Meyer Burger

26.07.19
Finanzierungen

Aktivist erhöht Druck auf Meyer Burger

Nach schlechten Zahlen muss der Solarzulieferer Meyer Burger seine gesamte Strategie überdenken. Ein Investor, der auch in der Vergangenheit nicht mit Kritik gespart hat, will dabei unbedingt mitreden.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger, der sich schon länger durch schweres Fahrwasser kämpft, und einer Gruppe von Aktionären erreicht die nächste Stufe: Der Investor Sentis Capital, hinter dem der russische Investor Pyotr Kondrashev steht, kritisiert das Unternehmen bereits seit Monaten öffentlich und fordert nun gemeinsam mit anderen Aktionären mehr Einfluss auf die strategischen Entscheidungen bei den Schweizern. Zudem will er zwei Sitze im Verwaltungsrat neu besetzen.

Die Gruppe besteht aus Sentis Capital sowie dem Teutonia Opportunity Fund und einer Reihe von Privataktionären. Sie kontrolliert nach eigenen Angaben insgesamt 10 Prozent der Stimmrechte. Sentis selbst hielt bisher rund 6 Prozent, hat seinen Anteil aber nun auf 8,2 Prozent erhöht, wie der Investor mitgeteilt hat.

Sitze im Verwaltungsrat von Meyer Burger gefordert

Die Gruppe fordert die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung und die Wahl von zwei neuen Mitgliedern für den Verwaltungsrat, die das bestehende Gremium ergänzen sollen. Sie schlägt dafür die beiden Co-Geschäftsführer von Sentis vor: Anton Karl und Mark Kerekes.

Sentis hatte bereits in der Vergangenheit wiederholt die Besetzung des Verwaltungsrats kritisiert. Vor allem der frühere Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel stand in der Kritik. Er gab den Posten zum Jahresbeginn ab, seine Nachfolge trat der frühere ABB-Schweiz-Chef Remo Lütolf an.

Meyer Burger überprüft die Strategie

Die Forderungen der Aktionäre folgen auf die Ankündigung von Meyer Burger, das Geschäftsmodell und die Unternehmensstrategie grundlegend überprüfen zu wollen. Das hatte das Unternehmen am vergangenen Montag mitgeteilt. Zeitgleich gab es vorläufige, ungeprüfte Zahlen für das Ergebnis des ersten Halbjahres 2019 bekannt, die wenig rosig ausfielen.

Das Geschäft sei deutlich unter den Erwartungen geblieben, teilte Meyer Burger mit. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 14 Millionen Franken im Minus. Im Vorjahr hatte das erste Halbjahr noch ein Plus von 29,2 Millionen Franken gebracht. Meyer Burger erwartet dennoch ein ausgeglichenes Nettoergebnis. Dafür sorgt der Verkauf des Wafering-Geschäfts, der im April abgeschlossen wurde.

Aufgrund der enttäuschenden Ergebnisse will Meyer Burger nun das eigene Geschäftsmodell hinterfragen. „Für die Zukunft werden wir alle strategischen Optionen prüfen“, teilte Verwaltungsratspräsident Lütolf mit. „Dazu gehören Gespräche mit industriellen Partnern, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, die nachhaltigen Mehrwert für unser Unternehmen und unsere Aktionäre schaffen.“ Meyer Burger hatte erst im Oktober 2018 ein Restrukturierungsprogramm aufgelegt.

Aktivisten wollen bei Strategie mitreden

Die neu gebildete Aktionärsgruppe will nun mitreden: Angesichts der jüngsten Entwicklungen sei es offensichtlich, dass in nächster Zeit wichtige Entscheidungen anstünden, schreibt die Gruppe in ihrer Mitteilung. „Ein allfälliger Strategiewandel und damit einhergehende mögliche Transkationen müssen unter Einbindung der Eigentümer geschehen und dem Markt transparent kommuniziert werden. Dies war in der Vergangenheit nicht sichergestellt“, heißt es weiter.

Die Gruppe fordert deshalb konkret, dass eine außerordentliche Generalversammlung und die Wahl der neuen Verwaltungsratsmitglieder, von der Gruppe „echten Aktionärsvertreter“ genannt, erfolgt, bevor der Strategiewandel oder andere strategische Optionen beschlossen werden. Ziel sei es, „nun endlich Mehrwehrt für die Aktionäre zu schaffen“. Wie genau eine neue Strategie aussehen könnte, ist noch offen. Sentis hatte Medienberichten zufolge bereits in der Vergangenheit gefordert, dass Meyer Burger in die Produktion von Heterojunction-Solarzellen einsteigt, anstatt nur Teile für deren Produktion herzustellen.

Sentis war Ende 2017 im Zuge einer Kapitalerhöhung bei Meyer Burger eingestiegen. Der Großaktionär soll auch gefordert haben, dass der damalige CFO Michael Hirschi seinen Hut nimmt – Hirschi verließ das Unternehmen schließlich im Herbst 2018. Zuvor war Meyer Burger massiv unter Druck geraten, nachdem die Schweizer Börse Six dem Unternehmen Verstöße gegen den Rechnungslegungsstandard Swiss Gaap vorgeworfen hatte. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, teilte eine Sprecherin von Meyer Burger auf Nachfrage von FINANCE mit.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de