Gleich zwei prominente Investoren beteiligen sich in kurzer Zeit bei dem Duty-Free-Shop-Betreiber Dufry.

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05.10.20
Finanzierungen

Alibaba und Advent tun sich bei Dufry zusammen

Mit Alibaba und vor Kurzem dem Finanzinvestor Advent sind gleich zwei prominente Investoren bei dem kriselnden Schweizer Duty-Free-Shop-Betreiber Dufry eingestiegen. Das sind die Hintergründe des komplexen Deals.

Prominente Hilfe für Dufry: Wie der Duty-Free-Shop-Betreiber mitteilte, gründet er ein Joint-Venture mit dem chinesischen Internetriesen Alibaba. In das Gemeinschaftsunternehmen, das die Schweizer operativ und entlang der Supply Chain unterstützen, bringen sie ihr China-Geschäft ein. Dort betreibt Dufry Shops an den Flughäfen in Shanghai und Chengdu sowie in Hongkong und Macau. Die Schweizer verfügen nach eigenen Angaben über ein Netzwerk von über 1.000 Zulieferern und Marken, auf das dann auch Alibaba Zugriff haben soll.

Im Gegenzug will Dufry von Alibabas Netzwerk in China sowie der Digitalkompetenz des Konzerns profitieren. Mit 51 Prozent werden die Chinesen an dem Joint-Venture künftig die Mehrheit halten, auf Dufry entfallen demnach 49 Prozent der Anteile.

Dufry will asiatischen Markt erobern

Die beiden Unternehmen kooperieren künftig aber nicht nur in der neuen Joint-Venture-Struktur. Im Rahmen der Partnerschaft beteiligt sich Alibaba über eine Kapitalerhöhung zusätzlich mit knapp 10 Prozent an dem Dufry-Konzern. „Parallel zu unseren Joint-Venture-Gesprächen hatte Alibaba auch das Interesse signalisiert, sich darüber hinaus an Dufry zu beteiligen“, erklärt ein Unternehmenssprecher das zusätzliche Investment auf FINANCE-Nachfrage.

Die Partnerschaft entsteht damit vor einem „größeren Hintergrund“, wie der Unternehmenssprecher erläutert: „Schon vor dem Ausbruch der Coronavirus-Krise haben wir ein großes Wachstumspotential in Asien – und dort vor allem in China gesehen – und hatten das Thema Digitalisierung auf der Agenda.“

„Schon vor dem Ausbruch der Coronakrise haben wir ein großes Wachstumspotential in Asien – und dort vor allem in China gesehen – und hatten das Thema Digitalisierung auf der Agenda.“

Ein Unternehmenssprecher von Dufry

Bis Ende dieses Jahres sollen dann die Unternehmens- und Governance-Strukturen des Joint-Ventures stehen, den Sitz werde das Gemeinschaftsunternehmen in China haben. Konkrete Projekte, die Dufry und Alibaba gemeinsam angehen wollen, werden die Parteien in den nächsten Wochen diskutieren, so der Sprecher.

Advent kehrt zu Dufry zurück

Alibaba ist allerdings nicht der einzige Investor, der in den vergangenen Wochen ein Auge auf die Schweizer geworfen hat. Bereits Mitte September hatte die Kapitalerhöhung von Dufry den Private-Equity-Investor Advent auf den Plan gerufen. Advent war bereits von 2004 bis 2013 an Dufry beteiligt gewesen und wollte sich nun erneut finanziell, aber auch strategisch im Konzern einbringen, so der Unternehmenssprecher.

Der Finanzinvestor steigt mit rund 415 Millionen Schweizer Franken bei dem Duty-Free-Shop-Betreiber ein und bezahlt dabei pro Dufry-Aktie 28,50 Franken. So kann sich der Finanzinvestor maximal 19,99 Prozent der Anteile sichern. Advent hat derzeit nicht die Absicht, eine Kontrollmehrheit zu erlangen, wie Dufry mitteilt. Es handele sich um ein Eigenkapitalinvestment.

Wegen der großen Investorennachfrage konnte Dufry das Volumen der Kapitalerhöhung um 200 Millionen Schweizer Franken auf 700 Millionen Schweizer Franken anheben. Über die Kapitalerhöhung werden die Aktionäre auf einer außerordentlichen Generalversammlung morgen, den 6. Oktober abstimmen. Stimmt der Verwaltungsrat der Transaktion zu, dürfen im Rahmen der Kapitalerhöhung zunächst die bestehenden Aktionäre Papiere zeichnen, danach ist Advent zeichnungsberechtigt. Zuletzt hat Alibaba die Möglichkeit, weitere Aktien zu kaufen.

Dufry leidet unter Coronakrise

Für die frischen Mittel hat Dufry auch schon eine Verwendung: Der Konzern plant das komplette Delisting der US-Tochter Hudson. Derzeit ist Dufry mit 57,4 Prozent an dem US-Reiseeinzelhändler beteiligt. Der Börsenrückzug von Hudson und die darauffolgende Integration in den Konzern findet vor dem Hintergrund einer Restrukturierung des Konzerns statt, die insgesamt rund 400 Millionen Schweizer Franken einsparen soll. Allein durch das Delisting rechnet Dufry mit Einsparungen in Höhe von mindestens 20 Millionen Schweizer Franken.

Die Restrukturierung gewinnt insbesondere in der Coronakrise nochmal an Relevanz, denn die Krise hat die Reise- und Tourismusbranche, aber auch den Einzelhandel schwer getroffen – so auch Dufry. Im ersten Halbjahr dieses Jahres sanken die Umsätze von Dufry auf knapp 1,6 Milliarden Schweizer Franken ab. Im ersten Halbjahr 2019 lagen die Umsätze noch bei etwas mehr als 4,1 Milliarden Schweizer Franken. Zudem schrieb Dufry im ersten Halbjahr dieses Jahres einen operativen Verlust von 933 Millionen Franken. Noch im vergleichbaren Vorjahreszeitraum verbuchten die Schweizer einen operativen Gewinn von 123 Millionen Franken.

Die finanziellen Mittel von Advent und Alibaba verschaffen Dufry Luft. Über den Berg ist der Duty-Free-Shop damit aber noch nicht, denn wegen Corona reisen noch immer deutlich weniger Menschen mit dem Flugzeug. Dementsprechend finden weniger Kunden ihren Weg in die Shoppingmeilen der Flughäfen. Dass jetzt gleich zwei prominente Investoren bei Dufry einsteigen, kann aber auch als gutes Zeichen gewertet werden: Investoren scheinen die angeschlagene Tourismusbranche noch nicht abgeschrieben zu haben.

olivia.harder[at]finance-magazin.de