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Tui Cruises will Kapitalmarkt anzapfen

Tui Cruises will am Anleihemarkt 300 Millionen Euro einsammeln. Es ist das Debüt am Bondmarkt für die Kreuzfahrtgesellschaft.
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Tui Cruises wagt den Schritt an den Kapitalmarkt: 300 Millionen Euro will die kriselnde Kreuzfahrtgesellschaft in den kommenden Tagen bei Investoren einsammeln. Das bestätigte ein Sprecher des Touristikkonzerns Tui, dem 50 Prozent des Kreuzfahrtanbieters gehören, auf Anfrage von FINANCE. Nähere Details zur Transaktion wollte er zunächst nicht nennen.

Die gehen allerdings aus einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hervor: Demzufolge soll die Anleihe eine Laufzeit von fünf Jahren haben und nach zwei Jahren zurückgezahlt werden können. Als Kupon für das Bond-Debüt von Tui Cruises stehen 7 Prozent im Raum. JP Morgan und BNP Paribas sind als Lead Manager an der Transaktion beteiligt, ebenfalls dabei sind Citi, Commerzbank, Crédit Agricole, DZ Bank und Unicredit.

Tui Cruises hofft auf gutes Momentum am Bondmarkt

Tui Cruises ist – wie andere Kreuzfahrtgesellschaften auch – heftig von der Coronakrise getroffen worden. Seit touristische Reisen kaum mehr möglich sind, ist das vor der Pandemie hochprofitable Geschäft des Joint Ventures von Tui und dem Kreuzfahrtkonzern Royal Caribbean Cruises stark eingebrochen. Den fehlenden Umsätzen stehen massive Fixkosten für die Flotte gegenüber.

Im Geschäftsjahr 2019/20, das nur zur Hälfte in die Zeit der Krise fiel, lag der Verlust, den Tui für sein Kreuzfahrtgeschäft auswies, bei einem bereinigten negativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 323 Millionen Euro. Im Jahr zuvor waren es 366 Millionen Euro Gewinn.

Allerdings gibt es nun Licht am Ende des Tunnels, denn wegen der fortschreitenden Impfungen steigt derzeit die Hoffnung, dass Reisen bald wieder möglich sein könnten. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte zuletzt Schritte angekündigt, um Genehmigungen für die Wiederaufnahme des Passagierbetriebs der Kreuzfahrtindustrie in Amerika bis Mitte des Sommers zu beschleunigen.

Auch die Diskussionen über einen digitalen Impfpass in der EU und der Abbau von Grenzkontrollen verleihen der Touristikbranche neue Hoffnung. Diese Momentum will Tui Cruises offenbar nutzen, um frische Mittel am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Moody’s erteilt Tui Cruises ein B3-Rating

Allerdings kann der günstige Zeitpunkt für eine Anleiheplatzierung nicht über die bestehenden Probleme hinwegtäuschen. Darauf weist auch die Ratingagentur Moody’s hin, von der sich Tui Cruises im Zuge des Bond-Debüts eine Bonitätseinschätzung eingeholt hat. Das Unternehmen erhält ein Rating von B3, die Anleihe selbst aufgrund ihrer nachrangigen Struktur eine Bewertung von Caa2.

Das Erst-Rating von B3 wäge das sehr profitable Geschäftsmodell von Tui Cruises vor der Krise und die guten Aussichten für eine starke Entschuldung gegen die aufgrund der Pandemie derzeit sehr schwachen Finanzkennzahlen ab, kommentiert Stanislas Duquesnoy, Senior Vice President bei Moody’s.

Tui Cruises verbrenne etwa 30 Millionen Euro bei Stillstand der Kreuzfahrt monatlich, rechnen die Bonitätswächter vor. Das Liquiditätspolster des Konzerns sei aber ausreichend, um die Zeit bis zur Wiederaufnahme der Kreuzfahrtaktivitäten zu überbrücken – selbst wenn der Sommer 2021 noch schwach ausfallen sollte.

Die geplante Bondtransaktion würde für Entlastung sorgen: Inklusive der Erlöse könnte sich Tui Cruises laut Moody‘s rund 300 Tage mit der eigenen Liquidität über Wasser halten, selbst wenn überhaupt keine Kreuzfahrten stattfänden. Im zweiten Quartal 2022 wird eine Verbindlichkeit über 181 Millionen Euro fällig. Gesetzt den Fall diese wird refinanziert, dann würde sich der Liquiditätspuffer laut Moody‘s sogar auf 500 Tage ausweiten.

Wann kann Tui Cruises wieder fahren?

Die Ratingagentur verweist aber auch darauf, dass weiterhin Unsicherheit darüber besteht, wann die Pandemie wirklich überwunden sein wird. Es ist unklar, in welcher Geschwindigkeit sich das Kreuzfahrtgeschäft erholen kann. Stand jetzt rechnet Moody’s damit, dass es im späten zweiten Quartal wieder losgehen kann – und sich dann auch Umsatz und operativer Cashflow wieder graduell verbessern können. Die Agentur stuft den Ausblick für das Rating daher als stabil ein.

Die Verringerung der Verschuldung dürfte für Tui Cruises von zentraler Bedeutung sein, wenn das Geschäft wieder losgeht. Ende September 2020 standen Rückstellungen und Verbindlichkeiten über 3,8 Milliarden Euro zu Buche. Das Unternehmen hat auch KfW-Hilfskredite in Anspruch genommen. In welcher Höhe genau ist nicht bekannt. Moody’s schreibt in seinem Report von einem 300 Millionen Euro schweren KfW-Kredit. Ob das die vollständige Summer der Hilfen durch die Förderbank ist, ist unklar.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Alle aktuellen Entwicklungen zum Überlebenskampf des Reisekonzerns, dem Tui Cruises zur Hälfte gehört, finden Sie auf der FINANCE-Themenseite zu Tui.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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