschießen sollen. Gigaset verspricht sich von diesen Geschäftsfeldern Einheiten ab 2014 „signifikant positive Einflüsse“ auf Umsatz, Ergebnis und Cashflow.

Doch aktuell ist die Aufrechterhaltung der bestehenden Kreditlinien laut Geschäftsbericht „für das langfristige Finanzierungskonzept entscheidend“. Und Gigaset hat den Konsortialbanken unter Führung der Deutschen Bank zuletzt schon einiges abverlangt. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte der Telefonhersteller mit den Banken, zu denen auch die Commerzbank, die BayernLB und Portigon gehören, über die Covenants diskutiert und schließlich um einen Covenant-Waiver für das 3. Quartal gebeten. Die Banken bemängelten damals die Gigaset-Berechnungslogik, die mehrere außerordentliche Einflüsse berücksichtigte. Am Ende wurden die Covenant-Waiver genehmigt.

Für das 4. Quartal 2012 standen Unternehmen und Banken vor einer ähnlichen Fragestellung – und einigten sich erneut auf einen Waiver. Vor wenigen Wochen wurde CFO Blum nun wieder bei den Banken vorstellig und beantragte einen weiteren Waiver bis zum 4. Quartal 2013. Die Banken stimmten ein weiteres Mal zu – aber unter einer wichtigen Bedingung: Gigaset müsse einen über die Konsortialkredite hinausgehenden etwaigen Finanzbedarf vollständig durch eigene Maßnahmen decken.

Suche nach neuen Wegen zur Finanzierung

Das Gigaset-Management versucht jetzt offenbar Zeit zu gewinnen, indem es intern die Cashvorräte zusammenführt. Aktuell hängt die AG als Holding an der Entwicklung der Tochtergesellschaften, insbesondere der Gigaset Communications Gruppe. Das Management plant jetzt einen Ergebnisabführungsvertrag, der das Ergebnis kurzfristig verbessern dürfte. Vor allem aber soll die AG in den Cashpool des Konzerns integriert werden und bekäme damit Zugriff auf die liquiden Mittel der Tochtergesellschaften.

Parallel dazu prüft das Management alternative Finanzierungsquellen wie Sale-and-Lease-back oder die Vorfinanzierung von Teilen des Vorratsvermögens. Offenbar stehen CFO Blum noch einige bislang ungenutzte Finanzierungsvarianten zur Verfügung. Doch er hat nicht mehr viel Zeit, diese nutzbar zu machen, bevor der Liquiditätsengpass droht. Womöglich wird es ohne zusätzliche Bankkredite nicht gehen. Dann werden die Banken entscheiden müssen, wie eng sie ihre Bedingung für die Covenant-Waiver auslegen. Vor diesem Hintergrund wundert es kaum, dass der Aktienkurs derzeit einfach keine Unterstützung findet.    

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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