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Unklare Finanzlage bei Windreich

Windreich setzt bei seinen Offshore-Windparks auf Technik aus dem Haus Areva.
Alpha Ventus

Der Windparkprojektierer Windreich kommt aus den finanziellen Negativschlagzeilen nicht heraus. Nach der Ratingaussetzung der beiden ausstehenden Unternehmensanleihen wegen „unzureichender Informationen“ senkte Creditreform Mitte der vergangenen Woche die Bonitätsnoten der Bonds auf BB+ von zuvor BBB+. Es ist nicht das erste Mal, dass die Ratingagentur die Transparenz im Unternehmen bemängelt – vor allem die enge Verquickung von Geschäfts- und Privatsphäre. So hatte sich Windreich-Gründer, Geschäftsführer und Alleinaktionär Willi Balz im Jahr 2009 ein Darlehen von knapp 50 Millionen Euro gewährt, um historische Rennwagen zu kaufen. Inzwischen, so die Aussagen von Insidern, flössen die Zahlungen in die andere Richtung. Die Dominanz von Balz bei Windreich macht es schwierig, sich ein objektives Bild über die finanzielle Lage des Unternehmens zu verschaffen. Transparenz sei ein Fremdwort, sagen ehemalige Weggefährten. Die wahre Finanzlage kenne außer Balz kaum einer.

Ist Karl-Gerhard Eick noch an Bord?

In dieser Gemengelage kommt zusätzliches Störfeuer aus den eigenen Reihen: Ein anonymer Insider hat Ende November Anzeige gegen Balz bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen Finanzbetrugs gestellt. Man prüfe die Sache und wolle dann entscheiden, ob ein Anfangsverdacht vorliege, hieß es dazu auf Anfrage aus der Neckarstraße 145. Balz selbst vermutet „interessierte Kreise“ oder „geschasste Ex-Manager“ hinter dem Komplott. Das muss nicht falsch sein. Für einen zimperlichen Umgang mit seinem Personal ist der Windreich-Chef nämlich nicht bekannt. Es bringt in der momentan angespannten Finanzlage des Konzerns aber zusätzliche Unsicherheit in die Gespräche mit Banken und Kapitalgebern. Und es dürfte die Arbeit des ehemaligen Telekom-CFO Karl-Gerhard Eick, der angeblich zwei bis drei Tage die Woche für Windreich arbeiten und das Unternehmen in Finanzierungsangelegenheiten auf der Holding-Ebene unterstützen soll, und des Inders Anil Srivastava, ehemaliger CEO der Erneuerbare-Energien-Sparte des französischen Energiekonzerns Areva und zurzeit für die Eigen- und Fremdkapitaleinwerbung sowie die Projektfinanzierung verantwortlich, nicht gerade leichter machen.

Vor allem auf Holding-Ebene drückt finanztechnisch der Schuh. Im ersten Halbjahr 2012 fuhr das Unternehmen einen Verlust von 27 Millionen Euro ein. Abschreibungen von 21 Millionen Euro auf die knapp 10-prozentige Beteiligung des insolventen Windanlagenbauers Fuhrländer verhagelten das Ergebnis. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte Windreich die Gewinnschwelle noch knapp überschritten. Auf dem Unternehmen lastet ein Schuldenberg von 480 Millionen Euro, der, so sagt Balz, durch den Verkauf des Windparks Deutsche Bucht an den schottischen Finanzinvestor Lord Irvine Laidlaw of Rothiemay inzwischen aber auf 330 Millionen Euro geschrumpft sei.

Intransparente Finanzlage bei Windreich

Wie aus dem Halbjahresbericht weiter hervorgeht, hat die Gruppe zwar in diesem Jahr eine neue Bankenfinanzierung über 15 Millionen Euro unter Dach und Fach gebracht. Es laufen aber weitere Verhandlungen, zum Teil auch zur Umschuldung der bestehenden Verbindlichkeiten. Für das Management und Finanzierungsberater Eick werden die Verhandlungspositionen schwieriger, denn die Alternativen schrumpfen: Ein Börsengang des Windparkprojektierers, mit dem Balz nach wie vor liebäugelt, ist aktuell keine Option. Beim Fremdkapital sieht es nicht viel besser aus: Zwar hat Windreich in den Jahren 2010 und 2011 zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 125 Millionen Euro im Mittelstandsegment Bondm der Stuttgarter Börse begeben, die auch vollständig gezeichnet wurden. Doch angesichts der miserablen Performance, aktuell notieren die Bonds bei 65 Prozent (Laufzeit 2015) bzw. 50 Prozent (Laufzeit 2016) des Nominalwertes, und der Abstufung in das Non-Investmentgrade-Universum dürfte der Anleihemarkt für weitere Emissionen verschlossen oder prohibitiv teuer sein.

Die hemdsärmelige Art des Windreich-Chefs und die Defizite in der Corporate Governance passen schon lange nicht mehr zu dem großen Rad, das Windreich inzwischen dreht. Beim Offshore-Windpark Global Tech 1 beispielsweise, der zurzeit gebaut wird und 2013 ans Netz gehen soll, gab es Querelen mit dem Mitgesellschafter, den Stadtwerken München. Inzwischen ist Windreich aus diesem Projekt größtenteils heraus gedrängt. Nur noch 10 Prozent der Anteile sind im Besitz seines Unternehmens. Dafür sucht Balz händeringend nach Investoren. Um die Vermarktungschancen zu erhöhen, wurde die Mindestanlagesumme mit 250.000 Euro entsprechend niedrig gewählt.

Riesige Lücke zwischen Schein und Sein

Dabei hat Windreich theoretisch die besten Offshore-Perspektiven in der deutschen Nordsee. Die Schwaben verfügen allein über mehr als ein Drittel der Flächen für Meereswindparks, die das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie genehmigt hat. Und auch bei den problematischen Netzanschlüssen ist Balz seinen Wettbewerbern oftmals voraus. Praktisch dreht sich freilich noch keine einzige von Windreich projektierte Windmühle auf hoher See. Wie das Unternehmen mit den immensen technischen Herausforderungen zurechtkommt, muss sich erst noch zeigen.

Aus wirtschaftlichen Gründen ist Windreich aber auf eine zügige Inbetriebnahme der geplanten Windparks angewiesen. Die Projektierung verschlingt Millionen; langwierige Verzögerungen kann sich das Unternehmen nicht leisten, ohne in finanzielle Nöte zu geraten. Doch Investoren stehen bei Nordsee-Windparks nicht gerade Schlange. „Es existiert eine riesige Lücke zwischen der Genehmigungslage und dem, was draußen auf See passiert“, heißt es aus dem Bundesamt für Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg. Selbst wenn alle Ampeln auf Grün stünden, kämen Projekte oftmals nicht zu Stande.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

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