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Treasurer attestieren attraktives Finanzierungsumfeld

Für Treasurer liegen die Hürden im operativen Geschäft nicht mehr in der Finanzierung, sondern im Cash- und Risikomanagement.
Thinkstock / Getty Images

Corporate Treasurer in Deutschland haben beim Einwerben von Kapital zurzeit keine großen Hürden zu überspringen. Das zeigen die Ergebnisse des zehnten FINANCE-Treasurer-Panels. Insgesamt 86 Finanzverantwortliche haben in der ersten Märzhälfte auf die Fragen der Redaktion rund um das Thema Unternehmensfinanzierung geantwortet. Für immerhin 27 Prozent der befragten Treasurer haben sich die Finanzierungsbedingungen in den vergangenen drei Monaten noch einmal verbessert, 70 Prozent berichten von einem unveränderten Umfeld. Lediglich 9 Prozent der Panelteilnehmer kamen nach eigener Aussage schwieriger an Kredite. Im langfristigen Vergleich zeigt sich recht eindrucksvoll die Entspannung an der Finanzierungsfront.

Baustelle Sepa

Heute liegen die Hürden in der Liquiditätssteuerung und im Cash Management. Eine große Baustelle ist in vielen Unternehmen nach wie vor die Umstellung des Zahlungsverkehrs auf Sepa-Formate. Obwohl die Zeit drängt – zum 1. Februar 2014 werden die bisher verwendeten nationalen Überweisungen und Lastschriften für Unternehmen eingestellt –, sind bis dato lediglich 12 Prozent der Panelteilnehmer Sepa-ready. Darüber hinaus bereitet das Risikomanagement den Treasurern immer größeres Kopfzerbrechen – vor allem die wachsende Bedeutung nichtfinanzieller Risiken, die mittlerweile einen erheblichen Einfluss auf die Gewinnsituation der Unternehmen haben, und die immer umfangreicheren regulatorischen Anforderungen. Auf die Frage nach den zurzeit größten Herausforderungen im Corporate Treasury taucht neben Sepa vor allem das Kürzel Emir in der Antwortliste auf.

Das attraktive Finanzierungsumfeld haben viele Finanzverantwortliche in den vergangenen Monaten bereits genutzt und vorzeitig refinanziert. Der Anteil derer, die in den kommenden zwölf Monaten keinen Kapital- bzw. Kreditbedarf ihres Unternehmens zu decken haben, ist mit 55 Prozent entsprechend hoch. Als Finanzierungsquelle haben die Fremdkapitalmärkte für deutsche Unternehmen zwar an Bedeutung gewonnen, sie spielen im Vergleich zum Kreditmarkt aber (noch) klar die zweite Geige. Lediglich 28 bzw. 29 Prozent der befragten Treasurer gaben an, Anleihen und Schuldscheine als Finanzierungsinstrumente zu nutzen.

Konditionental erreicht

Bei den Kreditstandards hat die große Mehrheit der Panelteilnehmer in den vergangenen zwölf Monaten keine Veränderung registriert. Lediglich ein Fünftel der Treasurer berichtet von schärferen Covenants. Der Kapitalzufluss in „Save Havens“ wie Deutschland, die Attraktivität des deutschen Mittelstands als Assetklasse und die schwache Kreditnachfrage dürfte dafür sorgen, dass das Potential der Banken, die Daumenschrauben weiter anzuziehen, begrenzt bleibt. Allerdings geht knapp die Hälfte der befragten Finanzexperten davon aus, dass die Finanzierungskosten künftig steigen werden. Die Ursache dafür wird größtenteils in regulatorischen Zwängen der Banken verortet. „Allerdings werden starke Beziehungen mit den Kernbanken auch künftig erfolgreiche und attraktive Kreditfinanzierungen unterstützen“, relativiert Paula Weisshuber, Director Corporate Debt Capital Markets Deutschland/Österreich bei der Bank of America Merrill Lynch die Befürchtungen der Treasurer.

Das Verhältnis zu den Finanzinstituten ist nach mehr als fünf Jahren (gefühlter) Dauerkrise allerdings nicht spannungsfrei, denn die Rahmenbedingungen für die Bankenbranche und damit auch für das Firmenkundengeschäft haben sich nachhaltig verschoben. Viele Institute ziehen sich auf ihren Heimatmarkt zurück und trennen sich von kapitalintensiven Geschäftsbereichen. Bei vielen Treasurern ruft das Verärgerung hervor. Immer öfter ist das Wort „Cherry Picking“ zu hören wenn es darum geht, die aktuelle Kunde-Bank-Beziehung zu beschreiben. Gut ein Drittel der befragten Panelteilnehmer registriert, dass sich Institute aus Produktfeldern zum Nachteil ihres Unternehmens zurückziehen.

Die komplette Auswertung des Panels können Sie hier herunterladen.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de