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VNG: „Abweichungen zum ,Marktstandard‘ waren für manche Bank herausfordernd“

Premiere für VNG – Verbundnetz Gas: Der Erdgasspezialist hat seinen ersten Konsortialkredit abgeschlossen.
VNG

Neuland für die VNG – Verbundnetz Gas: Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte hat der Erdgasspezialist einen Konsortialkredit mit insgesamt zwölf Banken in Höhe von rund 1 Milliarde Euro abgeschlossen. Der Kredit läuft mehr als drei Jahre und ersetzt einen Großteil der bisherigen bilateralen Kreditlinien. „Bis 2011 hatten wir immer eine gute bis sehr gute Bonität und waren rein bilateral finanziert“, sagt Nico Klingler, Leiter Finanzen bei VNG. „Doch der deutsche Gasmarkt stand 2011 vor erheblichen Veränderungen und Herausforderungen. Mit diesem schwierigen Umfeld war auch VNG konfrontiert.“

2011 musste VNG einen Verlust von 260 Millionen Euro ausweisen, da unter anderem die Preise für Erdgas an den Handelsplätzen teilweise günstiger waren als in den langfristigen Lieferverträgen, die VNG mit Unternehmen aus Russland, Norwegen und Deutschland abgeschlossen hatte. „In dieser angespannten Phase haben sich die Stärken und Schwächen unserer Finanzierungsstruktur deutlich gezeigt“, sagt Klingler. „Manch ein Bankpartner wollte bei den Prolongationen von bilateralen Kreditlinien beispielsweise keinen zeitlichen Nachrang mehr akzeptieren.“

VNG: Konsortialkredit neues finanzielles Fundament

Das ändert sich nun mit dem Konsortialkredit. Er bildet das neue finanzielle Fundament der VNG, deren Bonität auf Basis der 2011er Jahresabschlüsse herabgestuft worden ist und die nun wieder ein Investmentgrade-Rating anstrebt. „Wesentliche Entscheidungen der Konsortialbanken werden jetzt nach dem Mehrheitsprinzip getroffen, gleichzeitig besteht keine Subordination zwischen Gläubigern hinsichtlich der Endfälligkeiten der Kreditzusagen“, sagt VNG-Finanzleiter Klingler. „Dabei war uns wichtig, mit unseren bisherigen Bankpartnern auch künftig eng zusammenzuarbeiten.“

VNG ist dabei einen ungewöhnlichen Weg gegangen: „Wir haben die Syndizierung selbst intensiv vorbereitet und mit allen Banken einzeln vorverhandelt.“ Das Ergebnis ist ein großer Konsortialkreditvertrag, der durch einen neuen bilateralen Kreditvertrag mit jeder einzelnen Konsortialbank ergänzt wird. „Wir hatten bei den bisherigen Kreditverträgen Konditionen, die wir auch in der neuen Struktur behalten wollten“, erklärt Klingler. „Deshalb haben wir die Margen, Bereitstellungsprovisionen und technischen Aspekte bilateral vereinbart.“ Die Inanspruchnahme von Krediten läuft bei der VNG auch nicht wie sonst über den Agenten. „Er hat nur eine Kommunikationsfunktion und ist nicht in die operativen Inanspruchnahmen eingebunden“, sagt der VNG-Finanzleiter. In dem unbesicherten Rahmenkreditvertrag wurde zudem ein kennzahlenabhängiges Margin Grid vereinbart.

Einige VNG-Banken wollen bilaterale Linien zunächst behalten

Allerdings wollen einige Kreditinstitute zunächst die bilaterale Linie beibehalten und sich noch nicht auf die neue Struktur einlassen, was laut Aussage von VNG-Finanzleiter Klingler für die Transaktion jedoch kein Problem war. Ein späterer Beitritt zum Konsortium sei möglich und geplant.

„Die größte Herausforderung beim Kreditabschluss war, dass wir ihn als eine Relationship-Transaktion durchgeführt und dabei eine Vielzahl von Strukturmerkmalen aus dem Konsortialkreditgeschäft genutzt haben. Dennoch waren die deutlichen Abweichungen zum ‚Marktstandard‘ eine Herausforderung für so manche Fachabteilung der Banken“, sagt Klingler. Damit die Transaktion trotzdem gelang, sei es hilfreich gewesen, dass VNG schon seit vielen Jahren mit seinen Kernbanken zusammenarbeite. Sonst hätte es angesichts des großen Volumens schwierig werden können. 

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.