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Unternehmensfinanzierung: Rückzug der Auslandsbanken

Hoch und runter: Die Struktur der deutschen Bankenlandschaft verschiebt sich.
Thinkstock / Getty Images

Die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft stagnierte im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr. Mit 1,493 Milliarden Euro ausstehender Kredite zum Jahresende bewegte sich das Volumen auf praktisch demselben Niveau wie im Jahr zuvor mit 1,488 Milliarden Euro. Dies zeigt eine Aufstellung von Capmarcon auf Basis von Bundesbankdaten. Zudem differenzieren Banken ihre Kreditvergabe immer stärker nach der Unternehmensbonität und Neukunden haben es gegenüber Bestandskunden tendenziell immer schwerer. Dennoch zeigt sich der Studie zufolge keine Spur einer generellen Kreditklemme, denn die Kreditnachfrage hat kaum angezogen. Freilich könnte die Nachfragezurückhaltung teilweise auch eine Reaktion auf restriktiveres Bankverhalten sein – wie immer lässt sich die Frage nach Henne und Ei nur schwer beantworten. Gleichzeitig aber konnten CFOs deutscher Unternehmen 2012 die Innenfinanzierung deutlich stärken. Viele Finanzchefs schraubten angesichts trüber Konjunkturaussichten zudem ihre Investitionspläne zurück.

Verschiebungen in der Bankenlandschaft

Bei aller Konstanz im Kreditvolumen zeigen die Bundesbankdaten allerdings erhebliche Verschiebungen in der Struktur der Bankaktivität in Deutschland. Auslandsbanken ziehen sich aus dem Kreditgeschäft mit der deutschen Wirtschaft faktisch zurück. Hatten Auslandsbanken Mitte 2008 in der Spitze noch gut 175 Milliarden Euro an deutsche Unternehmen verliehen, haben sie das Geschäft bis Ende 2012 immer weiter auf inzwischen 115 Milliarden Euro reduziert. Deutsche Großbanken bewegen sich seit Jahren relativ konstant bei etwa 150 Milliarden Euro Kreditvolumen. Die großen Gewinner des Rückzugs der Auslandsbanken sind weiterhin die Sparkassen. Ihr Kreditgeschäft hat sich seit 2006 um über 40 Prozent von gut 130 auf 190 Milliarden Euro gesteigert. Genossenschaftsbanken haben im selben Zeitraum gar um mehr 50 Prozent zugelegt, auf jetzt knapp 100 Milliarden Euro.

Anhaltende Anleihehausse

Wenig getan hat sich seit 2009 an den deutschen Aktienmärkten. Der Nominalwert umlaufender Aktien deutscher Unternehmen bewegt sich seit drei Jahren in einem schmalen Schwankungsband zwischen 175 Milliarden und 180 Milliarden Euro. Der Nominalwert umlaufender Unternehmensanleihen belief sich Ende 2012 auf knapp unter 250 Milliarden Euro; das ist leicht unter dem Höchstwert von Anfang 2011 mit rund 270 Milliarden Euro, aber noch immer weit oberhalb der nur gut 100 Milliarden Euro, bis Anfang 2008 in Deutschland üblich waren.

Weitere Auswertungen – auch auf Branchenebene – finden sich in der Capmarcon-Studie in der FINANCE White Paper-Library.

armin.haeberle[at]finance-magazin.de