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Windreich-Chef Willi Balz vertröstet Anleihegläubiger

Global Tech 1

Anleihegläubiger von Windreich brauchen in diesen Tagen ein dickes Fell. Anfang Mai hat sich Geschäftsführer und Alleinaktionär Willi Balz in zwei Briefen „An die Anleihezeichner“ erneut zu Wort gemeldet und die finanzielle Schieflage des Unternehmens aus seinem Blickwinkel heraus kommentiert. Die Erkenntnisse für die Gläubiger sind gleichwohl ernüchternd und folgen dem Muster der vergangenen Monate: herunterspielen und verharmlosen.

So sei die finanzielle Schieflage laut Balz nur eine vorübergehende Phase und der Strategie des Unternehmens geschuldet. „Um einen höchstmöglichen Erlös aus unseren Projekten zu erzielen, versuchen wir diese, anders als unser Mitbewerber PNE, so spät wie möglich zu verkaufen. Während dieses Vorgehen unsere Liquidität zeitweise einschränkt, wirkt sich dies positiv auf unsere zukünftigen Cashflows und Gewinn aus“, erklärt Balz.

"Dramatische Wertsteigerung" bei Global Tech 1

Die Strategie, so spät wie möglich zu verkaufen, mache sich im Fall des Windparks Global Tech 1 bereits bezahlt. „Durch den fortgeschrittenen Bautenstand sowie der am 5. Mai erfolgten Installation des parkinternen Umspannwerks und den damit einhergehenden Stromerlösen hat sich der Wert unserer Anteile dramatisch gesteigert“, so Balz.

Was der Windreich-Chef verschweigt: Die angeblichen Wertsteigerungen zahlen sich für Windreich und die Anleihegläubiger erst dann aus, wenn sich Investoren finden, die die Anteile zu diesen Preisen auch abnehmen. Solange sich in diesem Punkt nichts tut, bleibt es bei der sich verschärfenden Liquiditätskrise.

Hinzu kommt, dass Stromerlöse – entgegen der Behauptung von Balz – Windreich noch lange nicht zufließen. „Bis das Umspannwerk ans Netz geht, vergehen mindestens noch einmal zwei Monate“, sagte ein mit der Materie vertrauter Experte gegenüber FINANCE. Und selbst wenn das erfolgt sei, würden die Erlöse zunächst einmal an die Betreiber des Parks gehen, vornehmlich an die Stadtwerke München. Ehe Windreich davon profitiere, könne es 2014 werden.

Ob das Unternehmen so lange durchhält, ist ungewiss. Zweifel sind durchaus angebracht – auch im Hinblick auf die Entlassungen von 23 Mitarbeitern Ende April. Nach Auskunft von Balz sei diese Maßnahme Teil eines Pakets an eingeleiteten Einsparmaßnahmen und betreffe sowohl Bereiche, die nicht mehr zum Kerngeschäft von Windreich gehörten, als auch die Verwaltung und die Öffentlichkeitsarbeit. Letzteres beißt sich jedoch mit der Mandatierung der Krisen-PR-Agentur CNC, die zu den besten, aber auch teuersten PR-Spezialisten für Notfalleinsätze zählt.

Unter dem Strich bleibt die Einschätzung der Lage der Firma für die Anleihegläubiger weiterhin undurchsichtig. Allein die Aussage, man werde die Zinsen der Anleihen so wie bisher auch pünktlich und zuverlässig leisten, klingt in Anbetracht des Zahlungsverzugs beim Zinstermin Anfang März wie Hohn. Selbst Balz scheint inzwischen nicht mehr bedingungslos an ein Überleben der Windreich zu glauben: Nach FINANCE vorliegenden Informationen werden zurzeit massenweise Unterlagen aus der Firmenzentrale in Wolfschlugen geschleust.

andreas.knoch[at]finance-magazin.de

Info

Alle Details zur Windreich-Story finden Sie in unserem ausführlichen Themendossier zu Windreich

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