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About You wagt den Börsengang

Das Management von About You um Firmenchef Tarek Müller (rechts) will den Onlinehändler an die Börse bringen.
About You

Gemutmaßt wurde bereits im vergangenen Jahr, nun will der Online-Modehändler About You tatsächlich den Börsengang wagen. Wie das Unternehmen am heutigen Donnerstag mitteilte soll der IPO noch im zweiten Quartal stattfinden – vorbehaltlich der Marktsituation. Mit dem Börsengang wollen die Hamburger mindestens 600 Millionen Euro einsammeln. Das Gros der Einnahmen soll in die weitere internationale Expansion, den Ausbau des Software-as-a-Service-Geschäfts mit der selbst entwickelten Shop-Anwendung und in den Ausbau der technischen Infrastruktur sowie der Distributionszentren fließen.

Neben der Privatplatzierung neuer Aktien aus einer Kapitalerhöhung, die für einen Bruttoerlös von 600 Millionen Euro sorgen soll, wollen aber auch bestehende Aktionäre einen Teil ihrer Anteile abgeben. Größter Aktionär ist das Familienunternehmen Otto, das 45 Prozent des Kapitals und 53 Prozent der Stimmreche hält. Die Holding Heartland des skandinavischen Fashion-Unternehmers Anders Hoch Povlsen hält eine kleinere Beteiligung, ebenso wie die Venture-Tochter von ProSieben Sat.1.

Alles in allem könnte der Emissionserlös für den Online-Händler, dem ein aktueller Unternehmenswert von rund 4 Milliarden Euro zugesprochen wird, bei rund 1 Milliarde Euro liegen. Von wie vielen ihrer Anteile sich die bisherigen Eigentümer trennen wollen, wollte About You auf Anfrage nicht verraten.

About You hat kräftig in sein Wachstum investiert

Der Zeitpunkt für den geplanten IPO ist durchaus günstig. Auf rund 400 Milliarden Euro bezifferte About You 2019 alleine den europäischen Modemarkt, rund 75 Milliarden davon entfallen auf den Online-Handel – Tendenz weiter steigend. Befeuert wurde die Verlagerung von offline zu online durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Das hat der Modeplattform im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 ein Umsatzwachstum von 57 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro beschert. Im Vorjahr waren es noch 739 Millionen gewesen. Im Ausland wuchs der Umsatz um 145 Prozent auf 464 Millionen Euro. Unter dem Strich schrieben die Hamburger einen Verlust von 59,9 Millionen Euro, der jedoch geringer ausfiel als die 81,2 Millionen Euro aus dem Jahr davor.

Im letzten Quartal des Geschäftsjahres, das Ende Februar endete, hat About You nach eigenen Angaben auf der Ebene des operativen Ergebnisses (Ebitda) erstmals einen Gewinn erwirtschaftet. Ein Hoffnungsträger für weiter steigende Margen ist neben der Skalierung des Stammgeschäfts auch das B2B-Geschäft rund um die White-Label-Shop-Anwendung, die About You entwickelt hat.

Wiederholt About You den Zalando-Erfolg?

About You ist jetzt zum Börsengang ähnlich groß wie der Branchenprimus Zalando bei dessen Börsengang vor sieben Jahren. Seit dem IPO hatte sich der Aktienkurs von Zalando bis Februar dieses Jahres nahezu verfünffacht und notiert nach einem leichten Abfall derzeit bei knapp 90 Euro.

Verdreifacht hat sich mit aktuell rund 12 Euro seit dem Börsengang im Juli 2019 auch der Aktienkurs des Online-Modehändlers Global Fashion Group, der im vergangenen Jahr mit knapp 1,1 Milliarden Euro ebenfalls fast den gleichen Umsatz wie About You gemacht hat.

Zuletzt hatte im vergangenen Oktober der Online-Modehändler Fashionette den Gang an die deutsche Börse gewagt, mit einem Erlös von 112 Millionen Euro blieb dieser IPO jedoch hinter den Erwartungen zurück. Die Aktien wurden mit 31 Euro am unteren Ende der Preisspanne ausgegeben, die von 30 bis 38 Euro reichte, und zum Start mit 29 Euro gehandelt. Aktuell notiert das Papier bei etwa 33 Euro.

Dass der Online-Modehandel im Moment ein heißer Investmentmarkt ist, zeigt auch der Secondhand-Marktplatz Vinted. Das Start-up hat in einer Eigenkapitalrunde erst kürzlich 250 Millionen Euro an Venture Capital eingesammelt. Die Unternehmensbewertung stieg damit auf 3,5 Milliarden Euro.

Für seinen IPO hat sich About You die Deutsche Bank, Goldman Sachs und J.P. Morgan an seine Seite geholt. Numis Securities, Société Générale und UBS agieren als Joint Bookrunners.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.