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Anleihe auf indisch

FINANCE: BMW hat als erstes deutsches Unternehmen eine Rupien-Anleihe begeben. Warum?
Nolden: BMW wollte zunehmend seine Refinanzierungsrisiken zurückfahren und sich auf der Finanzierungsseite in Indien breiter aufstellen. Deshalb hat die indische Tochtergesellschaft BMW India Financial Services eine nicht wandelbare Anleihe begeben. Dies ist tatsächlich die erste Transaktion dieser Art eines deutschen und sogar europäischen Unternehmens. Es handelt sich hierbei um einen Onshore-Bond. Das heißt, die Anleihe ist von einer indischen Gesellschaft in Indien unter indischem Recht und nur bei indische Investoren platziert worden. Die erzielten Rupien müssen in Indien verwendet werden. Das Besondere dabei ist, dass keine explizite Garantie der BMW AG existiert.

FINANCE: Wie ist der indische Finanzierungsmarkt im Vergleich zum chinesischen zu sehen?
Nolden: Beide sind nicht voll liberalisiert, sondern unterliegen verschiedenen Restriktionen. Dennoch existieren in Festlandchina – sowohl für inländische als auch für ausländische Marktteilnehmer – deutlich mehr Auflagen und Genehmigungsverfahren. Der indische Kapitalmarkt ist liberaler, aber auch hier bestehen Kapitalein- und -ausfuhrkontrollen. Indien ist ein reiner Onshore-Anleihemarkt mit vorwiegend indischen Emittenten, wohingegen der für Ausländer interessante chinesische Offshore-Bondmarkt („Dim-Sum-Bondmarkt“) mehrheitlich von Ausländern genutzt wird.

FINANCE: Welche Voraussetzungen muss ein europäisches Unternehmen mitbringen, um sich in Rupien einzudecken?
Nolden: Ein starkes lokales Rating der indischen Tochtergesellschaft, ein sogenanntes „Stand-alone-Rating“ ist wertvoll. Crisil, der indische S&P-Ableger, gab beispielsweise der Tochter der BMW-Group ein lokales „AAA-Rating“ mit Ausblick „stabil“. Diese bestmögliche Ratingkategorie war bei der Platzierung sehr hilfreich. Ein bekannter Name und ein stabiles Geschäftsmodell können bei der Platzierung ebenfalls helfen. Natürlich müssen die Emittenten überzeugend erklären, wofür sie das Geld verwenden möchten – vor allem, weil die indischen Investoren das Geld einer indischen Gesellschaft ohne Garantie des deutschen Konzerns geben. Dies hat folgenden Hintergrund: Wenn eine indische Tochter auf eigene Rechnung, also ohne Einbindung des ausländischen Mutterkonzerns, agiert, dann ist die Emission nicht genehmigungspflichtig. Das Geld kann jedoch nicht ohne weiteres aus dem Land transferiert oder in eine Fremdwährung getauscht werden.

FINANCE: Ab welchem Volumen lohnt sich ein Rupien-Bond?
Nolden: Das ist von den Fixkosten wie Rating- und Dokumentationskosten und dem Aufwand abhängig. BMW hat beispielsweise 8 Milliarden Rupien  (rund 120 Millionen Euro) aufgenommen. Das war für indische Verhältnisse eine große Emission. Es gibt zwar keine Minimumgröße für das Volumen, aber 4 bis 5 Milliarden Rupien sind unseres Erachtens sinnvoll. Denn auch die Investoren bevorzugen aufgrund der höheren Liquidität größere Emissionen.

FINANCE: Wie sehen die Konditionen aus?
Nolden: BMW hat mit seinem Pricing eine erste Indikation für ein gut geratetes Unternehmen gegeben. Der Kupon beträgt bei der zweijährigen Tranche 9,95 Prozent, bei der dreijährigen 10,05 Prozent und bei  der fünfjährigen 10,25 Prozent. Das klingt für deutsche Verhältnisse sehr viel, ist am indischen Markt aber ein übliches Zinsniveau. Indiens Inflationsrate lag im Juli – nach Großhandelspreisen berechnet – bei 6,9 Prozent. Die indischen Staatsanleihen bewegen sich um die 9,5 Prozent. Hinzu kommt, dass auch der indische Kapitalmarkt mit den globalen Kapitalmärkten verwoben ist. Die Unsicherheiten der Euro-Zone wirken sich bis nach Indien aus.

FINANCE: Wie sind die indischen Behörden bei einer Rupien-Anleihe eingebunden?
Nolden: Da es sich um eine rein lokale Anleihe handelt, ist die staatliche Börse in Indien der einzige Ansprechpartner, wenn das Unternehmen die Anleihe notieren möchte. Mit einer anderen Behörde, wie das in China oft der Fall ist, haben die Unternehmen nichts zu tun.

FINANCE: Mit welchem zeitlichen Aufwand müssen die Unternehmen rechnen?
Nolden: Zehn bis zwölf Wochen sollten die Unternehmen mindestens einplanen. Nach unserer Erfahrung ist es aber ratsam, bei Projekten in Emerging Markets ein wenig Puffer zu haben.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Indischer und chinesischer Anleihemarkt im Vergleich

 

China                  

  • Onshore-Bondmarkt für ausländische Unternehmen nicht zugänglich
  • Offshore-Bondsmarkt für Ausländer relevant
  • Vorwiegend ausländischer Emittent       
  • Internationales Rating der Muttergesellschaft   
  • Volle Garantie der Muttergesellschaft        

 

 

Indien

  • Nur Onshore-Markt existent
  • Offshore-Bondmarkt nicht relevant
  • Mehrheitlich inländischer/indischer Emittent
  • Lokales Rating der Tochter
  • Keine Garantie der Mutter
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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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